Als Bonner mit Leib und Seele sollte man wahrscheinlich nicht fr einen Stadtteil Partei ergreifen. Schlielich ist es doch das Gesamtbild, das die Stadt am Rhein so besonders macht. Doch ich kann nicht leugnen, dass die Altstadt im Vergleich zur Sd- und Weststadt sowie dem Zentrum, ihren ganz eigenen, einzigartigen Reiz hat. Wie ein Mosaik setzt sich der Altstadt-Charme aus einer Vielzahl einzelner kunterbunter Splitter zusammen.

Von der Klnstrae zur Bornheimer Strae und von der Oxfordstrae bis zum Kaiser-Karl-Ring - oder schlicht hinter dem Stadthaus - erstreckt sich die Flche, von der hier die Rede ist. Ein Konglomerat der unterschiedlichsten Kulturen. Der deutsche Culture Clash ist an jeder Straenecke zu sehen: vom trkischen Obst- und Gemsehndler und Konditor zum arabischen Friseur sind so ziemlich alle Nationen vertreten. Doch statt Differenzen aufzuwerfen, wird Nachbarschaft und gegenseitiges Vertrauen ganz gro geschrieben. Hier kann man auch mal einen Tag spter seine Orangen bezahlen, wenn der Ladenbesitzer den Schein nicht wechseln kann - und fr einen Plausch auf der Strae ist sowieso immer Zeit. Wo gibt es das heutzutage noch?

Eine geradezu sdlndische Gemtlichkeit zieht sich durch die mit Kopfstein gepflasterten Straen. Die engen Gassen sind gesumt von Kirschbumen, deren Blten im Frhjahr sanft auf die Straen herab regnen und alles in blass rosa Licht tauchen. Wenn dann noch die Sonne durch das erste Grn blitzt und man in einem der vielen Eckcafs einen Kaffee trinkt, kann man sich leicht in Italien oder Griechenland whnen.

Das Leben pulsiert in den vier Wohnzimmerwnden der Altstadt: sei es Kultur, Museen, Kunst, Mode oder Musik. Regelmig ffnen die Knstler ihre Ateliers in den verborgenen Hinterhfen der Huserreihen und lassen einen in eine vllig unbekannte und geheimnisvolle Welt eintauchen. Secondhand-Lden und kleine Designerlden bieten Mode von alltagstauglich bis extravagant. Alles hbsch verpackt in alten Stuck-Fassaden von Gotisch bis Barock und Jugendstil, die stumm von der Stadtteilgeschichte erzhlen. Anders als in der Sdstadt waren die Huser niemals Aushngeschild fr Prunk und Reichtum. Platz zum Wohnen und Arbeiten auf kleinster Flche war die Prmisse unter der um 1900 die Altstadt erbaut wurde.

Ein Ergebnis dieser engen Bauweise sind die Einbahnstraen und die rar gesten Parkmglichkeiten. Fr Anwohner mit fahrbarem Untersatz sicherlich regelmig ein Grund zur Beschwerde und fr deftige Flche. Es stimmt, mit dem Fahrrad oder zu Fu ist man besser unterwegs. Doch ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage, dass man an der Parkplatzsuche im Feierabendverkehr auch gefallen finden kann. Ist der Jagdinstinkt erst geweckt und die fieberhafte Suche am Ende von Erfolg gekrnt, steigt man aus und fhlt sich gut, wie ein Gewinner. Der perfekte Abschluss eines Arbeitstages.

An solch einem Abend kann man sich dann in das rege Nachtleben der Altstadt strzen. Entweder man stattet einem der vielen Restaurants einen Besuch ab, trifft Freunde und Nachbarn in der nchsten Kneipe oder gnnt sich ein Konzert. Denn Musik nimmt einen wichtigen Raum im Viertel ein. Sei es im Kult 41, in der Musiktruhe oder im Bla, berall treten Bands und Songwriter auf. In Kombination mit Clubs und Party-Locations fehlt es dem Stadtteil eigentlich an wenig. Sogar der Karneval hat hier sein Epizentrum.

Die Altstadt prgt eine freundschaftliche und freundliche Atmosphre, es ist eine geschlossene Stadt in sich. Und ist man dieser Welt erstmal verfallen, entkommt man ihr so schnell nicht wieder. Die echten Altstdter wissen, wovon ich spreche. Wegziehen? Undenkbar. Auer von der Paulstrae in die Dorotheenstrae.

Interessante Informationen zur Altstadt, manchen auch bekannt als die Innere Nordstadt, findet ihr hier.

Artikel drucken