Pnktlich zum Pfingstwochenende und der einsetzenden Sommerpause der Bonner Hallenbder wurde bei strahlendem Sonnenschein und 24 Grad die Freibadsaison in Bonn offiziell erffnet. Alle fnf Freibder drfen dieses Jahr aufmachen und prsentieren sich allesamt gewienert: Getrimmte Rasen, gereinigte Becken mit frischem Wasser und saubere Terrassen wohin man blickt. Doch der uere Schein trgt. Tatschlich befinden sich die Bder Bonns in einer wirtschaftlichen Krise. So fragt sich womglich manch einer, ob er dieses Jahr vielleicht zum letzten Mal in seinem Lieblingsbad ausspannen kann.

Dabei erstellte die Gutachterin Kim Adam vor zwei Monaten ein Bdergutachten mit Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Empfehlungen an die Stadt Bonn und die Politik, dessen Konzept sich deutlich fr den Erhalt aller Freibder ausspricht. Doch dieses Ergebnis passe der Stadt nicht, die nur ein Bad pro Stadtteil akzeptiere, bemngelt Jrgen Broich, der Vorsitzende des Vereins Unser Melbbad e.V., gegenber campus-web. Er kritisiert das Vorgehen des Bderamtes, das eine Hamburger Gutachterin hinzuzog, 60.000 Euro dafr ausgab und sich nun nicht an die Empfehlungen hlt. "Man htte auch gleich einen Spezialisten der Stadt Bonn damit beauftragen knnen", tadelt Broich.

Freibdern droht aus Kostengrnden die Schlieung

Das erst vor drei Jahren neu sanierte Melbbad, welches im August sein 60. Jubilum feiert, ist durch seine Lage am Hang des Venusbergs besonders bei Studenten beliebt. Allseits bekannt sind hier der Affenhgel und die Rolexwiese, auf der auch schon zwei Playmates entdeckt wurden. Traditionsgem begrte der Vereinsvorstand des Melbbades seine Besucher zum Beginn der Freibadsaison mit einem Sektempfang.

Trotz des schleppend verlaufenden Erffnungstages rechne man sptestens ab nchster Woche mit circa 6000 Badegsten pro Tag, so Broich. Obwohl das Bad von den Brgern gut angenommen wird, ist es wie die anderen Bder auch von einer mglichen Schlieung bedroht. Der Vereinsvorsitzende versichert aber, dass man sich dagegen zur Wehr setze, und sich schon 90 Sportvereine mit ber 60.000 Mitgliedern zusammengeschlossen haben.

Die ungerechte Verteilung der freiwilligen Mittel der Stadt Bonn auf die Bereiche Kultur und Sport sei in der starken Lobby der Kultur begrndet, fhrt der Vorsitzendes des Melbbad-Frdervereins im Gesprch mit campus-web aus. Aufgrund dessen wrden dringend bentigte Investitionsgelder fr die Badeanstalten fehlen. Auerdem gibt es bei der Stadtverwaltung nur einen einzigen Dezernenten, der fr Sport und Bder sowie Kunst und Kultur gleichermaen zustndig ist. Deshalb frchtet Broich, dass der erstgenannte Bereich benachteiligt werde.

Die Freibder im berblick

Schn gelegen am Fue des Siebengebirges, findet man das Ennertbad, das mit einer Strandbar und der neu gestalteten Wandbemalung am Hauptgebude Karibikflair versprht. Darber hinaus bietet eine groe Liegewiese viel Platz zum Entspannen. "Seit dem Umbau ist es viel gemtlicher und schner geworden", urteilt ein lterer Herr, der seit Jahren hierher kommt. Lediglich die zu kurzen ffnungszeiten seien zu bemngeln.

Das kleinste Freibad Bonns ist das "Friesi". Es eignet sich hervorragend fr Familien mit Kleinkindern, da die Schwimmbecken und Spielgerte, sowie das gesamte Gelnde bersichtlich, kindergerecht und leicht berschaubar sind. Hauptschlich wird es von Friesdorfern genutzt, die den "Swimmingpool ihrer Gemeinde" gerne untersttzen und um deren Erhalt kmpfen.

Einen tollen Ausblick garantiert das Rngsdorfer Panoramabad in Bad Godesberg. Vom Sportbecken aus blickt man direkt auf das Siebengebirge und fhlt sich beinahe wie auf dem Deck eines Kreuzfahrtschiffes. Ein weiteres Highlight ist der ellipsenfrmige Sprungturm, der nachts beleuchtet wird und als Wahrzeichen des Freibades gilt.

Das Rmerbad ist Bonns ltestes Freibad und punktet mit einem in Bonn einmaligen Wellenbecken. Es liegt direkt am Rhein und ist auch verkehrsgnstig zu erreichen. Wie sonst nur das Panoramabad, bietet es auch einen 10m-Sprungturm.

Kein Platz fr Schwimmsport?

Die Mehrzahl der Schwimmbegeisterten whlt ihr Freibad aber nach dem Standort oder nach Gewohnheit aus. Mglicherweise ist das der Grund, weshalb erst gar kein Geld in Werbung fr die Bder investiert wird. Trotzdem hoffen Bonns Wasserratten und Schwimmsportler, dass in Zukunft in ihrer Stadt vor lauter Kultur auch noch Platz ist fr eine Badekultur.






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