Eigentlich komme ich aus Lengsdorf, wo ich bis 2002 gewohnt habe, mittlerweile schlgt mein Herz aber ganz klar fr die schne Bonner Sdstadt, wo ich seit mittlerweile knapp 7 Jahren in einer kleinen bescheidenen Souterrain-WG lebe. Mein Vater ist hier gro geworden, meine Eltern haben sich im ehemaligen Apfel (heute Hombach) kennen gelernt und einen meiner besten Freund verdanke ich einem Aushang im alternativen Spielzeugladen Rapunzel am Roonplatz, wo heute ein sehr unfreundlicher Herr seinen Foto-Shop betreibt - Meine Verbundenheit zur Sdstadt wurde mir quasi in die Wiege gelegt, auch wenn ich erst mit 19 Jahren hierher, in mein Viertel, gezogen bin.

Die Bonner Sdstadt zhlt zu Deutschlands grten, noch erhaltenen, Grnderzeit-Vierteln und speziell Architekturinteressierten kann man einen ausgiebigen Spaziergang durch die Straen und Gassen der Sdstadt ausdrcklich ans Herz legen. Die meisten dieser Jugendstil-Huser stammen aus dem spten 19. Jahrhundert und viele davon stehen mittlerweile unter Denkmalschutz. Im Zweiten Weltkrieg hatte die Bonner Sdstadt groes Glck und blieb grtenteils unversehrt, weshalb nur wenige moderne Gebude am historischen Ambiente kratzen.

Man knnte annehmen, dass in diesen prunkvollen Husern vorrangig etwas besser situierte Familien leben wrden, aber gerade Studenten trifft man hier ebenfalls gehuft an. Viele Hausbesitzer vermieten bevorzugt ihre Dach- und Souterrain-Behausungen an Studenten der Bonner Universitt, die mit diversen Gebuden auch in der Sdstadt prsent ist: Die Institute der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultt, die Universitts- und Landesbibliothek, das Studentenwerk, das Akademische Kunstmuseum und das Arithmeum sind die sdbonnschen Anlaufsstellen fr Studierende in Bonn, whrend die Hofgartenwiese, Die Poppelsdorfer Allee und die Wiese vor dem Poppelsdorfer Schloss, nicht nur fr Studenten alleine, gerade im Sommer beliebte Pltze zum Chillen sind.

Clubs und Nachtbars sucht man in der Sdstadt vergebens, dafr gibt es einige gemtliche Kneipen und Gasthuser wie Das Wespennest, das Lamme Godzak oder das Hombach, welches sich besonders an Ladies Night-Abenden groer Beliebtheit erfreut. Feinschmecker sind hier ebenfalls an der richtigen Adresse, auerdem gibt es ein Feinkost-Geschft, das Asia-Center, wo man asiatische Import-Waren finden kann, viele Bckereien, Obstlden und eine Weinhandlung, wo man sich in einem wohligen Ambiente einen feinen Tropfen munden lassen kann.

Was die Sdstadt meiner Meinung nach aber am meisten auszeichnet ist der freundliche Umgang der Bewohner untereinander. Bis auf die Betreiberin des Edeka-Marktes, die kleine unfreundliche Bckerin aus dem Rewe und eine handvoll Asis, die ausgerechnet stndig vor meinem Haus den Asphalt mit ihren gelblichen Auswrfen pflastern und mich auerdem erschieen mchten, trifft man hier fast ausschlielich auf freundliche und hfliche Menschen und man sollte als Sdstdter immer ein wenig mehr Zeit zum Einkauf zur Verfgung haben, wenn man nicht die alltglichen Smalltalks missen mchte.

Seit man im Bonner Loch keinen Alkohol mehr trinken darf, haben sich leider auch viele Obdachlose und Junkies in die Sdstadt verlagert und durchforsten das Gebiet auf der Suche nach Pfandflaschen, wobei einige nicht einmal davor zurckschrecken, wegen weniger Cents durch angelehnte Fenster nach der Beute zu angeln. Das strt zugegebenermaen und auch die benutzten Spritzen, sowie der anscheinend pdophile Penner, der dort gerne sein Bier trinkt, haben auf dem Spielplatz am Roonplatz nichts verloren. So hat selbst Bonns schnstes Viertel seine Schattenseiten.

Trotzdem blicke ich voller Wehmut in die nahe Zukunft, da ich beschlossen habe aufgrund von Differenzen mit meinem Noch-Mitbewohner meine Behausung in der Argelanderstrae demnchst aufzugeben und mich nach einer neuen Bleibe umzusehen. Auch wenn ich hier wegziehen sollte, bleibt die Sdstadt mein Zuhause, wohin ich mit Sicherheit irgendwann zurckkehren werde.

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