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In Deutschland wird der Umgang mit den eigenen Verbrechen whrend des Dritten Reichs und deren Verarbeitung grogeschrieben. Dieser eigentlich lobenswerte Ansatz erlebt dabei in Form von Doku-Dramen zunehmend Auswchse. Doku-Dramen sind eine Mischung aus Spielfilmen und Dokumentationen. Sie prsentieren die Geschichte aufgearbeitet und verlangen wenig Denkarbeit des Zuschauers. Hhepunkte der Dokumentationen sind in Spielszenen nachgestellt, oft zu Lasten der historischen Genauigkeit. Vergangenheitsbewltigung verkommt so zu Abendunterhaltung. Der Zuschauer kann bei Chips und Bier gemtlich den Russlandfeldzug Deutschlands oder das Staufenbergattentat verfolgen. Quizfragen sorgen dafr, dass die Spannungskurve auch in Werbepausen nicht abfllt.

Wird die Grenze zwischen Geschichte und Aktionsfilm fr den Zuschauer zu schwammig und sein rger darber zu gro, lohnt sich ein Besuch im NS-Dokumentationszentrum in Kln. Dort wird die Zeit des Nationalsozialismus anschaulich aber dennoch dem Thema entsprechend respekt- und anspruchsvoll darstellt. Im ehemaligen Gestapo-Hauptquartier hat die Stadt Kln sowohl eine Gedenkstdte als auch eine Ausstellung errichtet.
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Es geht auch anders

Der Besuch des Dokumentationszentrums beginnt im Keller, denn dort befindet sich in zwei Untergeschossen das ehemalige Untersuchungsgefngnis der Gestapo. Die Geschichte des Dritten Reichs ist dort noch fassbar. Gefngniszellen, jmmerliche Toiletten und Duschen zeugen von den vergangenen Zustnden. Besonders eindrucksvoll sind die von den Gefangenen in die Wnde eingelassenen Notizen und Zeichnungen. Sie sind zustzlich in den Fluren auf Tafeln vergrert, wenn ntig bersetzt und reichen von mutmachenden Parolen bis hin zu Klagen ber den bevorstehenden Tod. Im Kontrast zu den heruntergekommenen Zellen steht der Wachraum der Gestapo. Der verdunkelte Raum ist unmbiliert, renoviert und verbreitet eine friedlichere Atmosphre. In ihm werden die Namen der Gestapo-Opfer von Band verlesen.
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Aufarbeitung der Eindrcke

In den beiden Obergeschossen befindet sich eine Ausstellung ber den Nationalsozialismus. In den ehemaligen Brorumen der Gestapo ist das das Dritte Reich in 15 Themenblcke unterteilt . Die Ausstellung zeichnet die Geschichte Nazi-Deutschlands detailliert und durch Historiker aufgearbeitet nach. Beginnend mit dem Aufstieg rechten Gedankenguts und endend mit der bedingungslosen Kapitulation, setzt die Ausstellung einen Schwerpunkt auf die Ausgegrenzten und Verfolgten des Regimes und seiner Rassenpolitik. Neu fr viele Besucher drfte der Fokus auf Kln und die umliegende Region sein. In den Boden eingelassene Zeittafeln fhren den Besucher durch viele Ausstellungsrume. Die Ausstellung wird hierbei jedoch niemals zu textlastig. Wahl- und Propagandaplakate, Zeitungsartikel aus der Zeit, Quellenstcke wie beispielsweise Korrespondenzen wichtiger Nationalsozialisten, Filme oder Interviews bieten die ntige Abwechslung. Sie werden allerdings stets durch schriftliche Kommentare von Historikern erlutert.

Das NS-Dokumentationszentrum ist durchweg gelungen. Die Kombination aus anschaulicher Gedenksttte und aufarbeitender Ausstellung ist eindrucksvoll. Die Ausstellung ist sehr bildlastig und verstndlich aufbereitet, verliert dadurch aber kaum an Wissenschaftlichkeit. Sie kann daher beginnend bei Schulklassen von allen hheren Altersgruppengewinnbringend besucht werden. Die Masse an Informationen lsst sich allerdings kaum an einem Tag bewltigen. Wer auf keinen Ausstellungsraum verzichten will, sollte mehrere Besuchstage einplanen.

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