Bar "Ehrenfeld"
   
 

Basar Ankara
   
 

Heliosturm
   
 

artheater
   
Ehrenfeld lebt. Daran gibt es keinen Zweifel. Ob es die Kulturen und Menschen, die Geschfte, Bars, Clubs oder Restaurants betrifft alles ist bunt und vielfltig in dem Stadtviertel im Westen Klns, das seit 1888 zur Stadt gehrt.

Ich biege auf meinem Fahrrad von der Inneren Kanalstrae in die Venloerstrae ein. Vor mir, hinter mir und um mich herum herrscht Chaos pur: Autos hupen. Mitarbeiter vom Ordnungsamt verteilen Strafzettel fr Falschparker. Fugnger laufen kreuz und quer ber die Radwege. Tauben flattern vor meinem Vorderreifen. Hunde pinkeln auf den Weg. Kinder spielen Fuball.

Irgendwie liebe ich diesen bunten Haufen ja, und trotzdem erwische ich mich heute wieder einmal dabei, wie ich mir schimpfend meinen Weg durch die Menge nach hause bahne. Dabei denke ich darber nach, was Ehrenfeld eigentlich so besonders macht und warum ich dieses Chaos jeden Tag doch so gerne auf mich nehme. Fest steht: Hier bin ich nie allein auf der Strae auch nicht, wenn ich um 3 Uhr nachts nachhause komme. Hier werde ich auch nicht schief angeguckt, wenn ich in der Jogginghose einkaufen gehe. Hier gibt es eben nichts, was es nicht gibt.

Gerade fahre ich an der Blumenfrau von Ehrenfeld vorbei. Fast jeden Tag sitzt sie im Kofferraum eines geparkten Autos an der Geielstrae, hat um sich herum einen Berg bunter Blumen aufgebaut und plaudert auf Klsch mit ihren Kunden, whrend sie die Blumen in aller Ruhe in Papier einwickelt. Aber nicht nur diese Klschen Originale sind es, die das Viertel fr mich so liebenswert machen, sondern ebenso die kulturelle Vielfalt. Gerade diese Multikulturalitt ist anderen jedoch leider ein Dorn im Auge: So entstand bekanntlich um den geplanten Neubau der trkisch-islamischen DITIB-Zentralmoschee an der Ecke Innere Kanalstrae/ Venloerstrae eine heftige ffentliche Kontroverse. (campus-web berichtete)

Ich mache Halt an der Ecke Venloerstrae/ Ehrenfeldgrtel beim Basar Ankara. Nachdem die stets gut gelaunte Verkuferin mein Obst und Gemse abgewogen hat, rundet sie den Preis ab und wnscht mir - in ihrer gewohnt herzlichen Art - noch einen schnen Tag.

Kurz vor meiner Wohnung fahre ich am Bahnhof Ehrenfeld entlang. Rechts von mir, in der Schnsteinstrae, erinnert eine Gedenktafel an die Hinrichtung russischer und polnischer Zwangsarbeiter sowie Mitglieder der Edelwei-Piraten in der Httenstrae im Jahr 1944.

Endlich zuhause angekommen, geniee ich bei schnem Wetter den Ausblick von unserem Balkon auf den Heliosturm. Als ich frisch in meine WG gezogen war, fragte ich mich wie wohl jeder Neu-Ehrenfelder was der Leuchtturm mitten im Stadtviertel zu suchen hat. Dieses Wahrzeichen von Ehrenfeld wurde 1885 errichtet und hat natrlich keine Funktion als Seezeichen. Es steht vielmehr fr die Industrialisierung Ehrenfelds. Der Turm gehrte damals zur Helios AG, einer Elektrotechnik-Firma, die unter anderem Leuchtmittel herstellte. Seit einer Rekonstruktion vor 13 Jahren leuchtet er sogar nachts wieder und dient somit nicht Seefahrern als Orientierung, aber womglich betrunkenen Studenten, die den Weg zu den umliegenden Clubs wie Underground, Life Music Hall, Werkstatt oder Sensor Club suchen.

Neben den vielen Clubs verfgt Ehrenfeld auch ber einige schne Bars wie Ehrenfeld und Knigsblut oder Ur-Klsche Kneipen wie das Ehrenfelder Brauhaus. Auch kulturell Interessierte kommen hier auf ihre Kosten: Arkadas-Theater, Klner-Knstler-Theater, TheaterHaus Kln und Artheater heien die vier freien Bhnen von Ehrenfeld. Mit dem Cinenova hat das Viertel zudem ein gut gepflegtes Programmkino, das im Sommer sogar Open-Air Filme zeigt.

Und auch bei Tage gibt es einiges zu sehen. Zu empfehlen ist ein Blick auf das Neptunbad, das 1912 in Betrieb genommen und als erste neuzeitliche Badeanstalt im Jugendstil in den Klner Vororten erffnet wurde, oder auf die lteste Kirche Ehrenfelds, die 1860 erbaute Marktkapelle St. Mari Himmelfahrt am Geielmarkt.

Lohnenswert ist auerdem ein Spaziergang durch die kleinen Nebenstraen mit den sogenannten Dreifensterhusern (schmale Huser wurden frher nach preuischer Bauordnung von Steuerabgaben befreit). Besonders schn ist die Krnerstrae, in der sich das Caf Sehnsucht befindet - ein echter Geheimtipp fr Liebhaber romantischer Cafs.
Aber es gibt noch so einiges in Ehrenfeld zu entdecken...

Ich fr meinen Teil werde jetzt beim Libanesen auf der Venloerstrae ein Falafel essen gehen. Da bekomme ich manchmal zum Nachtisch ein Stck Kuchen geschenkt - eine der vielen Wiedergutmachungen fr das alltgliche Chaos hier.

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