Blick in den Bonner Hollister
   
Das ungewhnliche Marketing-Konzept aus den USA zieht nun auch die Bonner Jugend in ihre Filiale. Der Hollister-Store, der zum Modeunternehmen Abercrombie & Fitch gehrt, erffnete Ende Mai mit groem Show-Aufwand. Als Souvenir gab es ein Foto mit einem nur mit Badehose bekleideten mnnlichen Model fr schmachtende Blicke und freudestrahlende Augen bei den Mdchen war also gesorgt. Doch worin genau liegt der Zauber dieser Lden?

Eine Videoleinwand mit heran schwappenden Wellen lsst erahnen, dass sich die Kunden beim Betreten des Ladens auf unbekanntes Territorium begeben. Laute Musik und ein dezent blumiger, aber markanter Parfmduft empfangen mich. Gleich zu Anfang bietet sich die erste Gelegenheit zu einer Verschnaufpause. Bevor man auch nur ein Kleidungsstck prsentiert bekommt, warten zwei gemtliche Sessel auf den Kunden. Daneben liegt ein Stapel amerikanischer Zeitschriften. Wer hier der englischen Sprache nicht mchtig ist, befindet sich klar im Nachteil, denn schon einen Moment spter werde ich von einem gut aussehenden jungen Mdchen begrt. Alles an ihr ist Hollister, alles an ihr ist genormt. Perfekte Mae, ein aufgesetzt strahlendes Gesicht und ein knappes Kleid lassen sie in Hollister-Manier erscheinen. "Hey, what's up?" oder "Welcome to the pier" lauten ihre Standard-Begrungsformeln. Ich antworte mit einem Stirnrunzeln, kann meine Gesichtszge aber schnell wieder kontrollieren und suche den Anlegesteg. Aber er lsst sich nirgends erblicken. Vielleicht liegt es an den befremdlich abgedunkelten Verkaufsrumen, in denen nur die Kleidungsstcke effektvoll beleuchtet sind. Was die pltzlich einbrechende Dunkelheit mit Sonne, Strand und Meer zu tun haben soll, kann ich mir leider nicht erklren.

Wo bist du mein Sonnenlicht?

Dunkelheit ist bei Hollister Programm. Ich taste mich vorsichtig voran und versuche irgendeine Lichtquelle zu finden. Freudig nehme ich die beleuchteten Treppen zur Kenntnis. Beim Hinaufgehen verfolge ich mich selbst, denn ein Ganzkrperspiegel wirft jeden meiner Schritte zurck. Im oberen Stockwerk angekommen, erwarten mich abermals die altbekannten Sessel. In der riesigen Ladenhhle scheint der Kunde regelrecht verfolgt zu werden vom Konzept der Entspannung. Aus jeder Ecke schreit es mir frmlich entgegen und doch traut sich keiner diese Mglichkeit zu nutzen. Die Sessel bleiben leer, die englischsprachigen Zeitschriften unberhrt. Die Angestellten sind mit der Inneneinrichtung zu starren Sulen verwachsen. Sie bewegen sich nur vom Fleck, sobald man sich eines der Stcke genauer ansehen mchte. Das in anderen Lden oft minimal vorhandene "Hey, kann ich dir helfen" scheint hier Prioritt zu sein.

Denn der Kunde ist zwar Knig, aber die sorgsam arrangierte Ordnung des Hollister-Universums durcheinander bringen darf er nicht. Dabei dreht sich dies bestndig um sich selbst. Bei den "Dudes" lautet das Motto: Hauptsache Hollister, denn dick genhte Hollister -Logos springen einem von fast jedem Kleidungsstck ins Auge. In der "Bettys"-Abteilung im unteren Stockwerk warten dagegen knappe Kleider und enge T-Shirts auf kaufkrftige und schlanke Mdchen. Zwar wei ich nicht, ob ich diesen Idealen gerecht werden kann, aber ich brauche wirklich ein T-Shirt fr den Sommer und mchte einmal mit dem Trend gehen. Deshalb nutze ich den Schutz des Schattens und greife blitzschnell zu, als die Verkuferin gerade wegschaut. Jetzt nur noch schnell raus.

Flucht aus dem Modelabyrinth

Und pltzlich, nachdem ich mich langsam Schritt fr Schritt durch das Labyrinth voran getastet habe, um ja nicht zu stolpern, habe ich die Kasse gefunden. Geziert wird diese durch mehrere Surfbretter, die an der Wand hngen. Zu kaufen gibt es hier auch noch den Hollister-typischen Duft, als Lotion, Parfm oder Waschgel der Pier fr daheim. Doch von Urlaub am Meer habe ich vorerst genug. Nach dem Kauf haste ich gen Ausgang, ergreife die Flucht vor dem penetranten Geruch und der sich anbiedernden Verkaufsmasche. Vorbei an den Sesseln, den immerzu lchelnden sprlich gekleideten Models und der absoluten Reizberflutung. Dass ich dem Model noch verlegen zunicke, ist eher meiner guten Erziehung geschuldet, aber schon schmettert es mir noch ein "Check us out on Facebook" hinterher.

Drauen vor der Tr kneife ich geblendet von der Sonne die Augen zusammen und sauge mit einem tiefen Atemzug frische Bonner Stadtluft in meine Lungen. Dann ffne ich die Einkaufstte und erkenne erstmalig die tatschliche Farbe des neu erworbenen Kleidungsstcks.

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