Am Karneval darf man ja bekanntlich so einiges: Lrmen, saufen, Fremde anquatschen... Nur eins sollte man besser lassen: zur falschen Zeit am falschen Ort sein. Wie zum Beispiel die 41jhrige Frau, die an Weiberfastnacht um 22.30 in Kln-Riehl aus Versehen gegen zwei Feiernde rempelte. Dafr bekam sie einen Tritt, der ihr nicht nur das Schienbein brach, sondern sie auch noch mit dem Kopf gegen die nchste Hauswand schlagen lie. Oder wie der 21jhrige Mann, der nach einer Auseinandersetzung in der Klner Innenstadt am frhen Sonntagmorgen von einem bislang unbekannten Tter mit einer abgebrochenen Bierflasche schwer am Hals verletzt wurde.

Das sind nur zwei einzelne Vorflle. Aber sie geben den Zahlen ein Gesicht, die kurz nach Karneval manchen Klner ausnchtern drften: 444 Krperverletzungen zhlte die Polizei zum Fastelovend 2009, davon bereits 115 an Weiberfastnacht das sind viermal so viele Flle wie im Vorjahr. Dazu kommen noch 42 Raubdelikte und 48 Widerstnde gegen Polizisten, zahlreiche Taschendiebsthle usw. Zwar ging die Gesamtzahl der Delikte im Vergleich zu Karneval 2008 zurck. Doch Polizeidirektor Peter Rmers beobachtet eine deutliche qualitative Steigerung der Gewalt. Will heien: 2009 gingen die Randalierer besonders ungeniert zur Sache. Allein von Samstag bis Sonntag gab es 49 Schlgereien. "Ich hatte das Gefhl, dass sich die Menschen fr jede Nichtigkeit gegenseitig an den Kragen gingen", schildert ein eingesetzter Beamter die Stimmung.

Wer als Polizist auf Karneval geht, hat in Kln sowieso wenig zu lachen. Vielerorts wurden Beamte krperlich angegriffen und mit Glasflaschen beworfen. Am Montagmorgen um 4:15 versuchte eine Polizeistreife, in einer Gaststtte in der Limburger Str. fr Ruhe zu sorgen und musste dabei einen betrunkenen, randalierenden Mann in Gewahrsam nehmen. Wo fr die Beamten der Spa aufhrte, fing er fr die Karneval-Freaks wohl erst richtig an: ber vierzig weitere Jecken kamen aus der Gaststtte, bedrngten die Polizisten und versuchten, ihren Mitstreiter zu befreien. Eine Stunde und 28 weitere Streifenwagen waren ntig, um das Spektakel zu beenden.

Polizeiprsident Steffenhagen zieht eine bittere Bilanz: "Wenn Menschen eine frhliche Feier dazu nutzen, sich zu betrinken und gewaltttig zu werden, ist das schon bedenklich. Wenn jedoch meine Kolleginnen und Kollegen derart massiv angegriffen werden, so mssen hier gesellschaftliche Lsungen gefunden werden. Respektlosigkeit und Gewalt gegenber den eingesetzten Polizeibeamten kann und werde ich nicht akzeptieren. Die Lsung, so Steffenhagen weiter, drfe nicht an der Polizei hngen bleiben, sondern gehe alle etwas an. Jetzt sind Konzepte gefragt, die auf eine gesellschaftliche Entwicklung eingehen - die bereits seit lngerem festzustellende zunehmende Gewaltbereitschaft. Die Politik ist nicht erst dann gefragt, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist."

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