Da sitzt er, in einer Art Thron und erzhlt aus seinem Leben. In einem Video auf seinem persnlichen Internetauftritt spricht der Partei- und Fraktionsvorsitzende der FDP ber schulische Leistungen, seinen Aufstieg in der Politik und private Vorlieben. Einmal whrend des knapp acht Minuten langen Filmchens bekommt der aufmerksame Betrachter einen deutlichen Hinweis auf die Herkunft Guido Westerwelles: Die hochdeutsche Aussprache des Wortes griechisch misslingt etwas und heraus kommt ein rheinisches griechich. Ob Dr. Westerwelle bei Aufzhlungen auch ilf und zwlf sagt, ist nicht bekannt, wrde aber seine Wurzeln noch leichter verraten.

Doch eigentlich ist es ja gar nicht ntig, angestrengt nach Hinweisen im westerwellschen Idiom zu suchen. Vielmehr trgt er seine Herkunft mit stolz geschwellter Brust vor sich her. Der Mann, vielen bekannt als glatter Emporkmmling und khl kalkulierender Karrierist, hat seine Nische gefunden um Volksnhe zu demonstrieren er ist der eigentlich total lustige Guido aus dem Rheinland. Denn bevor er sich in einen gewissen Container begab, per Guido-Mobil durchs Land brauste und seine Liberalen zwar nicht zur Regierungspartei, aber zur drittstrksten Kraft des Landes machen konnte, fand sein Leben zwischen Rhein und Sieg statt.

In einen von zwei Juristen angefhrten Haushalt hineingeboren, erblickte Guido Westerwelle das trbe Licht des Rheintals am 27. Dezember 1961 in Bad Honnef. Somit auf der schl Sick beheimatet, machte er seine ersten Schritte des Lebens auch dort. Die Schule besuchte er in Oberdollendorf und Knigswinter, bevor er fr die Oberstufe den Schritt ber Vater Rhein wagte und das Abitur am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium zu Bonn bestand. In dieser Zeit schloss er sich auch der FDP an. Nach eigener Aussage waren es Reden Hans-Dietrich Genschers und Otto Graf Lambsdorffs in der Beethovenhalle, die ihn zum berzeugten Liberalen machten.

Weil es hier ja so gemtlich ist, blieb der junge Guido auch direkt in der (damals noch) Bundeshauptstadt und verlegte seinen Lebensmittelpunkt lediglich um wenige Kilometer ins Juridicum an der Adenauerallee. Dort studierte er, na klar, Jura und erlangte im Jahre 1991 das zweite Staatsexamen. Neben dem Studium begann er politisch aktiv zu werden und grndete in Zeiten, da eher die kologie- und Friedensbewegung en Vogue waren, die Jungen Liberalen mit. Schon 1983 wurde er auch Bundesvorsitzender der JuLis, womit sein weiterer Weg vorgezeichnet war.

Immer noch bezeichnet Guido Westerwelle Bonn als seine Heimat und sagt, dass er besonders die offene, frhliche und sympathische Art der Menschen schtze. Die fr einen Starpolitiker seines Ranges recht drftige Erststimmenausbeute von 8,7 Prozent bei der letzten Bundestagswahl ficht ihn dabei nicht an. Lngst ist er die Nummer eins der Landesliste und hat wohl auch fr die kommenden Jahre einen Stammplatz in Berlin sicher. Ob und wann er sich in des Rheines grnen Auen zur Ruhe setzt, ist also eine Frage, deren Beantwortung auf sich warten lassen wird. Bis dahin werden die Bonner ihren Polit-Promi aus der Ferne verfolgen. Inwieweit er in Berlin noch die Zeit findet sich um Bonner Belange zu kmmern, knnen sie zum Beispiel hier oder hier kontrollieren.

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