Bei den beiden zu bewachenden Seen handelte es sich um den nrdlich des Papsthgels gelegenen Boisdorfer See und den Frstenbergmaar, der versteckt im Wald am stlichen Rand des Marienfelds liegt. Die Wachstation am Frstenbergmaar war ausgestattet mit einem Zelt, einem Boot, einigen Liegen und Bnken, sowie einem sehr lauten Generator. Mit dieser Ausrstung, warmer Kleidung und sehr viel Geduld mussten acht Wachgnger nun eine zwlfstndige Nachtschicht berstehen. Erleichtert wurde diese Aufgabe allerdings durch grozgige Verpflegung von der Feuerwehr mit Lunchpaketen und warmem Essen.

Bereits am frhen Abend wird es im Kessel des Maars deutlich zu kalt fr kurze Hose und T-Shirt. Die Sonne erreicht uns wegen des dichten Walds schon lange nicht mehr und durch den See khlt die Luft noch strker ab. Der See an sich ist nicht gro: Er ist rund, misst etwa 50m im Durchmesser und ist bis zu 6 Meter tief. Glcklicherweise ist er nahezu unzugnglich, weil er einerseits sehr grndlich abgesperrt wurde und andererseits in einem Naturschutzgebiet liegt. So sind die Einstiegsmglichkeiten fr Schwimmer nur auf drei unbewachsene Stellen beschrnkt.

Trotz der versteckten Lage finden allerdings immer wieder Pilger den Weg zum Seeufer herunter. Wenn sie nicht von der Forstpolizei zurck geschickt werden, merken sie allerdings schnell, dass er hier nichts zu holen gibt auer dreckigen Fen, denn die Wege sind nach wie vor durch den Regen der vergangenen Tage immer noch aufgeweicht. Irgendwann ach Einbruch der Dunkelheit kommt eine groe Gruppe von ungefhr 50 Pilgern in kleineren Wellen an und fragt nach Weg und Zeit bis zum Marienfeld. Mit Hnden, Fen und Englisch knnen wir alle Menschen aber in die richtige Richtung schicken, inklusive des Kamerateams eines bekannten deutschen Privatsenders. Es drngt sich hier der Verdacht auf, dass der erste sich verlaufen hat und alle anderen einfach gefolgt sind.

Irgendwann nachts geht dann auch der Generator mal wieder aus und mit ihm das Licht und die Funkstation. Die Stille ist eine sehr willkommene Abwechslung, aber damit wir einsatzbereit bleiben knnen, brauchen wir Licht und Funk. Also muss der Tank wieder gefllt werden, damit wir fr zwei oder drei weitere Stunden Strom haben. Man kann gut Gesang, Musik und Gebet vom Marienfeld hren, bevor das Knattern des Motors wieder einsetzt. Damit die Ruhe zum Dauerzustand wird, benutzen wir eine von der Feuerwehr geliehene Kabeltrommel, um den Generator weiter von unserer Station entfernt aufzustellen. Der Umzug dmpft den Lrm gehrig, aber nicht ganz.

Wenn man, durch Gesang und Musik inspiriert, sich an diesem Abend die Beine vertreten will und in Richtung Marienfeld geht, bietet sich ein besonderer Anblick: Vor dem Hintergrund der versinkenden Sonne verwandelt sich das Feld in ein riesiges Lichtermeer. Dieses wird nicht nur von den zahllosen Lampen, Kerzen und Grobildschirmen gebildet, sondern vor allem von blauen und orangen Blinklichtern der Einsatzfahrzeuge, deren Martinshrner das Stimmengewirr der Pilger durchsetzen. Der beeindruckendste Anblick in dieser Nacht ist allerdings ein Konvoi von 15 bis 20 Rettungswagen, die sich mit Blaulicht zurck auf das Marienfeld bewegen.

Gegen Mitternacht macht sich bei uns die erste Mdigkeit breit und mit ihr wchst das Empfinden der groen Klte in dieser Nacht. Der Funkverkehr der Einsatzkrfte auf der Marienfeld verrt, dass viele Pilger wegen Unterkhlung behandelt werden mssen. Die wenigsten von ihnen haben Zelte aufgebaut, sondern schlafen auf dem nackten Boden oder bestenfalls eingewickelt in Plastikplanen oder Mllscke. Aber bei den mehr als 500 Einstzen in dieser Nacht gibt es auch Brche, Lungen- und Blinddarmentzndungen und sogar einige Male den Verdacht auf meldepflichtige Krankheiten.

Wir sind sehr dankbar, als um 6.00 Uhr morgens endlich die Ablsung erscheint, denn vor allem in den frhen Morgenstunde fllt das Wachbleiben sehr schwer. Das letzte Hindernis dieser Nacht ist es, das Marienfeld gegen den Strom der Pilger, die zum Morgengebet kommen, wieder zu verlassen. Glcklicherweise waren die einzigen Einstze whrend unserer Schicht, zwei Pflaster auszugeben und verirrten Pilgern den Weg zu weisen.

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