Bolivianische Totentnze
   
 

Frische Frchte
   
 

Brasilianischer Paradiesvogel
   
 

Basar in der Bonner Rheinaue
   
Bei achtzig Stnden steht man zunchst in einem recht weitlufigen Gelnde: Das Musikprogramm der Hauptbhne, das mit seinen viertelstndigen Darbietungen auf dem Papier noch der feste Rahmen zu sein scheint, ist da natrlich am anderen Ende des Basars schon gar nicht mehr zu hren. Eher folgt man da schon der Beschallung durch einen der Vereine, vielleicht den lateinamerikanischen Klngen, die sich als ecuadorianische Panflten herausstellen die kennt man ja als Klischee eher aus deutschen Fugngerzonen.

Oberflchlich liegt der Vergleich mit dem Einkaufsbummel am Samstag Nachmittag auch gar nicht mal so fern, denn natrlich kann man sich auf dem Begegnungsfest ideal mit exotischem Schmuck eindecken, gemtlich essen gehen oder die Panflten auf CD mit nach Hause nehmen. Vor allem im Bereich der Speisen kann man da die internationale Begegnung zelebrieren: Thailndisch, koreanisch, kenianisch, kurdisch, bolivianisch. Zum Nachtisch dann ein persischer Keks. Aber international bedeutet ja nicht immer auch geographisch weit entfernt; Belgien war durch Ltticher Waffeln vertreten, Polen durch das Piroggen-Haus.

Der letzte Rest von Exotik verliert sich dann erst beim US-amerikanischen Hot-Dog-Stand, der einen mit seiner Selbstverstndlichkeit wieder auf den Boden der Tatsachen zurckholt. Bonuspunkte gehen hier an Kenia, die wie selbstverstndlich das Obama-Special anboten, bei dem man sich einmal durch die Speisekarte futtern konnte.

Bei den Getrnken sieht es ebenfalls vielfltig aus; neben zahlreichen Tee-Variationen stechen kubanische und afrikanische Cocktails ins Auge, oder vielleicht auch weirussischer Wodka; jedem Land seine Spezialitt. Bier aus Litauen kann durchgngig mit Beschallung durch stlichen Party-Schlager genossen werden, also vielleicht doch schnell weiter zur Bhne.

Tanz, Musik, Kultur und Reiseprospekte

Das internationale Programm (natrlich hauptschlich von lokalen Vereinen dargeboten) besticht hauptschlich durch Tanzdarbietungen. Die bolivianische Gruppe, komplett mit kunterbunten Alpaca-Ponchos, kommt zum Beispiel so gut an, dass die Nummer als Zugabe sofort noch mal aufs Parkett gelegt wird. Etwas spter dann nochmal vor dem eigenen Stand, auch zum Mitmachen, so dass sich die Melodie doch ganz gut im Gedchtnis festsetzt. Tanzen kann man aber auch zu brasilianischen Capoeira-bungen, zu chinesischen Klngen oder, im Fall einer Jugendgruppe, zu Lady Gaga. Aber schlielich bedeutet Internationalitt ja nicht die da drben, sondern alle zusammen. Im Bereich der Live-Musik muss Lady Gaga dann passen, stattdessen gibt es Salsa-Rhythmen aus dem Rheinland oder lebensfrohe Lieder aus verschiedenen Lndern Afrikas.

Wer sich noch mehr inhaltliche Tiefe wnscht, kann sich natrlich an vielen der Stnde auch eingehender informieren; Flutopfer-Hilfe fr Thailand, lateinamerikanische Kulturvereine und koreanische Vertreter des Christentums bieten dabei wahrscheinlich etwas mehr als einfache Touristeninformationen, die man vereinzelt per Reiseprospekt einholen kann.

Sonnenbetrachtung und Regensturm

Doch warum sich auf die Erde beschrnken? In Zusammenarbeit mit der Bonner Volkssternwarte wird auch das Internationale Jahr der Astronomie gewrdigt. Mehrere Teleskope in Bhnennhe ermglichen die Betrachtung der Sonne (aktuell ohne sichtbare Sonnenflecken) und einen genaueren Blick auf die Venus am Tageshimmel. Leider fast schon etwas versteckt, ein zentraler Platz htte hier bestimmt nicht geschadet, und neben Street-Soccer und Getrnkekisten-Turmbau gibt es noch genug Platz auf der Wiese.

Ein Wermutstropfen: Leider liegt der fragliche Samstag mitten im ersten Vorboten des Herbstes. Das Wetter kann dem Begegnungsfest jedoch nichts anhaben; aus grauem Himmel wird ein Platzregen, bei dem die Stnde von zahlreichen Regenschirmen verdeckt werden, doch danach folgt wieder Sonnenschein und schlielich blauer Himmel, so dass man auch in meteorologischer Hinsicht einmal alles erleben konnte.

Vielleicht macht man sich dann auf den Weg, wenn die Panflten Heal The World intonieren; vielleicht aber auch erst bei My Heart Will Go On, und sptestens dann denkt man daran, dass eine Weltreise eigentlich etwas mehr Authentizitt htte. Fr einen einzelnen Nachmittag stellt das Internationale Begegnungsfest aber eine unterhaltsame Alternative dar, und mit gutem Appetit und Neugier sollte man sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Nchstes Jahr, selber Ort, immer den Panflten nach.

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