O du mein Kessenich, frag nicht, wie lieb ich dich.Du bist mein Heimatort, von dir mcht ich niemals fort. O du Heimat hier am Rheine, wo das alte, wo das Kirchlein steht, der Wind dort durch die Pappeln weht, da bleib ich ewiglich bei dir, O Kessenich.

Mit diesen Zeilen besingt ein gewisser Herr Jratzfeld im Kessenicher Heimatlied einen von Bonns ltesten Stadtteilen. Kessenich, gelegen am Fu des Venusbergs zwischen der Sdstadt und Dottendorf, wurde im Jahr 843 erstmals urkundlich erwhnt. Doch schon der Ortsname alleine ist ein Indiz dafr, dass bereits in der Zeit der Kelten, Germanen und Rmer hier eine Siedlung existierte.

So knnte man Kessenich vom keltische cassanos (Eiche) bzw. cassaniacum (Eichenwald) oder dem rmischen castiniacum (Festung) herleiten. Die Endung -ich im Ortsnamen ist im Rheinland sehr verbreitet und leitet sich von einer gallo-rmischen Mischform (i)acon ab, die auf ein Besitzverhltnis hinweist. So ist es mglich, dass der Ortsname auf ein altes Gehft zurckgeht, dass sich im Besitz eines Herrn Eiche befand, dies lsst sich aber wohl nicht mehr 100% klren. Es ist anzunehmen, dass dieser Herr Eiche, falls es ihn gegeben hat, als Winzer ttig gewesen ist, da der Weinanbau, den die Rmer ins Rheinland gebracht haben auch in Kessenich betrieben wurde.

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die begehrten Trauben an den Hngen des Venusbergs kultiviert. Im Tal wuchsen auf den ckern die blichen Nutzpflanzen, die die Bauern auf dem Markt in Bonn verkauften. Wenn man heute durch den kleinen Stadtteil geht, mag manchem der Gedanke komme, dass sich hier seit dieser Zeit auch nicht wirklich viel getan hat, da Kessenich, obwohl relativ zentral gelegen, sich immer noch viel von seinem ruhigen, drflichen Wesen erhalten hat. Natrlich hat sich der Ort seit dieser Zeit sehr gewandelt, doch auch heute noch ist ein kleiner Teil der einstigen Beschaulichkeit des ehemaligen Bauerndorfes erhalten geblieben, die sich oft erst auf den zweiten Blick erffnet. So gibt es vereinzelt immer noch kleine, zum Teil sogar denkmalgeschtzte Bauernhuser mit Fachwerkfassaden und ausladenden Scheunentoren. Kleine Straen und Gassen und Mehrfamilienhuser und viel Grn, prgen das Bild.

Lediglich die Hausdorfstrae, die Kessenich mit Dottendorf und der Sdstadt verbindet, ist stark befahren. Hier fahren tglich die schweren LKW der Firma Haribo entlang, die in ihrem Kessenicher Stammwerk seit 1920 Gummibrchen, Lakritzschnecken und vielerlei andere se Snden produzieren. Die Firma ist einer der grten Arbeitgeber im Ort, so von enormer wirtschaftlicher Bedeutung und ist sich dessen mehr als bewusst: So musste z.B. vor einigen Jahren ein Reihe von Geschwindigkeitshubbeln weichen, die laut Geschftsverwaltung die LKW der Firma behinderten. Fr die Anwohner war klar, dass der Bonbonkocher nur seine Muskel spielen lie, aber genau wie den Lakritz, bzw. Weingummiduft, der stets durch die Straen weht, nahm man auch dies mit der typischen rheinischen Gelassenheit. Gegenber der Fabrik befindet sich die Erich Kstner Grundschule mit der auffllig bunten Fassade, hinter der ein kleiner Schotterweg ins sog. Wasserland fhrt.

Der Name verrt viel ber die Vergangenheit des Areals auf dem heute Wohnhuser, Gartenanlagen und ein groer Sportpark mit Turnhalle, Fuballpltzen und dem Gelnde des Bonner Tennis & Hockey Vereins stehen. Noch bis in die 70er Jahren war das Wasserland ein unerschlossenes Gelnde mit Nebenarmen des Rheins, versumpften Wiesen und einer Kiesgrube. Bedingt durch die aufkommende Wohnungsknappheit wurden die Wiesen trocken gelegt und die Grube zugeschttet und Wohnhuser und die besagte Sportanlage errichtet. Heute zeugen hier Straennahmen wie z.B Rheinweg, Moselweg und Ahrweg von der nassen Vergangenheit des Wasserlandes.

Geht man vom Haupttor des Haribowerkes nach Norden, so kommt man in die Burbacherstrae, die den Ort fast auf der gesamten Lnge durchluft. Hier stehen viele alte Wohnhuser die teilweise noch aus der dem 19. Jahrhundert stammen. In einem, dieser alten Huser ist das Restaurant Lindenhof untergebracht, indem fters Konzert und Kleinkunstveranstaltungen stattfinden.

Das Zentrum Kessenichs bildet die Kreuzung Ptzstrae/ Burbacherstrae. Hier befindet sich die Einkaufsmeile mit Supermarkt, Bankfilialen, Blumenladen, Schreibwarenhandlung und andern Geschften. Gerade die lteren Bewohner schtzen besonders diese kleinen Ldchen.
Hier auf der Ptzstrae bekomme ich alles, was ich brauche. erzhlt eine ltere Bewohnerin Wenn die Geschfte hier nicht wren, msste ich immer in die Stadt oder gar bis nach Godesberg fahren. Auerdem kenn ich hier alle. Mit dem Stephan Greuel, der hier mit seinem Bruder den Haushalts und Eisenwarenwarenladen aufgebaut hat, bin ich frher in die Schule gegangen. Die Lden hier werden doch teilweise schon in der dritten oder vierten Generation betrieben. Genau wie die Bckerei Pesch. Ich kann mich noch erinnern, dass der alte Pesch damals die Brtchen noch mit dem Fahrrad ausgefahren hat, aber das ist schon lange her und heute stehen die Leute morgens bis auf die Strae, weil es hier einfach die besten Brtchen gibt.

Wenige Meter neben der besagten Bckerei Pesch befindet sich das Eiscaf Dall Asta, dass seit
mehr als 40 Jahren von einem netten italienischen Ehepaar betrieben wird, die die Kessenicher mit ihrem hausgemachten Eis und italienischen Kaffeespezialitten versorgen. Nicht nur das Eis ist einen Besuch wert, sondern auch die original 50/60er Jahre Einrichtung, die inzwischen schon fast musealen Wert hat und einen heimeligen Retrocharme versprht.

Ebenfalls ist die Burbacherstrae die Anlaufstelle fr Durstige, oder Menschen mit anthropologischen Ambitionen. In der Frstenstuben wird das Prinzip Dorfkneipe mit jeder Faser gelebt. Hier treffen sich die Kessenicher Silberrcken zum Frhschoppen, um bei Klsch und Kabnes in unverflschtem Bnnschplatt die wichtigen Themen des Tages zu diskutieren. Die Kneipen Kess und Hiata Madel bedienen eher die Bedrfnisse der Mallorca-Fraktion, whrend das Weinlokal Alt Kessenich eher auf gediegeneres Ambiente setzt.

Dort, wo die Ptzstrae die Hausdorfstrae schneidet, steht die Kirche Sankt Nikolaus. Neben der Kirche befindet sich die katholische Bcherei, die bei den Kindern des Dorfes und besonders bei den Schlern der gegenberliegenden Nikolaus Grundschule beliebt ist. Hinter der Grundschule fhrt die Nikolausstrae den Venusberg hoch. Am Ende der Strae steht das Kessenicher Kriegerdenkmal, dass den Gefallenen aus den beiden Weltkriegen gewidmet ist. Von hier aus kann man den Turm der alten Grabkapelle sehen, die auf dem alten Friedhof steht.

Auf dem denkmalgeschtzen Gelnde befinden sich die Grber der geistlichen Wrdentrger, der Mnche des ehemaligen Kessenicher Klosters und der alt eingesessenen Familien. Teilweise sind die Grabsttten mehr als 300 Jahre alt, so sind die Grabsteine und Kreuze oft stark verwittert und die Inschriften kaum noch zu entziffern. Im hinteren Teil des Friedhofs fhrt eine Pforte auf einen schmalen Pfad, der sich den Berg zum Kessenicher Plateau hoch windet. Hier steht die Rosenburg, die sich Professor Georg August Goldfu, ein Bonner Palontologe und Zoologe im Jahr 1831 errichten lie. Vom Plateau hat man bei guter Witterung einen schnen Blick auf Bonn und Siebengebirge.

Das Schlusswort berlassen wir der Bewohnerin von vorhin: Ich wohne sehr gerne in Kessenich. Hier ist es einfach schn. Ich bin hier geboren und mchte um nichts in der Welt hier weg.

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