Am Sonntag, dem 14. Dezember, folgten mehrere tausend Menschen dem Demo-Aufruf der Klner Knstlerinitiative Arsch huh AG. Es sollte ein buntes Zeichen gegen die braune "Hooligans gegen Salafisten"-Demo vom 26. Oktober gesetzt werden. Damals gingen ber 3000 Menschen in Kln unter der Leitung der HoGeSa auf die Strae, um gegen Salafisten zu demonstrieren. Neben der Arsch huh AG rief ein gemischter Topf aus Politik, Kirche und (Brger-)Initiativen zur Kundgebung auf. Eingeladen waren viele Klner Musiker wie Blck Fss, die Hhner und Kasalla. Auerdem waren der Kabarettist Jrgen Becker und der Redaktionsleiter der WDR-Sendung "Monitor" als Gastredner eingeladen worden. Viel Prominenz stand also gegen Rassismus und Neonazis bereit.

Trommeln gegen rechts

Es kam aber vor allem auf die Demonstranten an, die zum Groteil aus der Klner Stadtbevlkerung bestand. Laut Veranstalter waren es ber 15.000 Menschen, die bei der Abschlusskundgebung am Ebertplatz standen. Los ging es um 14:00 Uhr am Breslauer Platz am Klner Hauptbahnhof. Zunchst waren es etwa 500 bis 1000 Demonstranten. Nach kurzen Redebeitrgen setzte sich die Demonstration in Bewegung und die Teilnehmerzahl stieg auf dem Weg zum Ebertplatz rasant an.
Der Weg vom Start- zum Zielpunkt der Kundgebung wurde von lautem Trommeln, meist von Fuballfans, begleitet. Gerade sie wollten ein Zeichen gegen Rassismus setzen und sich klar von der HoGeSa abgrenzen. Zwei Vertreter der "Coloniacs Ultras", einer Fangruppierung des 1. FC Kln, rumten in ihrer Ansprache mit Vorurteilen auf. Nicht alle Ultras seien links, aber genauso wenig seien alle Hooligans rechts. Das Stadion sei auch immer ein Spiegelbild der Gesellschaft und eben dort msse das Problem bekmpft werden.
Genau so laut trommelten auch einzelne Brger Klns mit. "Es ist Brgerpflicht auf der Demo zu sein, einfach Farbe zu bekennen", lautete oftmals die banale und zugleich sehr ernst gemeinte Begrndung ihrer Teilnahme. Der Landesvorsitzende der AG Lesben und Schwule (Schwusos) in Nordrhein-Westfalen Fabian Spies sagte: "Das, was hier in Kln passiert ist mit den Rechten, ist fr mich einfach ein No Go." Alle Demonstranten waren fest entschlossen, dass ein weiterer 26. Oktober in Kln nicht mehr passieren darf.

"Kein Nazis he op unser Pltz"

Gute Vorstze - viele fragten sich aber, warum gerade in der immer so tolerant geglaubten Stadt Kln, Neo-Nazis und Rechtsextremisten eine solch groe Demo aufziehen konnten. Dabei ist diese Frage redundant das wrde der Kabarettist Jrgen Becker wohl auch so behaupten. Er sagte, dass es ja schn und gut sei, wenn Klner Musiker ber Toleranz und Multikulti sngen. Doch gebe es in der Stadt am Rhein genau so viel Intoleranz und "rechte Scke" wie in anderen Grostdten Deutschlands. Diese "Klschtmelei" habe eine "offene Flanke zum rechten Rand". Tosender Applaus.
Die einzig mgliche Lsung des Problems sei der Dialog, meinte Georg Restle. Der Journalist warnte aber genau wie die Vertreter der Ultras in Kln vor Pauschalisierungen: "Nicht alle, die da demonstrieren, sind Nazis". Genau dies sei aber zugleich das grte Problem, denn mit der Demo gegen Salafisten htten die Rechtspopulisten den Nerv der Bevlkerung getroffen. Auslnderfeindlichkeit sei so wieder gesellschaftsfhig geworden.

Friedlich, kontrovers und unterhaltsam

Insgesamt blieb die Demo bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel friedlich. Die Polizei hielt sich unauffllig am Rande auf, Hinweise auf Ausschreitungen gab es nicht. Viel regionale Klner Prominenz und sehr reflektierte und kontroverse Redebeitrge machten die Arsch huh-Kundgebung zu einer besonderen. Es wurde keine Hetze gegen Nazis, wie es sie auf Anti-Rassismus-Demonstrationen oft gibt, betrieben. Am Schluss waren sich aber alle einig: Kln und Deutschland mssen gegen die neue, brgerliche, rechte Bewegung Flagge zeigen.

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