Klagen, wohin man sieht. Neulich ist Oma ausgerutscht, es hat geschneit. Der Gehweg war nicht gerumt, die Straen glatt. "Ein Unding!", schreit der Wutbrger. Dabei ist der klimaerwrmungserprobte Bonner ja viel gewohnt. 35 Grad von April bis Oktober sind ja inzwischen in unseren Breiten keine Seltenheit mehr. Wie wohlig sonnt sich da der kaltbltige Nordlnder, ist zugleich einerseits betroffen ber die Wasserknappheit in Sdeuropa, andererseits wundert er sich ber die Rckstndigkeit dieser Lnder, eine ausreichende Wasserversorgung herzustellen.

Auch im Winter ist er tunlichst betroffen, wenn Spanien wegen Schneefllen stillsteht, Autos in Grben rutschen und nichts mehr geht in diesem Land, das umgeben von salzigen Meeren und knapp an Wasser ist, zugleich aber kein Salz auf die Straen bekommt. "So etwas kann es ja bei uns nicht geben", denkt er sich. "Wir haben einen Winterdienst, eine ganze Armada an Schneerumern und genug Salz, um noch eine Schippe drauflegen zu knnen."

Er ist betroffen und schmunzelt eben zugleich ber die Art dieser Lnder, mit solchen Problemen umzugehen. Vergessen sind die stndigen Versptungen der deutschen Bahn, sobald irgendwo im Bundesnetz eine Flocke die Gleise berhrt.

Und falls es dann doch mal ungewhnlich heftig schneit und bei uns alles zusammenbricht, sogar Oma auf dem Gehsteig ausrutscht, die Autos im innerstdtischen Stau stecken, dann fngt das Geschrei an. "Mehr Winterdienst, mehr Schneerumer, mehr schippenbewehrte Fusoldaten, die doch geflligst rund um die Uhr die Gehwege freihalten sollten." Schlielich gab es frher solche Probleme nicht, da lief auch bei zwanzig Meter Neuschnee in der Stunde der Verkehr reibungslos.

Dass bonnorange derzeit kein Ruhmesblatt in der Geschichte der Schneebeseitigung abliefert, geschenkt. Dass nicht von zehn Rumern vier defekt sein sollten, klar. Dennoch muss man sich nach der Angemessenheit fragen: Kann man wirklich verlangen, dass es keine witterungsbedingten Behinderungen im Berufsverkehr gibt, der sowieso schon immer zhflssig luft? Bei einem Jahrhundertwintereinbruch?

Wer die vielen Minirempler auf der Strae erlebt hat, nach denen dann beide Unfallteilnehmer ausstiegen und munter lange diskutieren, whrend hinter ihnen die Schlange wuchs und die Straenbahnen warteten, wer die letzten sommerbereiften Idioten beobachten konnte, die schlingernd um die Ecke rutschen, der muss sich nicht nach einem Warum fr das Schneechaos fragen.

Sollte nicht jeder einmal vor der eigenen Tr schippen? Denn die Gehwege zu rumen, dass ist wahrlich nicht Sache der Stadt. Und wie oft man hier in den letzten Tagen auf das Glatteis gefhrt wurde, da mchte ich erst gar nicht anfangen. Sonst wrde Oma sicherlich nicht im Krankenhaus liegen. Ansonsten bleibt einfach nur etwas, was man von den Sdlndern lernen knnte: Stoische Gelassenheit, ein gutes Heigetrnk und die Aussicht, eben erst eine Stunde spter mit der Arbeit beginnen zu knnen.

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