Ruhe vor dem Sturm
   
 

   
Wer in den letzten Wochen die Zeit zu nutzen wusste, hatte die Mglichkeit sommerliche Temperaturen, jenseits der 20, gar 25 Grad Marke im Sonneschein zu genieen. All das erstaunt umso mehr, hlt man die Minustemperaturen dagegen, die uns noch Ende April zu schaffen machten.

Am Aachener Weiher versammelten sich als Folge der sommerlichen Temperaturen tglich hunderte, vielleicht sogar tausende Sonnenanbeter, um sich am slich-rauchigen Grillgeruch und bermigem Alkoholkonsum zu ergtzen. Nicht selten suchten unbeteiligte Passanten den Weg durch ein Labyrinth aus fleiigen Grillprofis, sportlichen Fuball- und Frisbeespielern, sich brunenden Sonnenschtigen und lallenden Alkoholleichen vergebens. Aber was am Ende zhlt ist der Spa und davon gab es reichlich, mehr als genug, fr Alle. Doch wie jede Geschichte, gibt es auch hier eine Kehrseite. Und die ist wrtlich zu nehmen.

Die Abflle und Reste, Bierflaschen, -fsser und -dosen, Pappteller und Plastikgabeln, Taschentcher, Servietten, Einweggrills und Zigarettenstummel verwandelten den sonst so schnen Park ber Nacht in die grte Mllhalde der engeren Klner Innenstadt. Eine Kehrseite die sich (leider nicht) gewaschen hat.

Wer also in den letzten Wochen versuchte, an einem der schnen Tage die Sonne am Aachener Weiher zu genieen, hatte in erster Linie ein Problem damit, einen Ort auf der Wiese zu finden, an dem ein Handtuch, das etwas grer als ein Geschirrhandtuch ist, Platz fand, ohne in engeren Kontakt treten zu mssen, mit den Abfllen der letzten Nacht.

War dies jedoch geschafft, konnte sie losgehen, die Phase der Entspannung. Man legt sich rcklings auf das Tuch schliet die Augen und beginnt an die schnen Dinge des Lebens zu denken. Die Liebe zum Beispiel, oder ein leckeres Eis, oder das Essen wie es riecht bei Mutti zu Haus. Riechen? Im gleichen Augenblick packt einen der Ekel. Die Baumgruppe gleich nebenan ist offensichtlich zur Latrine verkommen. Der schwere Geruch menschlicher Ausscheidungen bohrt sich wie ein Finger in die eigene Nase und verharrt. Eisern. Angewidert such man das Weite. Neuer Platz, neues Glck, so sagt man doch. Der Tag in der Sonne: versaut.

Auf dem Weg nach Hause beginnt die Suche nach Grnden. Als bedachter Mensch erstmal bei sich selbst: Htte ich erst morgen kommen sollen, war ja schlielich Sonntag? Habe ich einfach zu hohe Ansprche in Sachen Sauberkeit und Hygiene? Warten wir noch ein paar Wochen dann wirds sicher besser? Auf keinen Fall.

Jeder Mensch wei einen Wetterbericht zu lesen. Auch die Stadtverwaltung sollte sich inzwischen an die bewhrte Tradition der Wettervorhersage gewhnt haben und bei akuten Wetterverbesserungen in der Lage sein entsprechend zu reagieren. Das bedeutet, dass auch sonntagmorgens mit der Instandsetzung der Klner Parks begonnen werden muss; zum Wohle derer, die um 12 Uhr nicht noch immer mit Kater im Bett liegen und den Rest des Tages dort zu bleiben beabsichtigen.

Genauso vorhersehbar war, dass die Parks mit dem Problem des Abtransports der Fkalien nicht alleine fertig werden wrden. Warum nicht schon vor Wochen mobile Toiletten aufgestellt wurden bleibt ein Rtsel. Sicherlich ist dies nicht die schnste, aber eine der effektivsten Mglichkeiten diesem Problem Herr zu werden und neben den 5 riesigen (meist leeren) Mllcontainern, wrden 10-20 Toiletten auch schon fast gar nicht mehr auffallen.

Die Unzulnglichkeiten seitens der Stadt knnen aber nicht allein fr die Zustnde verantwortlich gemacht werden. Wo ist der Anstand, wo das Pflichtbewusstsein der Parkbesucher? Worin liegt das Problem nach dem Essen seinen Abfall in einer Mlltte zu entsorgen, statt auf der Wiese? Wieso scheint es so schwer, vor Verlassen des Parks in Selbstverantwortung dafr Sorge zu tragen, dass man seinen Platz (und vielleicht sogar den des Nachbarn) nicht wie ein Schlachtfeld hinterlsst? Auch hier knnte die Stadt mit dem Aufstellen von Mllttenspendern Vergesslichkeit vorbeugen und die Aufrumwilligen dem Ziel einen Schritt nher bringen.

Ein Appell an die Moral scheint wie immer vergeblich, dem Pflichtbewusstsein gibt sptestens der Alkohol den Rest und dass ein Park nur aufgerumt ein Ort der Erholung und Vergngung (in allen Formen) sein kann, fllt vom Tisch. Also geht es nicht ohne die Stadt, die inzwischen mit 4-5 Einsatzfahrzeugen des Ordnungsamts zumindest versucht ein wenig Ordnung in das Chaos zu bringen und das Ausbrechen grerer Feuer zu verhindern.

In diesem Sinne kann man sich auf die nchsten sonnigen Tage freuen, auf dem Balkon, im Garten oder in den eigenen, stickigen 11 m, aber sicherlich nicht am Aachener Weiher.

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