Im Februar dieses Jahres fand die Integrationsratswahl der Stadt Bonn mit einer erschreckend geringen Wahlbeteiligung statt. Wahlberechtigt waren ber 30 000 Migranten und Migrantinnen. Safiye Temizel, neue Vorsitzende des Rates, spricht mit uns ber ihren Posten, fehlende Aufklrung und ihre Wnsche fr die Zukunft.

Frau Temizel, Sie wurden mit einer groen Mehrheit zur neuen Vorsitzenden des Integrationsrates gewhlt. Knnen Sie uns vielleicht kurz etwas zu Ihren Aufgabenfeldern erzhlen?

Safiye Temizel: Ich soll als Vorsitzende des Integrationsrats unsere Sitzungen halten und auerdem natrlich Antrge stellen und weiterleiten. Ich denke mal, dass da im Laufe der Zeit noch viele weitere Aufgaben hinzukommen werden. An meiner Seite stehen dabei unter Anderem Herr Klein, in seiner Funktion als Stabstelle, sowie Frau Manemann, sozusagen unsere Integrationsleiterin. Die Beiden werden mich in den nchsten Monaten noch etwas lotsen.

Woher rhrt Ihr Engagement innerhalb dieses Bereichs?

Safiye Temizel: Ich habe das im Grunde schon seit Jahren gemacht, ehrenamtlich. Vor allem im Bereich Jugendarbeit war ich ttig. Richtig intensiv bin ich jetzt seit vier Jahren dabei, gehe auf viele Veranstaltungen und unternehme selbst etwas. Viele Eltern brauchen Hilfe, also beschftige ich mich auch mit Erziehung. Auerdem helfe ich oft bei Antragstellungen in den verschiedenen mtern, da sich viele Migranten damit nicht so gut auskennen und nicht wissen was sie damit anfangen sollen. Irgendwann hat mich dann jemand von unserer Liste (Gemeinsam fr Integration/Friedensliste), angesprochen, ob ich nicht im Integrationsrat mitmachen wolle und hat mir erzhlt worin dessen Aufgaben bestehen. Da diese weitgehend das waren, was ich bisher auch privat getan habe, stimmte ich zu. Unsere Liste hat dann die Wahl gewonnen, sodass ich schlielich auch als Vorsitzende kandidiert habe.

Die Wahlbeteiligung war nicht sehr hoch. Was denken Sie, woran das liegt?

Safiye Temizel: Die lag bei etwa 7,8, oder 7,9%, (7,76%) war also wirklich sehr gering. Ich habe die Zahlen nicht genau im Kopf, meine aber, dass etwa 2000 Wahlberechtigte ihre Stimme abgegeben haben. Das ist wirklich sehr wenig. Das liegt daran, so denke ich mir das jedenfalls, dass die Menschen nicht richtig darber informiert wurden, was der Integrationsrat eigentlich ist, welche Aufgaben er hat und woran er arbeitet. Hier herrscht ein groer Mangel an Aufklrung. Der zweite Grund ist, dass viele denken, der Integrationsrat habe eh nichts zu sagen in vielen Gremien, also warum solle man whlen gehen?

Worin liegen Ihrer Meinung nach die grten Hrden, die bedeutendsten Schwierigkeiten fr Integration bei uns in Bonn? Oder luft derzeit alles optimal?

Safiye Temizel: Nun ja, optimal luft nirgendwo irgendwas. Es fehlt an vielen Stellen, gerade an Integrationsarbeit sehr viel. Ich finde, man msste mehr machen. Viele sagen, die Auslnder seien nicht fr Integration bereit. Man muss jedoch gegenseitige Bereitschaft zeigen. Wenn Migranten sich integrieren lassen wollen, muss die andere Seite auch sagen: Okay, wir helfen Dir!.
Und ich habe den Eindruck, dass viele Deutsche auch ein wenig ngstlich sind. Die Religion ist anders oder die Gebruche und deshalb scheinen sie sich nicht so recht zu trauen einfach mal auf Auslnder zuzugehen. So knnten zum Beispiel bei Integrationsveranstaltungen viel mehr Deutsche teilnehmen, tatschlich werden diese aber fast nur von Migranten besucht.

Wie kann man diese Situation Ihrer Meinung nach verbessern? Haben Sie bereits konkrete Ideen?

Safiye Temizel: Wir wollen ein Konzept erstellen, welches zum Einen beinhaltet, dass wir in die weiterfhrenden Schulen gehen und dort ein erstes Forum schaffen. Die Kinder knnten sich darber erkundigen was denn eigentlich Integration bedeutet. Sie knnten sich austauschen und diskutieren. Und auch ein greres Angebot an Veranstaltungen halte ich fr sinnvoll. Die mssen nicht immer gro sein, es reicht ja schon im kleinen Stil, wie Treffen in der Alt- oder der Sdstadt. In je mehr Stadtteilen man so etwas anbietet, desto mehr Menschen erreicht man auch und erhht somit die Chance die ein oder andere Nachbarschaft zu schaffen.

Am Theater Bonn gibt es ein Stck, dass den infrastrukturellen Wandel in Bad Godesberg (z.B. von der Boutique zum 1-Shop) thematisiert. Seit kurzem steht ein Rapper aus einer Immigrantenfamilie als Shylock auf der Bonner Bhne. Integration ist also auch ein groes Thema in der Bonner Kulturlandschaft. Haben Sie hnliche Ideen?

Safiye Temizel: Ja, die Ideen gibt es schon. Uns fehlt diesbezglich nur leider die finanzielle Seite und entsprechende Untersttzung. Kinder oder Jugendliche fr derartige Projekte zu begeistern, ist dabei das geringste Problem. Uns fehlen jedoch unheimlich die Rumlichkeiten, weshalb man sehr schwer an solchen Ideen arbeiten kann. Gerade jetzt als Vorsitzende des Integrationsrats erhoffe ich mir sehr, dass wir zuknftig mehr Untersttzung bekommen, denn das Interesse ist eigentlich da.

Was ist Ihr ganz persnliches Ziel, das Sie als Vorsitzende des Integrationsrates erreichen wollen?

Safiye Temizel: Ich habe den Eindruck, dass die Probleme, die die Jugendlichen haben zurzeit immer schlimmer werden. Daher wnsche ich mir, dass man genau hier eingreift. Man muss ihnen bessere Mglichkeiten zur Integration erschaffen, mehr Hilfe anbieten. Das wre mein grtes Streben. Zweitens denke ich, dass man den Integrationsrat den Migranten besser vorstellen muss. Sie mssten einfach mal erfahren was wir eigentlich machen.


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