Mit dabei: Uwe Rapolder
   
Organisiert und veranstaltet von der Friedrich-Ebert-Stiftung wurde am 6. und 7. April mit Fans und fussballbegeisterten Menschen aus aller Welt ein multinationales Treffen arrangiert, der Internationale Fankongress der Initiative "Fans for Football".

Die etwa 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus den unterschiedlichsten Lndern der Erde, so z.B. aus der Schweiz, den Niederlanden, Argentinien, Brasilien, Tschechien und Togo, die mit einem eigenen Stand antraten.

Die Trikots "Togo- Weltmeister 2006" wurden jedoch meist nur mit einem Lcheln beugt. Eingeladen waren Fanvertreter aus Fanorganisationen, jedoch konnte man hier und da private Teilnehmer mit einem eigenen Stand finden, so z.B. Michael Frster aus Offenbach, der sich selbst als fussballverrckt bezeichnet. Michael hat eine eigene Sammelbrse gegrndet, reist durch die Lnder und macht Werbung fr sein kleines Projekt, welches am 17. Juni im Stadion Bieberer Berg in Offenbach stattfinden soll. An einem 127 m langem Tisch soll verkauft, getauscht und gepfeilscht werden. Im Angebot sind dabei Anstecknadeln, Pins, Wimpel, Sammelbilder, Glser und viele weitere Sachen, die die Herzen der Fussballfans hher schlagen lassen.

An Kreativitt mangelte es auch bei den anderen Teilnehmern nicht. So wurde im Rahmen des internationalen Fankongresses auch ein Wettbewerb veranstaltet, bei dem Fans ihre Ideen fr eine friedliche und internationale WM einreichen konnten. Die Jury, bestehend aus bekannten Persnlichkeiten wie Christoph Biermann und der ehemaligen Bundestrainerin Tina Theune-Meyer, whlte dann den Gewinner.

Weitere prominente Gste waren Reiner Calmund, WM-Botschafter des Landes Nordrhein-Westfalen und Uwe Rapolder, Botschafter der WM-Drehscheibe Sd und ehemaliger Bundesligatrainer, der von einer "Herzensangelegenheit" sprach und davon, wie wichtig Fans fr Events wie die WM seien. Zwar mssten Fans auch mit Niederlagen umgehen knnen, also beispielsweise keine Karten bekommen, aber dennoch sollten sie sich daran beteiligen, die WM in Deutschland zu einem wahren Fussballfest werden zu lassen, bei dem sehr viele Kontakte und Freundschaften geknpft werden knnen.

Die Veranstaltung diente vor allem dem Zweck, dass Fans in Workshops ber diverse Themen diskutieren konnten. Der Schwerpunkt der Angebote lag dabei vor allem auf den Themen Ticketing und Kartenkontingente, Sicherheit und Kommerzialisierung.

Gleich am ersten Tag wurde bei der Podiumsdiskussion Kritik an den Vorbereitungen zur WM geuert, speziell zum Thema Ticketing. So wurde vorgeworfen, dass die WM nicht fr Fans gemacht sei, sondern die Interessen von VIPs, Presse und vor allem den Sponsoren in den Vordergrund stelle. Die Tendenz gegenber wirtschaftlichen Interessen ist also steigend. Doch dagegen will ein neu gegrndetes Netzwerk zur Vertretung von Fan-Interessen vorgehen. Ein anderes wichtiges Thema, welches auch in der Bundesliga immer wieder fr Schlagzeilen sorgt, ist Rassismus: Was kann man tun? "Es ist auch eine Aufgabe der Fans sich im Stadion zu engagieren, also aktiv gegen Rassismus vorgehen", so die allgemeine Meinung der Fanvertreter.

Es wurde beispielsweise der Vorschlag gemacht, dass Fangruppen "auf Streife gehen" knnten und dass man auerdem viel mehr internationale Treffen veranstalten knnte, um Vorurteile gegenber anderen Kulturen abzubauen und vorzubeugen. Auerdem wurde gefordert, dass sich auch die Vereine und Schiedsrichter daran beteiligen sollten und rassistische Angriffe mit Straf-/Bugeldern ahnden. Um dieses Vorhaben zu verwirklichen sei es wichtig, dass die Fanprojekte international gesehen gut zusammen arbeiten. Doch man ist guter Dinge, da whrend des internationalen Fankongresses eine deutliche Verbesserung der Arbeit innerhalb der Fan-Projekte zu bemerken war.

Kevin Miles, Football Supporters Federation, UK: "Zum ersten Mal ist mir hier das Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" klar geworden." Weiterer Diskussionsbedarf bestand auch beim Thema Sicherheit. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei den englischen Fanvertretern: "Wir Englnder mchten aufgrund unseres Benehmens und nicht aufgrund unseres Rufes behandelt werden".

Laut Kevin Miles denken die meisten Sicherheitsleute bei dem Wort Englnder gleich an das Wort Hooligan, aber zur WM werden nicht 100.000 Hooligans anreisen, sondern 100.000 Fans.

Es wurde auch Kritik daran geuert, dass es noch groe Unstimmigkeiten zwischen den Sicherheitsbehrden untereinander gibt, da es in jeder Stadt und jedem Stadion anders gehandhabt werde, so Kevin Miles weiter.

Auch Lateinamerika war vertreten und zwar durch Dr. Pablo Alabarces, Argentinien. Er konnte ber die lateinamerikanischen Fan-Vorbereitungen informieren. Auch wenn er sich zwar nicht sicher war , wie viele Lateinamerikaner es letztendlich zur WM schaffen wrden, da die Karten fr lateinamerikanische Verhltnisse viel zu teuer seien und sich kaum einer die Reise nach Deutschland leisten knne, versicherte Alabarces, dass es eine groe Prsenz an Fans aus Sdamerika geben werde. Dafr spricht die hohe Migrantenzahl in Lndern wie beispielsweise Spanien. Und eine WM ohne Fans aus Brasilien oder Argentinien? Unvorstellbar!

Thomas Schneider, Koordinationsstelle Fanprojekte, gab an, dass noch viel Arbeit vor den Fanprojekten lge. So war eben auch dies eines der Ziele der Veranstaltung, dass eben alle Verantwortlichen erkennen knnen, woran es fehlt. Die WM sei ein Prozess, der jeden Tag beeinflusst werden kann.

Das Ziel der Fanprojekte in jeder Stadt Deutschlands, egal ob WM-Stadt oder nicht, ist es gleiche Bedingungen zu schaffen. Die Fans egal welcher Herkunft oder welcher Hautfarbe - sollen sich berall in Deutschland willkommen fhlen, damit das Motto diesmal auf Englisch- "A time to make friends" auch erfllt werden kann.

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