Martin Hfeler und Anton Jurina
   
Kleider machen Leute. Eine Weisheit, die literarisch auf vielfltige Weise verbreitet wurde und bis heute in Kleidungsstil-Studienfach-Zuordnungen weiterlebt. Mit der Kleidung zeigt man seinen Stil, Mode setzt Trends, denen man zuspricht oder abspricht, Mode bietet den Weg, die eigene Individualitt in Stoff auszudrcken. Doch individuell zu sein, was bedeutet das heutzutage? Unlngst entbrannte in einem groen Feuilleton die Debatte um das Charakterbild der jungen Generation. Keine Werte mehr, keine Ideale, erst recht kein Interesse fr Gesellschaft und Politik klagte Jens Jessen vom Chefsessel der ZEIT Kulturredaktion aus, wohl das Bilderkino der eigenen 68-Jugend im Kopf. Gegen den wortgewaltigen Abgesang auf eine engagierte ffentlichkeit konnte das Gegenpldoyer von ZEIT CAMPUS nicht wirklich ankommen. Das Bild von den zukunftsverdrossenen jungen Leuten, die kritik- und urteilslos durch die Welt gehen, ist strker. Doch muss es daher der Realitt entsprechen?

Dass man auch in Zeiten des Konsumberschusses noch an Werten festhalten kann, hat ein Klner Mode-Label unter Beweis gestellt. Entsetzt von den Gepflogenheiten der Textilindustrie beschlossen die zwei Absolventen der Klner Uni Anton Jurina und Martin Hfeler einen anderen Weg einzuschlagen und grndeten 2007 armedangels als erstes Social Fashion Label Deutschlands. Das bedeutet, alle Produkte kommen aus biologischem Anbau und sind mit dem fair trade Abzeichen versehen. Kinderarbeit sowie gesundheits- und umweltschdigende Materialien sollen so ausgeschlossen werden. Die Herstellungskette verluft ber Indien und Portugal, das Design aber stammt aus Kln. Dort befindet sich auch das Bro des Labels, das den Verkauf regelt. Ganz billig ist armedangels- Mode nicht. Wer einen Kapuzenpulli erstehen will, muss um die 80 Euro hinlegen. Doch diesen Preis verlangen durchaus auch die bekannten Marken, bei denen man allein fr den Namen bezahlt statt fr ein fair gehandelte Produkte. Dazu fliet jeweils ein Euro pro verkauftem Artikel von armedangels an Hilfsprojekte. Welchem der untersttzten Projekte das Geld zukommt, entscheidet der Kunde selbst. Somit kann er ein wenig am Robin-Hood-Gefhl der armedangels teilhaben, fr die der sagenumwobene Gerechtigkeitsheld bei der Namensfindung Pate stand.

Persnliche berzeugung ist den Mitarbeitern von armedangels wichtig. Die szenig gestaltete Homepage illustriert, dass hier junge Leute mit Visionen arbeiten: Nicht nur ein Geschftsprinzip, sondern eine ganze Lebenseinstellung wird beworben. Aus einer Umfrage unter den Kollegen entstand der Werte-Katalog, der die Ansprchen des Labels wie z. B. Ehrlichkeit, Authentizitt und Gerechtigkeit sammelt, erzhlt die PR-Verantwortliche Sabine Lorenz, die kurz vor ihrem Uni-Abschluss steht. Wir sitzen in dem kleinen Bro der armedangels im Belgischen Viertel beisammen. Eine voll behngte Kleiderstange ziert die Teekche. An der Wand begegnet die eigene Streetwear Fashion als Hochglanzphotographie. Idealismus verbindet sich hier mit Professionalitt. Dass Ausdauer und Begeisterungsfhigkeit dafr unerlsslich sind, kommt an Martin Hfeler beispielhaft zum Ausdruck. Gut gelaunt weht der junge Chef in den Raum, um eine neue Marketingstrategie an mir zu testen.

Mag ich mich noch als leichter Fang entpuppen, so ist auf dem Markt ist ein lngerer Atem gefragt. Das Ziel der armedangels ist es daher, zunchst ein Bewusstsein fr den Wert der Social Fashion zu schaffen. Denn das Bedrfnis, den Einkauf mit gutem Gewissen gegenber Mensch und Natur zu ttigen, spielte in Deutschland bislang vor allem im Bereich der Nahrungsmittel eine Rolle. Whrend Bio-Supermrkte sprieen, bleibt die Mode ein Nischenprodukt. Anders als beispielsweise in Grobritannien und Frankreich, wo der Trend zu sogenannter Eco Fashion wesentlich verbreiteter ist. Doch die Branche verndert sich, meint Sabine Lorenz. Kongresse zum Thema mehren sich und selbst Mega-Ketten wie H&M und C&A stellen mittlerweile sogenannte Organic Cotton Kollektionen her.

Whrend die Groen langsam den Trend wittern, arbeiten armedangels weiter an der Basis. Wir wollen zeigen, dass faire Mode auch stylisch sein kann, bekunden die Modemacher und halten dem Bild vom Birkenstock tragenden ko die eigene Streetwear Kollektion entgegen. Das gelingt bislang sehr gut, denn die Online Community wchst stetig. Da staunt man manchmal wirklich, sagt Sabine Lorenz. Im nchsten Sommer wird die Kollektion erweitert und ein steigender Anteil des Ladenverkaufs ist ebenfalls geplant. Bislang luft der Vertrieb nmlich vorwiegend bers Internet. Sogar der Bund ist auf die Klner aufmerksam geworden und hat sie fr 2009 in das Partnerschaftsprojekt der Initiative Deutschland Land der Ideen aufgenommen.

Auch wenn dies alles nach Erfolgskurs aussieht, so gibt es dennoch auch kritische Stimmen. Die Frage nach richtiger Entwicklungshilfe und damit den mglichen Nachteilen von fairtrade ist selbst unter Fachleuten umstritten. Denn inwieweit der westliche Eingriff in die lokalen Wirtschaftssysteme deren eigene Entwicklung womglich hemmt, bleibt fraglich.
Gut und schlecht lassen sich nie ganz unterscheiden. Die volle Gewissensreinheit wird uns daher wohl nie beschert sein, zumal die Preise der Eco Mode fr Studenten keine Kompletteinkleidung erlauben. Doch immerhin gibt es Schritt fr Schritt Mglichkeiten, den eigenen Stil auch mit einer persnlichen Haltung zu verbinden. Wie der Weg zum fairen Handel ist auch der Weg zum Social-Fashion-Trger ein Prozess, der ohne Zugestndnisse nicht zum Erfolg fhren kann.

Homepage: www.armedangels.de

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