Beim anschlieenden einstndigen Festakt rief der Papst Christen und Juden auf, sich gegenseitig "noch viel mehr und viel besser gegenseitig kennen zu lernen". Er verurteilte jede Form von Antisemitismus und bedauerte, dass es erneut Zeichen dafr gebe. Mit dem Synagogenbesuch wolle er die "Freundschaft mit dem jdischen Volk" verbessern, sagte der Pontifex.

Der Prsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, wertete den Besuch als "historisches Ereignis". Der Papst habe "ohne Wenn und Aber" die Verbrechen der Nazis verurteilt. Die jdische Gemeinde sah nach der Visite ihre Erwartungen erfllt. Der Pontifex habe sich vor allem deutlich gegen einen wieder erwachenden Antisemitismus und Fremdenhass ausgesprochen, sagte Vorstandsmitglied Michael Rado der KNA.

Der Vorsitzende der Union Progressiver Juden, Jan Mhlstein, wertete es als positiv, dass der Papst "an die dunklen Momente der jdisch-christlichen Geschichte erinnert" habe. Mhlstein bedauerte, dass Benedikt XVI. nicht die schwierige Situation Israels whrend der Rumung des Gaza-Streifens erwhnt habe. Kardinal Karl Lehmann nannte den Festakt eine "Sternstunde". Alle Ansprachen htten wichtige Fragen des christlich-jdischen Dialogs beinhaltet, auch wenn manche Themen "nicht so ausfhrlich dargestellt werden konnten". Die jngste Kontroverse zwischen dem Vatikan und Israel ber Verurteilungen des Terrors im Nahen Osten war in der Synagoge nicht angesprochen worden.

Auenamt-Staatssekretrin Kerstin Mller (Grne), die an dem Festakt teilnahm, sah das Treffen als wichtigsten Termin des Papstbesuchs in Deutschland. Benedikt XVI. habe ein "beeindruckendes Zeichen der Vershnung" gesetzt. Nordrhein-Westfalens Ministerprsident Jrgen Rttgers (CDU) wrdigte das Ereignis als "eindrucksvollen und historischen Tag".

Benedikt XVI. hatte in seiner Ansprache daran erinnert, dass sein Vorgnger Johannes Paul II. 1980 in Mainz dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der Rabbinerkonferenz begegnet sei und sich intensiv um den christlich-jdischen Dialog bemht habe. "Auch und gerade in dem, was uns auf Grund unserer tiefsten Glaubensberzeugung voneinander unterscheidet, mssen wir uns gegenseitig respektieren und lieben", so Benedikt XVI. Als Gastgeschenk erhielt er von der Gemeinde ein Schofar-Horn, das Juden fr liturgische Zwecke nutzen. Er revanchierte sich mit einem Faksimile des Codex Vaticanus.

Benedikt XVI. bezeichnete die Geschichte der christlich-jdischen Beziehungen als "komplex und oft schmerzlich". 60 Jahre nach Befreiung der Konzentrationslager der Nazis verneige er sich vor den Opfern des Holocaust. Die Kirche msse die Erinnerung daran wach halten, damit "die Mchte des Bsen nie wieder die Herrschaft erlangen".

Abraham Lehrer vom Vorstand der Gemeinde, die den Papst kurz nach seiner Wahl eingeladen hatte, bewertete den Besuch in seiner Ansprache als Ereignis von enormer Bedeutung. Die Visite knne dazu beitragen, immer noch vorhandenen kirchlichen Antisemitismus zu bekmpfen. Er bezeichnete Benedikt XVI. als "Brckenbauer zwischen den Religionen". Lehrer erinnerte an den Besuch von Johannes Paul II. in der rmischen Synagoge 1986, dessen Schuldbekenntnis fr Verfehlungen der Kirche in ihrer 2.000-jhrigen Geschichte 2000 und seinen Israelbesuch 2003.

Rabbiner Netanel Teitelbaum nannte den Besuch ein "Zeichen und Symbol fr den Frieden auf der Welt". Wirkliche Freiheit auf der Welt sei der Frieden, der keinen Terror kenne. Zum Schluss wurden dem Pontifex 15 der 5.000 Gemeindemitglieder vorgestellt. Er wechselte auch einige Worte mit Spiegel. Die orthodox ausgerichtete Gemeinde ist die lteste nrdlich der Alpen.

An dem Festakt nahmen rund 500 Personen teil, darunter 40 Rabbiner, die Kardinle Joachim Meisner, Karl Lehmann, Angelo Sodano und Walter Kasper, Israels Botschafter Shimon Stein, der frhere Erzbischof von Paris, Kardinal Jean-Marie Lustiger, der Prses der rheinischen Landeskirche, Nikolaus Schneider, Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) und die Vorsitzenden von SPD, Grnen und PDS, Franz Mntefering, Claudia Roth und Lothar Bisky.

Artikel drucken