Eines kann man festhalten: zum Anfachen von Diskussionen ist sich das Bonner Loch vor dem Eingang des Hauptbahnhofes nie zu schade. Schon seit Jahren sorgt es fr Kontroversen bei der Stadtplanung, unter der Bevlkerung und bei den Ordnungshtern der Stadt. Denn das Bonner Loch ist ein Rudiment vergangener Tage, ein berbleibsel von gescheiterten Bebauungsplnen. Eine neue Verwendung lie sich nicht finden und so erfreute sich das Gelnde besonders Mitte der Achtziger bis in die neunziger Jahre des fragwrdigen Rufes, Ballungszentrum fr Obdachlose und Bedrftige, Drogen- und Alkoholkonsum sowie Kriminalitt zu sein.

Kein optimaler erster Eindruck fr Besucher der Stadt, finden die meisten. Einige sind zwar auch der Meinung, dass alles zu sehr hoch gekocht wird - im Vergleich zu Stdten wie Hamburg und Bremen sei es in Bonn harmlos. Doch vermehrt hrt man, es sei katastrophal und ein unzumutbarer Zustand. Dabei haben sich die Zustnde rund um die Treppenstufen, Blumenareale und dem Zugang zur U-Bahn in den letzten Jahren schon sprbar verbessert.

Der Weg dahin war lang und steinig. Erst zum Ende dieses Jahres nahmen neue Plne zur Bebauung des gesamten Bahnhofsvorplatzes letzte Formen an. Mageblich trug dazu die mit Ratsbeschluss am 28. April 2005 eingerichtete Brgerwerkstatt bei. Der Beschluss besagt so wird es auf der Homepage verkndet - dass die Brgerwerkstatt in groem Umfang eine Beteiligungsmglichkeit der Brger zu einer Ideenfindung und Ideensammlung fr eine stdtebauliche Lsung im Bahnhofsbereich sicherstellen soll.

Wenn vom Bahnhofsbereich gesprochen wird, ist das Gebiet zwischen Kaiserplatz, Hauptbahnhof, Thomas-Mann-Strae und Maximilianstrae gemeint. Ein groer Teil der ursprnglichen Bebauung wurde durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstrt. Mitte der Siegziger Jahre riss man zudem die verbleibende grnderzeitliche Bebauung wegen des Baus der unterirdischen Stadtbahntrasse ab. Seit 1979 besteht der Bahnhofsbereich in seiner heutigen Form. Seitdem wurden Vorschlge zur Neugestaltung eingereicht, beispielsweise die Ungers-Halle und das Brune-Konzept. Beide scheiterten jedoch an massiven Protesten und einem Brgerbegehren.

In ihrem Ratsbeschluss bercksichtigte die Brgerwerkstatt gerade das Bedrfnis der Bonner Brgerinnen und Brger in den Entwicklungsprozess mit einbezogen zu werden. Ein Info-Center wurde eingerichtet und die Brger konnten ihre Zielvorstellungen und Ideen einreichen. Ein langwieriger Prozess, der viele Multiplikatoren- und Expertengesprche erforderlich machte, sich am Ende jedoch bezahlt machte. Nach Abschluss des Werkstatt-Verfahrens am 17. Januar 2006, lobte die Stadt Bonn am 17. April 2008 unter Bercksichtigung der Ergebnisse der Brgerwerkstatt - einen Wettbewerb fr die Neugestaltung des Bahnhofsbereiches Bonn aus.

Vom 24. November bis 18. Dezember 2008 wurden die Arbeiten der ffentlichkeit im Foyer des Stadthauses Bonn prsentiert. In architektonischer Hinsicht sind die Ziele sinnvoll und ansprechend. Doch was ein Umbau fr das Sozialgefge im Bonner Loch fr Folgen hat, wird daraus nicht ersichtlich.

In den Papieren der Brgerwerkstatt wird zusammenfassend festgestellt, dass das Areal strker nach auen geffnet werden soll. Es sei vorgesehen, die Drogenkriminalitt sowie den Alkoholkonsum strker zu kontrollieren. Auerdem soll die Kommunikation zwischen Sozialamt, Ordnungsamt, Polizei und den Sozialverbnden verbessert werden, ebenso die Sichtbarkeit und die Arbeitsbedingungen der Gemeinsamen Anlaufstelle Bonn Innenstadt (GABI). Zur Situation der Obdachlosen und Drogenabhngigen werde es einen Runden Tisch geben, an dem alle Beteiligten gemeinsam zu Lsungen kommen sollen. Viel Theorie und zu wenig Praxis?

Nicht unbedingt, denn kurzfristige Manahmen wurden bereits umgesetzt. Aus dem Runden Tisch entstand die Ordnungs- und Sozialpartnerschaft mit dem Kooperationsvertrag Bonner Wege aus dem Bonner Loch. Obdachlosen und Abhngigen ein Leben in Wrde ermglichen sowie Sicherheit, Prvention und Hilfsangebote sind die mageblichen Ziele. Dafr wurde das Projekt am 12. Dezember mit dem Landespreis Innere Sicherheit ausgezeichnet.

Erste Schritte zur Verbesserung der Lage fr alle Beteiligten war die Einrichtung einer Clearingstelle fr Drogenabhngige. Streetworker sollen konkrete Hilfe anbieten. Das 2007 ins Leben gerufene Zeitungsprojekt fifty-fifty dient als Katalysator fr mehr Perspektive und Selbstbewusstsein. Die City-Station bietet ein Dach ber dem Kopf, Essens- und Waschmglichkeiten. In gemeinsamer Arbeit sorgen die Abteilung fr Suchterkrankungen und Psychotherapie der Rheinischen Kliniken Bonn und die Suchthilfeorganisation fr Suchtkranke Kreuzbund Bonn e.V. dafr, Hausrzte intensiver in das Suchthilfesystem einzubinden.

Besonders das Alkoholkonsumverbot seit Juli 2008 und die neue Lage von GABI, gut sichtbar im zentralen Eingangsbereich der Passage, haben fr eine sprbare Entspannung der Lage gesorgt. Seitdem ist das Bonner Loch kein Treffpunkt mehr wie noch vor wenigen Jahren, meint das Presseamt der Stadt Bonn. Sogar fr ein wenig Weihnachtsstimmung sorgt der Verein fr Gefhrdetenhilfe. Doch die Frage bleibt: wohin, wenn das Bonner Loch einem Geschfts- und Wohnkomplex weichen muss. Bisher wurde das Problem bestenfalls verlagert. Zu einem neuen Treffpunkt hat sich der Passagenausgang am Busbahnhof entwickelt.

Auf eines kann man sich also verlassen: Sptestens mit der Findung eines Investors fr den Umbau und konkretem Baubeginn wird die Debatte um das Bonner Loch wieder aufleben und rauchende Kpfe zurcklassen.

Links:

Brgerwerkstatt Bonn

Stadtplanungsamt

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