Vernderung ist ein zentrales Thema in so manchem Lied. Bob Dylan sang darber, genauso wie Keane, Tracy Chapman und unzhlige andere Musiker. Vernderung ist ein ebenso elementares Thema, wenn es um Innenstdte geht. Die Zeiten ndern sich und dieser Wandel macht auch nicht vor den Lden in den Stadtzentren Halt. Geschfte schlieen und werden neu aufgemacht. Gerade eine grere Stadt wie Bonn kann da sehr schnelllebig sein. Manchmal macht das nicht viel aus. Ein Billig-Bcker geht und der nchste kommt. Solange die Brtchen nach wie vor knusprig sind und der Kaffee noch immer stark ist, kann einem das vollkommen gleich sein. Wenn allerdings ein Geschft wie Mr. Music schliet, dann ist die Sachlage eine vllig andere, dann kann das Herz des Kunden schon mal bluten.

Ein Teil von Bonn

Allein als Musikgeschft ist Mr. Music etwas Besonderes. Der Laden ist nicht nur irgendein X-beliebiger Ort, an dem es CDs und Vinylplatten zu kaufen gibt. Mr. Music ist ein Geschft, in dem man noch kompetent beraten wird. Eine Institution, welche im November ihr 25-jhriges Jubilum gefeiert htte und die Einzige ihrer Art in Bonn. Doch Mr. Music ist auch viel mehr als nur ein beeindruckendes Musikgeschft. Mr. Music gehrt zum Bonner Stadtbild. Vielleicht nicht so sehr wie das alte Rathaus oder wie das Beethoven-Denkmal auf dem Bonner Mnsterplatz. Man sieht das Geschft nicht auf Postkarten oder auf T-Shirts. Touristen stellen sich nicht vor den Laden und machen breit grinsend Selfies. Dennoch ist Mr. Music ein Teil dieser Stadt. Das wird sich nun bald ndern. Das Musikgeschft wird am 24. Juni 2017 das letzte Mal seine Tren ffnen.

Von Britney und Baustellen

Als langlebiges Musikgeschft hat Mr. Music viele Trends kommen und gehen sehen. Es gab den Laden bereits, als der Grunge die Musikwelt aufrttelte. Das Geschft hat von Britney in Schuluniform profitiert und Gangsta-Rap-CDs an junge Leute verkauft, die ignorierten, dass man eine Hose auch hoch ziehen kann. Der Laden war da, als Lady Gaga die Leute zum ersten Mal verrckt machte und er war genauso da, als Deutsch durch Helene Fischer pltzlich ein Revival erlebte. Dabei hat das Geschft nie vergessen, wie wichtig es ist, auch die weniger gngigen Knstler zu fhren. Mr. Music hat miterlebt, wie die Musik immer digitaler wurde. Wie MP3-Player, iPods und Streaming-Dienste beim Kunden immer beliebter wurden. Der Laden hat sich trotz dieser digitalen Bedrohung und der Konkurrenz durch den Versandhandel des Internets behaupten knnen, obgleich diese Entwicklungen ihre Tribute gefordert haben. Das Todesurteil fr das Geschft sind letztendlich die Bauprojekte am Hauptbahnhof. Der Bau des Maximilian-Centers rckt nher und nher an Mr. Music heran. Er verhagelte dem Laden schon das Weihnachtsgeschft und man konnte damit rechnen, dass der Bau sich auch weiter auf die Einnahmen des Geschfts auswirken wrde.

Wenn die Musik Abschied nimmt

Die Zeiten verndern sich und das Bild einer Stadt tut es ihnen gleich. Geschfte kommen, und sie gehen. Mr. Music auch. Doch wenn dieser Laden geht, dann wird er ein Stck lebendiges Bonn mit sich nehmen. Er wird ein Stck Musik mit sich fort nehmen. Bei all der Freude, die eventuell auch ber den Bau des Maximilian-Centers vorherrscht, so sollte das doch gerade in Bonn nicht vergessen werden. Denn wie Ludwig van Beethoven, der wohl bekannteste Sohn der Stadt, (zugeschrieben) schon sagte: "Musik ist hhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie."

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