Nach Tim K.s Amoklauf im schwbischen Winnenden ist die alte Diskussion um so genannte Killerspiele und ihren Einfluss auf jugendliche Extrem-Gamer neu entfacht. Ministerprsident Horst Seehofer (CSU) uerte innerhalb dieser Diskussion, dass er ein Verbot jener Spiele - allen voran des Ego-Shooters Counter Strike - auf jeden Fall fr ntig halte. Gegenstimmen kommen aus der FDP, die im Verbot nicht die Lsung des Problems School Shootings sieht, und sogar Wolfgang Schuble von der CDU rief zur Besonnenheit bei der Debatte um Killerspiele auf und riet, nicht voreilig und berstrzt zu handeln.

Die Diskussion um gewaltverherrlichende Medien ist so alt wie die Medien selbst. Nach der aktuellen Gesetzeslage entscheidet ber Indizierungen oder Verbote von Spielen, sowie aller anderen Trgermedien, die Bundesprfstelle fr jugendgefhrdende Medien (BPjM), bei der Jugendbehrden, die Kommission fr Jugendmedienschutz und anerkannte Trger der freien Jugendhilfe einen entsprechenden Antrag stellen knnen.

1953 wurde vom Deutschen Bundestag das "Gesetz ber die Verbreitung jugendgefhrdender Schriften" (GjS) beschlossen, fr die Durchfhrung des Jugendmedienschutzes wurde im Folgejahr die Bundesprfstelle fr jugendgefhrdende Schriften (BPjS) in Bonn gegrndet.

Mitte der 80er Jahre erlebte Deutschland einen regelrechten Videoboom, nachdem VHS-Videorekorder in deutschen Wohnzimmern Einzug gehalten hatten und allerorts Videotheken erffneten, welche die neusten Filme im Angebot hatten. Darunter befanden sich auch viele so genannte Gewaltfilme, von denen die BPjS zum rger vieler Filmfans dutzende indizierte und wegen gewaltverherrlichender Inhalte beschlagnahmte, darunter allerdings auch viele Genreklassiker, die beispielsweise in Holland ab 16 Jahren frei erworben werden konnten. Ziemlich bereifrig wurden sogar die ersten Alben der bekannten Pop-Punkband Die rzte indiziert und unterliegen auch noch heute einem Abgabeverbot an Jugendliche.

Ebenfalls in den 80ern wurde Rechtsrock-Musik populr - RAC (Rock Against Communism). Inspiriert von der englischen Szeneband Screwdriver griffen unzhlige, untalentierte Neo-Nazis zu den Instrumenten, um ihre faschistische Ideologie musikalisch umzusetzen und unters Volk zu bringen. Seit dem Aufkommen dieser Musikrichtung sind die Mitarbeiter der BPjM, wie man die Behrde 2003 umbenannte, rigoros Tontrger am indizieren, deren Inhalte volksverhetzend oder antidemokratisch sind. Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob eine Indizierung von Tontrgern, die von normalen Plattenlden sowieso nicht gefhrt werden, nicht erst das Interesse der Zielgruppe daran erweckt.

Anfang der 90er wurden Ego-Shooter wie Wolfenstein 3D oder Doom immer beliebter und die BPjM musste sich zunehmend hufiger mit PC- und Konsolenspielen auseinandersetzen, in denen man aus der Ego-Perspektive Menschen in Stcke schieen konnte. Neben dem Horrorfilm sind heute vorrangig jene Killerspiele immer wieder ein Anlass zur Diskussion um den Schutz der Jugend, wobei man allzu hufig vergisst, dass viele der diskutierten Titel auf dem Index stehen oder von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ab 18 freigegeben wurde und daher Jugendlichen auch gar nicht erst zugnglich sein sollten.

In den letzten Jahren sind auf dem Index auch immer mehr Deutsch-Rap-CDs gelandet, besonders der so genannte Porno- und Gangster-Rap ist den Jugendschutzbehrden ein Dorn im Auge. Das gipfelt zuweilen allerdings auch in der Indizierung vllig harmloser Tontrger der gebrandmarkten Knstler. Neuerdings werden auch immer hufiger Tontrger von jamaikanischen Dancehall- und Reggae-Musikern wie Sizzla oder T.O.K. indiziert oder verboten, die auffllig homophob und teilweise rassistisch geprgt sind.

Nachdem lange Zeit kein Film mehr in Deutschland beschlagnahmt wurde, schlug die BPjM Ende letzten Jahres mal wieder zu und beschlagnahmte erstmalig in der Geschichte einen waschechten Mainstreamfilm: Hostel 2. Im Januar dieses Jahres wurde Storm Warning, der wie Hostel 2 nur gekrzt in Deutschland erhltlich war, ebenfalls beschlagnahmt. Steht den Horrorfans eine neue Verbotswelle wie in den 80ern bevor?

Es gab und gibt also offensichtlich noch immer viel zu tun fr die Mitarbeiter der BPjM in Bonn - Schade ist nur die Tatsache, dass man dort hin und wieder den Jugendschutz, der selbstverstndlich absolute Prioritt haben sollte, mit der Bevormundung Erwachsener verwechselt.

Mehr Infos gibt es auf der Homepage der BPjM.


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