Jedes Jahr aufs Neue nutzen Rechtsextreme den Tag der Arbeit fr Demonstrationen und Aufmrsche. Jedes Jahr aufs Neue versammeln sich Tausende, um gegen die Neonazis zu protestieren. Jedes Jahr aufs Neue scheinen Protestaktionen und Gegendemonstrationen irgendwie nichts zu bringen. Parteifreunde, Brger und Autonome sind zwar an jenem Sonntagvormittag in Beuel grundlegend einer Meinung. Aber wirklich verhindern knnen sie den Aufmarsch nicht. Schade eigentlich, denn Potenzial war da.

Erfolgreiche Mobilisierung

Selten sieht man in einer Stadt so viel Protest vor einer Neo-Nazidemo wie in den letzten Tagen hier in Bonn. Flyer, Aufkleber, Plakate, Menschen die einen auf der Strae direkt ansprechen und Radio und Zeitungsbeitrge rufen zum Widerstand auf. Alle sind wir Beueler an dem Tag, an denen die Rechtsextreme marschieren wollen. Erwartungsvoll geht der Brger also zur Gegendemonstration oder zu den Mahnwachen an diesem sonnigen ersten Mai. An dem Vormittag htte man auch nett im Vorgarten grillen knnen oder mit einem Bollerwagen besoffen durch die Wlder ziehen knnen. Doch tausende Bonner Brger entschieden, sich den Nazis in den Weg zu stellen.

Widerstand bis der Zug ruft

Doch als es wirklich losgeht, ergibt sich das bliche Bild. Ernsthafte Gegner des Ganzen werden von der Polizei und deren Hilfsmitteln vertrieben. Die Neonazis mssen zwar warten, nach Hause fahren sie aber nicht. Nach der ersten Runde verflacht der Protest. "Nazis Raus"-Rufe, hallen durch die Straen, als die Rechtsextremen ihren Weg gehen. Ja aber wohin mit den Neonazis? Raus? Und dann? In eine andere Stadt oder doch besser gleich auf eine Insel, irgendwo im Nirgendwo? Noch nie habe ich diese Parole verstanden. Nett: Brger stehen am Balkon halten Transparente hoch. Nett: man bertnt die ekelhaften Reden mit Trillerpfeifen und Geschrei. Vor mir stehen vier Jugendliche, komplett vermummt, komplett in Schwarz. Die ganze Zeit reden sie darber gleich loszurennen und die Rechtsextremen aufzumischen. Es passiert jedoch nichts. Stattdessen gehen die "Anti-Faschisten" frh nach Hause, weil sie ihren Zug kriegen mssen.

Deutsche Polizisten schtzen wen oder was?

Ist der Brgerprotest also sinnlos? Htten Stefan Spieer und Anton Antifaschist lieber vor der Glotze bleiben sollen? Nein. Jeder, der an diesem Tag mit auf die Strae gegangen ist und sich dem Aufmarsch der Rechten in den Weg stellte, verdient Respekt. Denn er hat das Richtige getan. Nur frage ich mich jedes Jahr erneut: Was bringt mir das? Autonome Gruppen sind stets uneins und desorganisiert. Und die grten Steine in den Weg des Protests legen diejenigen, die unsere freiheitliche Demokratie schtzen sollten: die Polizei. Und zwar jedes Jahr aufs Neue.

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