Den ersten Teil des Interviews mit dem Bonner Bierbrauer und sommelier Fritz Wlfing gibt es hier.

cw: Wann kommt die Bier-Revolution nach Deutschland?

FW: Das wird sich wahrscheinlich im nchsten Jahrzehnt auch hier ndern, das geht gar nicht anders. Die neue Braukultur muss ja erst mal bekannt werden.

cw: Zeit fr eine genauere Positionsbestimmung: Obergrig oder untergrig?

FW: Ganz klar obergrig. Obergriges Bier bietet die grte Geschmacksvielfalt, obergrige Biere sind komplexer.

"Der Brauer braut's, der Wirt versaut's."

cw: Flasche oder gezapft?

FW: Eigentlich vllig egal. Aber gezapftes Bier ist in diesem Land meist schlechter. Es heit ja nicht umsonst: Der Brauer braut's, der Wirt versaut's. Bei einer Flasche kann der Wirt wenig falsch machen auer er stellt sie in die pralle Sonne.

cw: Klsch oder Alt?

FW: Alt. Weil es dunkler ist, gibt es auf der Malzseite mehr Mglichkeiten. Auerdem sind Altbierbrauer zwar auch stockkonservativ, aber immer noch offener als Klsch-Brauer.

cw: Was haben Sie gegen Klsch?

FW: Der groe Nachteil von Klsch liegt darin, dass sich die Brauer im Klsch-Konvent in den 80er Jahren darauf geeinigt haben, dass Klsch nur hell, filtriert und hopfenbetont sein darf. Kombinationen sind nicht zulssig, so wird Einfalt festgeschrieben.

cw: Warum kam die Klsch-Konvention in dieser Form zustande?

FW: Vielleicht weil es in den 80ern war, die waren so oberflchlich.

"Der Klner trinkt Klsch, weil es eben Klsch ist."

cw: Aber ist Klsch nicht traditionell hell und filtriert?

FW: Nein, das ist nicht traditionell. Frher wurde dunkles, unfiltriertes Bier gebraut, vor allem in kleinen Brauereien. Hopfenbetont ist Klsch gar nicht, was eigentlich schade ist. Und Filtrieren ist meist schlechter fr den Geschmack, weil dabei Stoffe verloren gehen. Aber mit dem Konvent ist Klsch noch einmal eine kleine Welt innerhalb der deutschen Bierwelt. Das kann man auch ein Klsch-Kartell nennen: Klsch wird nicht getrunken, weil es so ein leckeres Bier ist. Der Klner trinkt Klsch, weil es eben Klsch ist aus politischen Grnden. Andere Kriterien spielen keine Rolle mehr.

cw: Aber sprechen die Wirtschaftszahlen nicht fr den Weg der Klsch-Brauereien?

FW: Ja, der Erfolg spricht fr das, was sie tun. Klsch-Aussto und Margen sind recht hoch, aus rein konomischen Gesichtspunkten machen die schon alles richtig. Aber Mc Donalds ist auch erfolgreich.

cw: Halten die Klsch-Brauer Sie fr einen Bierkommunisten, wenn Sie die Schwchen ansprechen?

FW: Die meisten werden um die Schwchen wissen, aber nichts ndern wollen oder knnen. Sonst wrden sie sich nicht so aufregen, wenn man diesen Punkt kritisiert. Grundstzlich ist es schwierig, die deutsche Braulandschaft zu kritisieren, weil das nicht als konstruktiv gesehen wird, sondern direkt als Angriff. So sind die Brauer oft auch untereinander.

"Im Grunde genommen ist Oettinger total ehrlich."

cw: Aber immer noch schlimmer als Klsch ist der Trabbi unter den Bieren: Oettinger.

FW: Im Grunde genommen ist Oettinger total ehrlich, die machen keinen Hehl daraus, billiges Bier rein nach konomischen, nicht geschmacklichen Mastben zu machen. Sie machen offen das, was alle anderen auch machen. Und dass Oettinger, das billigste und neutralste Bier, am erfolgreichsten ist, darin spiegelt sich die deutsche Situation.

cw: Sie brauen auch Ihr eigenes Bier: Fritzale. Was ist dabei der Fritz-Faktor?

FW: Ich versuche in Deutschland Biere zu brauen, die interessant und komplex schmecken. Fritzale ist dabei die Marke. Es wird immer neue Sorten geben. Im Ausland luft das schon ganz gut, in Deutschland nicht. Im Ausland stelle ich fest, dass die Leute sagen: "Endlich kommt mal einer aus Deutschland und macht komplexe Biere."

cw: Fritzale entsteht im Gypsy-Verfahren. Wie funktioniert das?

FW: Das Verfahren kommt aus Amerika: Ich gehe in andere Brauereien, miete mich da praktisch ein, um mein Bier zu brauen.

cw: Abschlieend eine Frage nach der Tiefe ihrer Passion: Schon mal von Bier getrumt?

FW: Ich glaube nicht, nee. Aber die Bier-Begeisterung geht supertief.

Wer unbedingt einmal komplexes Bier probieren mchte: Zur Homepage von Fritzale geht es hier.


Artikel drucken