Man findet ihn in Weinkellern, Kirchen, Regierungssitzen und in unserem Bcherregal. Er schleicht sich unauffllig an und wenn ihn keiner strt, dann macht er sich es bequem und breitet sich aus. Die Rede ist vom guten alten Hausstaub. Einen gibt es, der darber froh ist und es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihn nher zu untersuchen: Wolfgang Stcker. Vor knapp 10 Jahren hat er ein Staubarchiv mit Sitz in Kln gegrndet. Dort wird Staub in seinen verschiedenen Erscheinungsformen gesammelt und erforscht. So wird beispielsweise unterschieden in "sakralen Staub" oder "musikalischer Staub".

campus-web: Andere sind froh, wenn sie ihn loswerden und Sie widmen ihm ein Archiv: woher kommt Ihr Interesse fr Hausstaub?

Wolfgang Stcker: Der Staub ist das kleinste gemeinsame Vielfache unserer Kulturen. Er ist demokratisch und eine wirklich sehr feinschichtige Plastik. Staub in unserem Sinne ist ein Kulturprodukt! Die Natur kennt nichts Nutzloses.

CW: Inwiefern bietet sich Staub denn als Studien- oder Forschungsobjekt an?

WS: Es gibt 1000 gute Grnde, vor allem in den Naturwissenschaften.

CW: Wie sauber bzw. hygienisch sind wir Deutschen denn im Vergleich zu anderen Lndern?

WS: Da wage ich keine Einschtzung. Dies ist bisher auch nicht mein urschliches Archivgebiet, wobei sich da, da gebe ich Ihnen Recht, erstaunliche Anstze erarbeiten lieen. Legen Sie los!

CW: Sehen Sie innerhalb der Bundesrepublik ein "Staubgeflle" zwischen den Bundeslndern?

WS: Da bin ich ebenso berfragt. Allerdings habe ich die Vermutung, dass sich dies belegen liee. Alleine Industrieregionen... Regionen mit starkem Gelnderelief...

CW: Gibt es Staubarchive auch in anderen Lndern?

WS: Meines Wissens nicht. Allerdings drfte es naturwissenschaftliche Sammlungen gebe, jedoch unter einem anderen Fokus.

CW: Was hat das mit den "Staubtagebchern" auf sich, zu denen Sie auf Ihrer Homepage aufrufen? Wie muss man sich so ein Tagebuch vorstellen?

WS: Eine gute Frage. Ich muss gestehen, dass sich nur sehr wenige Menschen bereit erklren, ihr Putzverhalten offen zu legen. Ein vllig sperriges Forschungsgebiet, das an der Intimsphre der potentiellen Probanden seine Grenzen hat, leider... Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf, dass mir Menschen doch noch detailliert Auskunft darber geben, wann und wie sie putzen.

CW: Welche Putztypen lassen sich denn unterscheiden?

WS: Es gibt grob gesagt Systematiker und dann wieder sehr unregelmige Putzer. Es gibt Menschen, deren Bad muss sauber sein, der Rest bleibt ber Wochen ungeputzt. Andere nutzen den Khlschrank als Pilzzuchtstation... andere sind wahre Kliniker...

CW: Zeig' mir deine Abstellkammer und ich sag' dir, wer du bist. Seit 2011 erforschen Sie die Gre und den Inhalt von Besen- und Abstellkammern. Was sagen denn Abstellkammern ber uns aus? Auf welche Art von Ergebnissen kommen Sie bei dieser "Kleinraumstudie"?

WS: Die Besenkammer ist eines der letzten nicht "durchdesignten" Gelnde unserer Wohnungen. Jede Besenkammer folgt einem anderen Ordnungsprinzip. Es gibt da sehr ordentliche Exemplare und dann wieder wahre Germpelkammern. Das Wort Besenkammer ist im brigen nicht alt, es entstammt dem 20. Jahrhundert. Ich habe dazu geforscht und halte gerne Vortrge an Universitten, krzlich war ich beispielsweise an der KHM in Kln. Die Besenkammer ist dem Kofferraum vergleichbar, ein Kleinraum, der sich allgemein unserer Zensur entzieht. Hier finden Sie noch Gegenstandsediment, das sich fern von Ordnungswut ablagern darf. Wobei viele Besenkammern durchaus aufgerumte Orte sind.

CW: Was haben Sie fr Projekte fr die Zukunft geplant?

WS: Das wird nicht verraten. Nur so viel: Ich mchte Staub und Zeit in Korrelation setzen. Zur Zeit experimentiere ich deshalb mit unterschiedlichen Materialien und Medien.

CW: Eine letzte Frage zum Schluss. Wissen Sie woher die Redewendung "Sich aus dem Staub machen" stammt?

WS: Nein. Wissen Sie es?

CW: Der Ausdruck stammt aus der Zeit altertmlicher Schlachten, bei denen so viel Staub aufgewirbelt wurde, dass manch einer die Gelegenheit nutzte, um klammheimlich zu verduften.

WS: Muchas gracias para la informacin! Man lernt immer hinzu! Aber hiee es dann nicht besser "hinter den Staub"? Dann lge der Staub zwischen dem Flchtenden und der Armee... Staub wre somit auch - schne Erkenntnis - ein Friedensstifter!

Infos rund um das Archiv gibt es hier.


Artikel drucken