Ganz Deutschland jammert ber den schwachen Euro. Ganz Deutschland? Nein. In Bonn sind alle glcklich und zufrieden. Denn dort zahlt man mit einer eigenen Whrung: dem Bnnschen Taler. Klingt so unwahrscheinlich wie die Rckkehr der Bundesregierung an den Rhein? Von wegen.

Der vermeintliche Wunschtraum ist woanders bereits Wirklichkeit: Im sdenglischen Bristol gibt es seit letztem Jahr ein eigenes Zahlungsmittel. Mit dem Bristol-Pfund kann man nicht nur in der Stadt einkaufen, sondern auch die Steuern bezahlen. Stadtangestellte erhalten auf Wunsch einen Teil ihres Gehalts in der neuen Whrung. Bristol ist das ambitionierteste Projekt. Insgesamt existieren in Europa aber bereits ber 100 regionale Alternativen zum Euro. Auch in Deutschland: Denn von dort stammt die Idee der Regionalwhrung. In Teilen Oberbayerns gibt es etwa seit 2003 den Chiemgauer. Insgesamt sind unter dem Schirm des Verbands der deutschen Regiogeld-Initiativen momentan 65 startende und aktive Initiativen versammelt.

Der Bnnsche Taler auf dem Vormarsch?

Anstze zu einem Regiogeld gibt es auch in Bonn lngst: Der Verein Bonn City-Marketing bietet einen Gutschein an, der dem Prinzip einer Regionalwhrung hnelt. Mittlerweile sind ber 50 innerstdtische Geschfte und kleine Unternehmen, die den Gutschein ausstellen und annehmen, an der Initiative beteiligt. Ist also dieser "BonnCity Taler" der erste Schritt auf dem Weg zur Alternativwhrung? "Grundstzlich sage ich dazu nicht nein", meint der Geschftsfhrer von Bonn City-Marketing, Ralf Job. In Hinblick auf die Umsetzbarkeit aber hat er groe Zweifel: "Fr Bonn als grere Stadt wre eine sehr umfangreiche Vorbereitung ntig. 80, 90, 100 Unternehmen wren erforderlich."



Wachstum durch Heimatprodukte

Obwohl die Attraktivitt der Idee in Zeiten der Krise zunimmt, kann auch der "groe Bruder" des CityTalers, das Regiogeld, den Euro noch nirgends ersetzen: Die vermeintliche Alternative ist nur ein zustzliches Zahlungsmittel. In der Regel gilt: ein Euro ist ein Regio. Und letzterer kommt meist nicht wie in Bristol als Geldschein, sondern als Gutschein vor. Was also ist der Sinn des Regios? Noch ist er vor allem ein Bildungsinstrument. "Wenn die Menschen hufiger den regionalen Kse kaufen als den Industriekse, dann werden regionale Unternehmen untersttzt", erlutert der Vorsitzende von Regiogeld e. V., Frank Jansky. Das schaffe Arbeitspltze vor Ort.

Auerdem biete der Regio einen Ansatz fr ein wirtschaftliches Grundproblem, das Horten von Geld: "Kapital horten ist kritisch fr die Wirtschaft. Wer Geld sammelt, sammelt Liegegebhren", wei der Vorsitzende von Regiogeld e. V. Um das zu verhindern, unterliegt das Regiogeld zumeist einer Umlaufsicherung. Konkret heit das: Um sicherzustellen, dass das Geld nicht gehortet, sondern investiert wird, verliert es stndig an Wert. Von der Volkswirtschaftslehre werden Sinn und Zweck dieses Verfahrens jedoch allgemein angezweifelt. Einerseits ist umstritten, ob Konsum wirklich besser als Sparen oder langfristiges Wachstum nur mit Sparen mglich ist. Andererseits ist die Umlaufsicherung eine Art von Bevormundung des Verbrauchers: Er kann nicht mehr selbst vllig frei entscheiden, ob er kauft oder spart.

Auch hat der regionale Charakter keinesfalls nur Vorteile. Denn viele Unternehmen kaufen Produkte aus anderen Regionen ein und verkaufen Produkte in andere Regionen. Gibt es den Regio als Alternativwhrung, braucht es deshalb Verrechnungsstellen fr den Whrungsaustausch. Aber das verursacht zustzliche Kosten. Oder anders gesagt: Auf alle in die Region importierten Waren muss eine Art Zoll aufgeschlagen werden. Das ist zwar im Sinne der regionalen Frderung, aber von der Wirtschaft nicht gewnscht. Wenig berraschend akzeptiert deshalb bislang kein Gro- oder Industrieunternehmen Regiogeld. Auch in Bristol kann man seinen Kaffee bei Starbucks weiterhin nur mit Pfund bezahlen nicht mit Bristol-Pfund

Knnte Bonn wirklich den Euro loswerden, wenn sich 100 Unternehmen fr den Bnnschen Taler finden? Die Antwort gibt es hier: Heimatliebe in Scheinen (2)

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