Der dritter Akt: Verwicklungen, Verzwickungen, verbotene Verpfndungen.

Szene Eins: Mauscheleien werden unternommen.
Nun geschieht auf der Bauherrenseite etwas, was jedem Betrachter Magenschmerzen bereiten wrde. Kim bertrgt seine Generalbernehmerfunktion bei der UNCC einem Young-Ho Hong.
Man kennt sich: Der Architekt Hong aus Berlin, Kim und der oben erwhnte Anwalt Chung trafen sich im April 2005(!) zum ersten Mal in Frankfurt. Ein zweites Treffen ist Weihnachten 2006 belegt, und Chung grndete die UNCC GmbH im Juli 2005. Es ist eine Gemengenlage der immergleichen Namen.

Vermutungen des Generalanzeigers (GA) gehen in die Richtung, dass man kurz darauf Kontakt mit Thielbeer aufnahm, der dann SMI als Investor durch boxte. Hong, Chung und Kim sitzen in einem Boot, soviel scheint klar zu sein.

Szene Zwei: Die Baukosten steigen unerwartet.
berraschend wird Anfang 2009 eine Kostensteigerung auf 180 Millionen Euro bekannt. Insgesamt belaufen sich die Zusatzkosten auf 43 Mio. Euro, begrndet unter anderem auch mit der Erhhung der Zimmerzahl auf ber 350. Noch zweifelt keiner im Rat daran.

Ein weiterer mglicher Grund: Hong ist bei der UNCC ttig, er plant und baut um und kassiert Geld, Kim zeichnet ab. Thielbeer bekommt zu dieser Zeit fr den Verleih von Baumaschinen circa 100.000 Euro. Auch von unerwarteten Gehaltsverdoppelungen an ihn und Matthias Schulte ist spter die Rede. Beiden besitzen je vier Prozent der WCCB Management, den Rest hlt Hong!

Szene Drei: Ein weiterer Investor betritt das Geschehen.
Szenewechsel. Arazim gehren 94% der UNCC GmbH. Kim hat noch ein Rckkaufrecht bis zum 15. Februar 2008, kann das Geld aber erst im Mai 2008 zurckzahlen. Die Tilgung kommt damit zu spt. Das Geld hat er von der koreanischen Investmentgesellschaft Honua geliehen, 30 Millionen Euro insgesamt. Dass Honua der neue Investor ist, wird der ffentlichkeit erst im Mrz 2009 bekannt. Sie hat ebenfalls 94% der UNCC GmbH aufgekauft, einen Anteil, den Kim gar nicht mehr besa! Anscheinend gingen Teile von dem Geld auch an Arazim. Die Informationen dazu bleiben heute noch unklar.

Szene Vier: Der versprochene Kredit kommt nicht.
Honua verspricht weitere 30 Millionen bei der Sparkasse einzuzahlen, doch das Geld kommt nicht an. Immer wieder kommt es zu Verzgerungen. Im Nachhinein ist der Grund dafr leicht zu erkennen: Honua wird kein Geld in einen Bau stecken, dessen Besitzverhltnisse ungeklrt sind. Denn Arazim pocht auf seine Rechte, und Honua ist nicht dumm...

Inzwischen unterschreibt Kim einen weiteren 30 Millionen Kredit bei der Sparkasse KlnBonn. Damit steigt der geliehene Betrag auf 104 Millionen Euro. Er hat dafr die Besttigung von Honua. Doch wenn Honua nicht der rechtliche Besitzer der UNCC ist (sondern Arazim), muss die Stadt das Risiko tragen.

Der vierte Akt August und September die Wahrheit kommt mehr und mehr ans Licht.

Szene Eins: Der neue Besitzer.
Die Stadt Bonn hielt die Wnsche Arazims fr ungerechtfertigt. Wer soll dieser Arazim auch sein, Bonn hat nie einen Vertrag mit ihm geschlossen. Fr sie ist Honua der rechtmige neue Besitzer.

Das Landgericht Bonn jedenfalls entscheidet am 5. August 2009 berraschend wie unangenehm: Arazim ist der Halter von 94% der UNCC GmbH. Einfache Rechtslehre: Kim konnte nicht etwas zweimal verkaufen, was er nur einmal besa.

Szene Zwei: Zahlungen verzgern sich weiter.
Houa mchte zwar prinzipiell weiterbauen und das Gebude betreiben, aber es gehrt ihm nicht. Arazim mchte es auf keinen Fall betreiben, besitzt aber das Gebude. Und ist in schweren Finanznten: Laut GA mit einem Eigenkapitaldefizit von 63 Mio. Euro. Die Stadt aber ist verdammt auf einen Zuschauerposten. Es ist die Privatisierung der Kontrolle.

Szene Drei: Ratlosigkeit im Rat.
Seit Mrz 2009 forderte der Rat mehr Informationen. Im Juli und August beginnt ein Spierutenlauf, Sitzungen mssen abgebrochen werden. Noch immer tritt die Verwaltung nicht mit allen Details an die Politiker. Liegt es an der anstehenden Wahl? Warum wird alles so teuer? Welche Rolle spielt Thielbeer? Der Generalanzeiger bringt mit Brgerhilfe immer mehr Licht in Unglaubliches.

Szene Vier: Die Lsung des Rtsels.
So erfhrt die ffentlichkeit, und wahrscheinlich auch eine groe Zahl der Ratsmitglieder erst Anfang September, was dem Aufmerksamen unter den Lesern nicht entgangen ist.

Durch Chungs geschickte Formulierungen steht im Projektvertrag, dass man fr den YES Entwurf (185 Zimmer) den Preis von 139 Millionen (352 Zimmer) bezahlt. Weitere Zimmer kosten 36 Millionen Euro mehr. Der GA vermutet wohl zu recht, dass die Bauherren den maximalen Kreditrahmen der Sparkasse von 104 Mio. ausschpfen wollten.

Der fnfte Akt Das groe Finale und die Lehren.

Szene Eins: Razzien im Bundesgebiet.
Am 15.09.2009 beginnt die Staatsanwaltschaft mit Razzien in Bonn, Berlin und Hessen. Die Kontakte zwischen Thielbeer und Hong werden offenkundig. Hong, Schulte und Thielbeer werden verhaftet wegen Verdacht auf Betrug und Untreue. Auch Kim wird nun mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Die Staatsanwaltschaft handelte nicht auf Anzeige der Stadt Bonn, die bis zuletzt einen solchen Schritt nur erwog. Es zeugt von der Ratlosigkeit, die seit Ende 2008 zu herrschen scheint. Inzwischen verlassen immer mehr Firmen die Baustelle. Rechnungen wurden schon seit Monaten eher schleppend bezahlt.

Szene Zwei: Abschlieende Lehren und das groe Fazit.
Die scheidende Oberbrgermeisterin Brbel Dieckmann hat inzwischen eine private Firma eingeschaltet, die die Sachlage prfen soll. Der Rat stimmte fr ihren Rcktritt, sie mchte bleiben. Doch das ist nur eine Randnotiz.

Die Lehren sind viele, und doch immer die gleichen. Es ist eine Vermengung aus einem Schildbrgerstreich, ein bisschen Hauptmann von Kpenick und ein simpler Trickdiebstahl.

Der Trickdiebstahl: Hong, Kim und Chung knnten das groe Geld machen gewollt haben. Sie nehmen Thielbeer fr sich ein. Die Bezahlung erfolgt ber Baurechnungen ber Gehaltszahlungen.

Dann tritt beim Auswahlverfahren der Hauptmann von Kpenick auf. Thielbeer empfiehlt einen gut gekleideten Asiat mit viel Geld, der Bonn liebt. Man kann das Glck kaum fassen, lsst sich vom Auftreten und Namen Hyundai blenden. Niemand kontrollierte SMI, die Missstnde, den Wechsel Thielbeers, man glaubt der Uniform des Hauptmannes.

Der Schildbrgerstreich: Stadt und Rat unterschreiben anscheinend arglos einen Vertrag, fr den sie fr wenig Zimmer viel mehr bezahlen mssen. Als die Kosten Anfang 2009 explodieren, werden die Fragen immer lauter. Die Verwaltung muss irgendwann gemerkt haben, dass etwas nicht stimmt, kann aber keine sinnvolle Antworten liefern. Man mchte nicht sein Gesicht verlieren

Schuld ist ohne Zweifel mangelnde Kostenkontrolle kommunalerseits. Und originr an allem Schuld: Das mangelnde Kapital des Investors. Wren bis Baubeginn alle 40 Millionen Euro vorhanden gewesen, wren Arazim und Honua nicht auf dem Spielbrett erschienen, htten nicht so viel Verwirrung gestiftet. Aber vielleicht war dies auch geplant.

Szene Drei: Ach ja, die Zukunft.
Was wird nun aus dem Kongresszentrum? Bei einem Heimfall, einer Zahlungsunfhigkeit der UNCC GmbH, knnte die Stadt weiter bauen. Dann wrden jhrlich ca. 7,5 Mio. Euro an Kreditzinsen anfallen! Da Arazim und Honua dabei aber leer ausgehen wrden, ist eine Einigung zwischen beiden wahrscheinlicher. Aber auch knnten die Heimfallrechte durch eigene Versumnisse verwirkt sein. Der entscheidende Tag wird letztlich der 15. Oktober werden, wenn Arazim noch einmal vor Gericht ziehen kann.

Bis dahin heit es abwarten und kopfschtteln. Noch sind viele Fragen offen. brigens: 1999 htte ein staatlich und kommunal finanzierter Bau 400 Millionen Mark gekostet. Zusammen mit der Inflation der letzten Jahre sind es heute bereits mehr.

Hier gehts zu Teil 1.

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