Der Abriss der Bonner Beethovenhalle wird derzeit diskutiert. Somit bleibt vielleicht nicht mehr allzu viel Zeit, bevor eines der Bonner Wahrzeichen (auch wenn es nicht das schnste ist) auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Das mag den ein oder anderen melancholisch stimmen und dazu bewegen, sich dem Bauwerk doch noch einmal intensiver zu widmen, wozu das Beethovenfest ja eine gute Gelegenheit ist.

Vielleicht war die Beethovenhalle aus diesem Grunde am Abend des 14. Septembers so gut besucht. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass Sol Gabetta der Publikumsmagnet war: die virtuose junge Cellistin, deren Karriere nun schon seit einiger Zeit steil nach oben geht und ihren Zenit wohl noch lange nicht berschritten hat.

Unter der Leitung von Andris Nelsons spielte sie mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra das Cellokonzert e-Moll op. 85 von Edward Elgar. Dieses 1919 entstandene uerst stimmungsvolle Werk ist eher untypisch fr den britischen Komponisten: Elgar trat um die Jahrhundertwende vor allem durch Kompositionen hervor, die in pompser Strke das Selbstverstndnis des in kolonialistischer Blte stehenden Empires umschmeicheln und musikalisch in Szene setzen konnten. So darf man durchaus annehmen, dass in den mitunter leisen und nachdenklich-melancholischen Passagen des Cellokonzertes die Eindrcke des Ersten Weltkrieges reflektiert werden, und in den temporeichen Stzen die politischen und besonders geistigen Wirren der Zeit ihren Ausdruck finden.

Wo auch immer Thesen zur Entstehung des Werkes nach fast hundert Jahren ansetzen: die anspruchsvollen Soloparts meisterte Sol Gabetta mit Bravour, Eleganz und Temperament. Und auch mit genau dem Gefhl, das den Charakter der Komposition auf beraus eindringliche Weise zu unterstreichen vermochte. Ihr Spiel wirkte wie der Schlssel zum Wesen der Stcke, indem es deren Stimmungen einfhlsam zum Ausdruck brachte, ohne auch nur ansatzweise in dumpfe Schwermut, trge Melancholie oder plumpen Pathos zu verfallen. Dass Nelsons und seine Solistin einfach wundervoll miteinander harmonierten, wird sicherlich hierzu seinen Teil beigetragen haben.

In ihrer Zugabe beeindruckte sie dann durch die Interpretation einer Komposition von Pteris Vasks, in der sie mit ihrem Instrument zu verschmelzen schien und beinahe kontemplativ in die Musik eintauchte. Sie konnte so nicht nur einmal mehr ihre auerordentlichen Fertigkeiten am Cello unter Beweis stellen, sondern darber hinaus auch durch stimmliche Untermalung whrend des eigenen Spiels ihr gesangliches Talent prsentieren.

Elgars Cellokonzert war eingerahmt von der Suite Four sea interludes op. 33a aus der Oper Peter Grimes von Benjamin Britten und Beethovens Fnfter, bildete aber eindeutig den Hhepunkt des Abends. Allerdings war auch dieser Rahmen durchaus sehens- und vor allem hrenswert: Nelsons leitete das versierte Orchester mit viel Enthusiasmus und sehr temperamentvoll, was einerseits die Stcke von Britten gerade in ihrem Abwechslungsreichtum gut zur Geltung brachte, andererseits Beethovens wohl berhmtester Symphonie starken Ausdruck verlieh, was natrlich im Rahmen des Beethovenfestes nicht zu kurz kommen darf besonders dann nicht, wenn es fr die groe alte Konzerthalle vielleicht das letzte ist.

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