Kln-Dsseldorfer
   
 

Dsseldorfer Altstadt - ein Blick
   
 

Rheinpromenade Dsseldorf
   
Ich erinnere mich noch gut an den Tag, 3 Jahre zuvor, an dem ich mich an der Universitt zu Kln einschrieb. Man gab mir bei der Angabe meines Wohnsitzes (Dsseldorf) im Studierendensekretariat zuallererst mit auf den Weg, mich auf dem schwarzen Brett im Philosophikum mal nach Klner WGs umzuschauen. Wie nett, dachte ich damals wohl, ohne zu ahnen, auf welchen Grad der Ausprgung von Lokalpatriotismus ich mich einzustellen hatte.

In der kommenden Zeit sah ich mich konfrontiert mit mitleidigen Blicken von neuen Kommilitonen, sobald man auf den Wohnort zu sprechen kam und hrte immer wieder den Satz: Zieh doch nach Kln. Und berhaupt sei doch in Dsseldorf nichts los, alles nur Schicki-Micki, rosa Polo-Hemden mit Hochstellkragen en masse und dann noch die snobistischen Benz-Fahrer, die sich fr einen Nachmittag ein dickes Auto mieten, um auf der K im Kreis zu fahren einfach grauenvoll (zugegeben, das ist es auch). Es ist bemerkenswert, wie stark Klischees in den Kpfen der Menschen verankert sind. Nachdem sogar Dozenten zum Besten gaben, das Schnste an Dsseldorf sei die Autobahn nach Kln, stellte ich mir ernsthaft die Frage, ob ich mich jemals wieder als Dsseldorferin in Kln outen oder etwa eine Selbsthilfegruppe fr gemobbte Dsseldorfer an der Klner Uni grnden sollte.

Zunchst aber beschftigte mich, warum uns die Klner eigentlich nicht mgen. Die Rivalitten im Sport, Karneval und der Bierbraukunst waren mir zwar bekannt, aber das konnte wohl nicht alles sein. So recherchierte ich und kann folgendes berichten:

Im 11. und 12. Jahrhundert hatte die damals schon bedeutende Handelsstadt Kln, Sitz des Erzbischofs, anders als das noch verschlafene DsselDORF, die Zollrechte, Umschlag- und Stapelrechte. Waren wie Butter, Heringe oder Stoffe aus Holland, die ber den Rhein angeliefert wurden, mussten erst in Kln zwischengelagert werden, bevor sie in den Weiterverkauf gelangen konnten. Der Handel und die damit verbundenen Arbeitspltze machten die Klner wohlhabend und Dsseldorf sah lange nur die beladenen Schiffe auf dem Rhein vorbeischippern. Die Waren konnten erst auf den Klner Mrkten mit entsprechenden Aufschlgen gekauft werden.

Im 19. Jahrhundert jedoch wurde Dsseldorf von den protestantischen Preuen zur Hauptstadt der Rheinprovinz gemacht und nicht das viel grere und bedeutendere Kln. Dies wiederholte sich noch einmal, als die Englnder nach dem Zweiten Weltkrieg Dsseldorf zur Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen erklrten fr Kln eine Schmach, fr uns Drfler eine Genugtuung? So viel zur Geschichte, aber mal ehrlich: Wem ist das heute noch bewusst? Es wird geneckt um des Neckens Willen, was jedem gegnnt sein soll.

Ich, als Auslnder, kann manchmal nur schmunzeln, wenn am 11.11. die Zlpicher Strae einfach mal komplett gesperrt wird und mir die Jecken in der Bahn ihr Klsch anbieten, whrend in Dsseldorf fast gar nichts los ist. Manche Freundschaft wird gar auf eine harte Probe gestellt, wenn man ber die Klner Stadtgrenzen hinaus ins Feindesland pilgern muss, um an Feierlichkeiten teilzunehmen. Ich liebe an Kln das Bunte und Urbane, die liebenswerten Lokalpatrioten und das belgische Viertel.

Dennoch, liebe Klner, lebe ich noch immer in Dsseldorf, weil es auch dort viel Schnes gibt: Die Altstadtgsschen, die Rheinpromenade, Kaiserswerth, die Kunstsammlung, die Tonhalle, das Schauspielhaus, die Schneider-Wibbel-Gasse, das ZAKK... Es sei Euch versichert, dass Dsseldorf weit mehr zu bieten hat, als nur die K. Ich rume nun mit einigen Vorurteilen auf: Nicht alle Dsseldorfer wollen wie die Kamps und Poths dieser Welt sein, nicht alle tragen einen hellblauen Pulli ber die mit einem rosa Hemd bedeckten Schultern (man denke nur an die Toten Hosen) und sicherlich tragen nicht alle Dsseldorfer ihr Nschen meilenweit ber den Wolken.

Ich pldiere hiermit fr Vlkerverstndigung - so proste ich Euch zu mit einem khlen Pils aus der grnen Flasche aus dem hohen Norden und sende herzliche Gre aus der Landeshauptstadt an die Gemeinde Kln.

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