Das Caf Midi ist berfllt. Kurzfristig muss die FDP umplanen und die Veranstaltung nach drauen verlegen. Geschtzte 150 interessierte Bonner sind zum politischen Frhschoppen gekommen. Eine Handvoll trgt ein Anti-Atomkraft Plakat mit der Aufschrift "Rttgen, Rsler, Merkel - Totengrber der Energiewende". Mit dem Ex-Parteivorsitzenden Guido Westerwelle und dem aktuellen FDP-Chef Philipp Rsler im Schlepptau von NRW-Spitzenkandidat Christian Lindner bietet die liberale Partei alles auf, um aus den desolaten Wahlergebnissen herauszukommen.

Ein Hauch von Friedrich dem Groen

Als Erstes tritt Auenminister Guido Westerwelle vor die Mikrofone. "Jeder soll nach seiner Faon selig werden", widmet er sich dem Thema Freiheit und zitiert damit den ehemaligen preuischen Knig Friedrich den Zweiten. Auch msse Bildung und Forschung gefrdert werden, da der "Grips der Deutschen" die "einzige Ressource" sei. Schnell rckt Westerwelle aber die Schuldenpolitik in den Fokus. Man msse raus aus den Schulden, da man auf Dauer nicht mehr ausgeben knne, als eingenommen werde. Von Steuersenkungen ist dabei nichts mehr zu hren.

Westerwelle lobt die Entwicklung des Arbeitsmarkts und greift die rot-grne Vorgngerregierung unter Schrder und Fischer an, die eine hhere Arbeitslosenquote hatten: "Wir knnen da auch mal stolz drauf sein". Dabei dankt er vor allem dem Mittelstand. Das Publikum honoriert den Schulterklopfer mit Applaus. Sogleich bekommen auch die Piraten ihr Fett weg: "Wer den Schutz des geistigen Eigentums in Frage stellt, sorgt fr kulturelle Verarmung."

Giftpfeile gegen Piraten und Rot-Grn

Christian Lindner bernimmt und ergnzt, dass ihn Plakate mit Welpen-Fotos verwirren. Ein weiterer Seitenhieb gegen die Konkurrenz der Piratenpartei. berhaupt sei ihm der bisherige Wahlkampf viel zu unpolitisch: "Wir wollen ber Themen reden, nicht ber Schnickschnack." Lindner schiet um sich. Seine Pfeile treffen Sigmar Gabriel und vor allem die Grnen.

Gabriel renne von Talkshow zu Talkshow, in denen er die Finanzwelt geiele. In Wahrheit seien aber die Schulden das Hauptproblem: "Wir brauchen einen gesunden Staat." Nur so knne man sich von der Abhngigkeit der Finanzwelt lsen. Die Grnen wiederum irrten sich, wenn sie hhere Steuern verlangten. Schlielich habe NRW Rekordeinnahmen. Rote und Grne knnten nicht genug Geld haben, "als dass sie damit auskommen."

Widersprchlich

Mit Blick auf den Bund klingen die Aussagen gegen die Schuldenpolitik seltsam. Schlielich nimmt die Bundesregierung ebenfalls, trotz Rekordeinnahmen, neue Schulden auf. Amsanterweise kommt hinzu, dass die NWR-FDP nun einen Kredit aufnehmen musste, um den Wahlkampf zu finanzieren. Wie hoch dieser Kredit ist, will die Partei nicht verraten. Ob diese Rechnung nach den zuletzt schlechten Wahlergebnissen aufgeht, ist mehr als fraglich.

Auch in der Energiepolitik machte die FDP letztes Jahr eine 180-Grad-Wende. Aber Bundeswirtschaftsminister Rsler gibt sich bei seiner Rede in der Bonner Innenstadt selbstbewusst. Er streckt sich, um den Blick mit den Plakattrgern zu suchen. Mit einem sffisanten Lcheln entgegnet er den Anti-Atomkraft-Gegnern, dass er sie als Untersttzung verstehe. Die FDP habe die Energiewende ja schlielich geschaffen. Auf diese provozierende Aussage kontert ein wtender Zuschauer: "Geh in die Asse!"

Was den Wahlausgang angeht, ist Rsler zuversichtlich. Die Leute wrden sich schlielich nicht entscheiden, nachdem sie alle Wahlprogramme gelesen htten, sondern fr sympathische Kandidaten. Ob er sich der Ironie dieser These bewusst ist, bleibt unklar.


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