Es ist Nacht. Ein Zeichen dafr, dass sich langsam Ruhe breitmacht. Nicht jedoch dieser Tage. Da scheint das Leben in meinem Viertel erst richtig loszugehen. Denn es ist Ramadan. Rund 120.000 Muslime leben laut Berichten in Kln. Ob Gro oder Klein, Alt oder Jung, sie alle versammeln sich auf den Straen sobald die letzten Sonnenstrahlen erloschen sind. Hier wird ein kleiner Tisch nach drauen gestellt, an dem sich vier junge Mnner mit allerhand Speisen versammeln. Dort wird in gemtlicher Runde Tee getrunken, Karten gespielt und sich ber das Tagesgeschft unterhalten. Denn tagsber ist im Ramadan, der als neunter Monat des islamischen Mondkalenders angesehen wird, das Essen fr sie verboten.

Die ganz persnlichen Grnde fr den Ramadan

Doch was ist es, was Muslime antreibt, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang weder zu essen noch zu trinken? Sind es nur religise Beweggrnde oder machen es manche um der Familie willen? Dieser Gedanke treibt mich an, wenn ich durch mein Veedel gehe und finde dabei die verschiedensten Antworten. Die 12-Jhrige N., die namentlich nicht genannt werden mchte, fastet zum ersten Mal. Fr sie sind es zum Teil die religisen Grnde. "Muslime fasten auch, damit sie verstehen wie Leute sich fhlen, die verhungern." Fr Deniz ist es wiederum ihre Pflicht als Muslima. "Allah befiehlt es uns. Im Koran ist Fasten eine Pflicht", sagt sie. Doch auch fr sie stellt sich die Frage nach dem "Verhungern". Einige Moslems speisen viel zu Abend. Das ist in ihren Augen falsch. "Der Ramadan soll uns doch lehren mit wenig auszukommen. Du sollst nur soviel zu dir nehmen, dass du berleben kannst. Man sollte vom Tisch nicht mit einem satten Magen aufstehen." Da sich der Ramadan am islamischen Mondkalender orientiert, ist er jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt. Dieses Jahr ist der Fastenmonat vom 18. Juni bis 16. Juli.

Im Ramadan ist Gemeinschaftsgefhl gefragt

Auch die Familie ist sehr wichtig. Sie vermittelt ein Gemeinschaftsgefhl. Besonders dann, wenn die Temperaturen ber 30 Grad klettern, sei es schwer den Ramadan einzuhalten. "Besonders der Durst macht Einem zu schaffen. Aber man gewhnt sich dran. Es wird jeden Tag leichter", erklrt N.. Den grten Rckhalt bekommt die 12-Jhrige auch da von ihrer Familie. "Wir untersttzen und motivieren uns auch gegenseitig. Abends kann ich gar nicht mehr so viel essen." Ablenkung? Fehlanzeige. Nicht einmal Kaugummi geht oder ein Besuch mit den Freunden im Schwimmbad. Man knnte Wasser schlucken oder in die Nase bekommen. Puh!
Es gibt natrlich auch Ausnahmen wird mir erzhlt. Ich bin fast ein wenig erleichtert. Wenn man schwanger oder krank ist, muss man nicht fasten. Dennoch ist es blich, dass man die versumten Tage oder Wochen nachholt. Auch fr alte Menschen oder Personen, die regelmig am Tag Medikamente einnehmen mssen, gibt es eine Sonderregel, wie Deniz berichtet. "Sie mssen fr jeden Tag, an dem sie nicht fasten knnen, jemanden so viel Geld oder Lebensmittel spenden, dass der Bedrftige satt wird."

Ich fange an mich zu fragen, wie man das durchhalten kann. "Eiserne Disziplin", antworten mir die meisten und sicher auch ein wenig die Vorfreude auf das Ende des Ramadans. Die Mnner werden dazu in die Moschee gehen und beten. Wenn sie zurck sind, wird ordentlich gefeiert das Zuckerfest beginnt. Danach werden nachts die Straen wieder leerer sein, ein wenig stiller. Das ist schade, denn gerade dieses Multi-Kulti-Zusammenleben macht manche Stadtteile so besonders. Man erfhrt etwas ber seine Mitmenschen, Schranken und Barrieren werden berwunden und immer wieder zeigt sich, dass ein Miteinander doch mglich ist.

Artikel drucken