Blutbesudelte Toiletten, Kondome in Gebschen, Fkalien im und am Gebude: Die Studentinnen und Studenten des chemischen Instituts der Uni Bonn an der Gerhard-Domagk-Strae sind einiges gewhnt. Wie das kommt? Ganz einfach: Direkt vor der Haustr liegt der Bonner Straenstrich. Dort liegt er schon lnger, und eine ganze Zeit lang war er verstndlicherweise zwar nicht sonderlich beliebt bei Anwohnern und Studierenden, aber akzeptiert. Mittlerweile gibt es offensiven Protest und viel Kritik am Standort: Neben dem Chemischen Institut befindet sich auch eine Schule und viele Betriebe mit minderjhrigen Auszubildenden in der Umgebung. Die Gewalt von Freiern und Zuhltern gegen Prostituierte und auch unbeteiligten Passanten nimmt zu. Es ist keine Seltenheit, auf dem Weg durch das Gebiet angepbelt zu werden, besonders als Frau. Drogen und Kriminalitt nehmen zu, auch der Ton zwischen den Prostituierten verschrft sich, einfach weil der Platz immer knapper wird und ihre Geldnot immer grer.

Erste Manahmen der Stadt Bonn, die Gegend wieder sicherer zu machen, brachten nichts. Offiziell ist die Prostitution nur nach 20 Uhr und bis sechs Uhr morgens erlaubt. Das Gebiet ist genau eingegrenzt, umliegendes Gelnde ist als Sperrgebiet deklariert und darf von den Damen besonders bei fr die Verrichtung ihrer Arbeit nicht genutzt werden. Kontrollen des chemischen Instituts und anderer zeigen allerdings, dass dieses Verbot gerne mal bertreten wird. Irgendwo mssen die Damen halt arbeiten und die Freier werden sich hten, den Prostituierten zu helfen und damit vielleicht den Preis steigen zu lassen.

Die Straenprostitution ist eine der untersten Formen der kuflichen Liebe. Hier landen die, die gar keine Alternative mehr haben, verschuldet, drogenabhngig, ohne Deutschkenntnisse. Deshalb ist es auch besonders wichtig, diesen Frauen zu helfen. Im Moment macht das nur die Mobile Anlaufstelle Straenstrich, die einmal pro Woche mit einem Kleinbus in das Gebiet des Strichs fhrt und die Prostituierten mit Hilfe und Beratung untersttzt. Mehr als dieser eine Termin in der Woche ist aber aus Geldgrnden nicht drin.

Jetzt muss was passieren. Das ist aber gar nicht so einfach, weil so viele Interessen bercksichtigt werden mssen: Erstens will niemand einen Straenstrich in seiner Nachbarschaft, also ist, egal wo der Strich landet, schon allein deswegen mit Protesten zu rechnen. Zweitens ist es im Interesse der Prostituierten, eine sichere Umgebung zu finden, die Mglichkeiten bietet, sich auch mal zu waschen, auszuruhen und den Beruf auszuben unter mglichst sauberen und wrdigen Bedingungen auszuben. Dann spielen auch noch die Freier eine Rolle: schlielich wollen die einfach und unkompliziert und vor allem aus ungesehen zu den Damen des Gewerbes kommen. Einfach verbieten kann man die Prostitution nicht, dafr ist Bonn einfach zu gro, zumindest sieht es das Gesetz so. Dafr braucht es ein geeignetes Gelnde, um das sich jetzt der Stadtrat kmmern muss. Bis Ende April 2009 muss es eine Lsung geben. Das hat der Regierungsprsident Hans-Peter Lindlar festgelegt, der fr das Thema Bonner Straenstrich zustndig ist.

Wie es jetzt weitergeht, und vor allem wo, steht noch in den Sternen. Fakt ist nur: Eine Lsung muss schnell gefunden werden, ganze vier Monate hat der Stadtrat noch Zeit, einen Kompromiss zu finden, mit dem alle leben knnen oder mssen. Eine oder mehrere Parteien werden dabei sicher mit ihren Wnschen auf der Strecke bleiben. Im besten Falle sind das aber nicht die Prostituierten.

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