Endlich ist es soweit. Knig Karneval bernimmt fr sechs Tage die Herrschaft im Rheinland. berall Verkleidungen, Umzge und gute Laune. Oder doch nicht? Hier schreiben unsere Redakteure, warum fr sie Karneval die beste Jahreszeit ist oder warum sie noch morgen frh in den Flieger steigen werden.








"Egal ob 'Alaaf' oder 'Helau' hauptsache es gibt genug Ses"

Andrea Bresch, freie Mitarbeiterin: Kamele, Kamele! Guck mal Papa, es regnet Sigkeiten!, schrie ein als Piratin verkleidetes kleines Mdchen vor vielen Jahren an Karneval. Mit dieser falschen Aussage werde ich noch immer von meiner Familie aufgezogen. Anscheinend schien mir damals schon Karneval in den Genen zu liegen, was vielleicht auch daran liegt, dass ich in Kln, der Karnevalshochburg schlechthin aufgewaschen bin. Heute bin ich immer noch ein groer Karnevalsjeck und wei natrlich auch, dass es Kamelle heit und nicht Kamele. An Karneval schtze ich besonders die Offenheit der Jecken und auch ihre Lebensfreude. Ich persnlich sehe Karneval als eine Mglichkeit, den Alltagsstress hinter mir zu lassen und mit einer Vielzahl von verkleideten Leuten die fnfte Jahreszeit zu zelebrieren. Kritisieren an Karneval kann ich nur eine Sache und zwar, dass Karneval von Jugendlichen immer hufiger falsch interpretiert wird und sie Karneval nur als Ausrede benutzen. In diesem Sinne allen Jecken ein herzliches Klle Alaaf!

Meike Altevolmer, Redakteurin: Helauuuh, alaaf! Na, da htt ich mir wahrscheinlich einige bse Blicke eingefangen und wohlmglich eine Flasche Klsch an den Kopf bekommen. Aber so etwas muss man einem Dorfkind aus Niedersachsen wie mir doch auch sagen. Bei uns interessiert es nmlich niemanden, ob nun Alaaf oder Helau gerufen wird. Hauptsache es gibt genug Ses. Und Ses ist ein dehnbarer Begriff, im buerlichen Emsland darf's auch gern Apfelschnaps sein. Ich werde mich der rheinischen Kultur gerne fgen, da ich mit dem Karneval gro geworden bin, wenn auch im Vergleich zu Klle in einer abgeschwchten Form. Ich war schon leicht irritiert als Einheimische mir berichteten, von Altweiber bis Rosenmontag sei hier Ausnahmezustand. Bei uns auf dem Land gibt es einen kleinen Umzug und das war's. Ich bin also hchst gespannt auf den rheinlndischen Kostmmarathon, der mich wahrscheinlich mit all seinen Facetten mitreien wird. Nur noch ein kurzer Check, ob das Laserschwert noch funktioniert und der Jedi Umhang richtig sitzt, und dann auf ins Getmmel





Kotzen, Kloppen, Karneval


Michael Herth, Redakteur: Als Neu-Rheinlnder fllt es schwer, dem gebrtigen die Nachricht zu berbringen: Nein, ich feier kein Karneval.
Die Frage ist nicht, warum ich KEIN Karneval feier. Die Frage ist: Warum verdammt nochmal soll ich Karneval feiern?
Ich sehe einfach keinen Sinn darin, in lcherlichen Kostmen ber die Strae zu ziehen und alte, harte Sigkeiten von Verrckten zu fangen. Warum muss man sich bestimmte Tage im Jahr aussuchen, an denen man sich malos betrinkt? Brauch der Mensch wirklich immer einen Grund zum Alkoholexzess? An jedem Karnevalstag herrscht das gleiche Bild: Kotzende, sich prgelnde, wild miteinander Fortpflanzung betreibende Menschen auf einem Fleck. Dazu hrt man mittelmige Musik mit komischer Sprache. Und zum Schluss noch alles in diesen albernen Kostmen.
OHNE MICH

David Gillengerten, Chefredakteur: Karneval, vom italienischen carneval, gehrt zu den traditionsreichsten Festen in unserem Breitengrad. Zu seinem religisen Charakter hat der Karneval im Laufe der Zeit noch eine Vielzahl weiterer Facetten z.B. die politische Prgung hinzugewonnen. Jedoch merke ich von all dem nichts, wenn ich Rosenmontag in Kln stehe. Klar, es gibt Umzge mit verballhornenden Wagengestaltungen. Aber dafr interessiert sich doch niemand. Wichtiger sind Kamelle und Strje. Oder Alkohol und das andere Geschlecht. Warum gerade an Karneval der Anstand in den Urlaub geschickt wird, erklrt sich mir nicht. Muss man sich gerade an diesen sechs Tagen wie die Axt im Walde benehmen? Sind Hemmungen an der Garderobe abzugeben?
Ich feiere Karneval wie jedes Jahr: mit Ruhe und Entspannung bei mir Zuhause. Keine Karnevalsmusik, keine Verkleidung, kein Umzug. kein Stress.

Tim Niendorf, freier Mitarbeiter: Bei klirrender Klte in einem berteuerten Kostm mit dnnem Stoff herumzulaufen kann man machen. Muss man aber nicht. Auch wenn Jeckenmusik ein Mal im Jahr durchaus fr Feierstimmung sorgen kann, feier ich Karneval nicht.

Niklas Max, Redakteur: Karneval.Die sechs Tage, an denen der Anzug gegen ein witziges Kostm getauscht wird, an denen der Spieer, der sonst ber die Jugendliche in der Bahn der Kopf schttelt, zum wilden Tier wird.Einmal im Jahr darf man das.Was mich viel mehr strt, ist die obligatorische Vorfreude, die schon Wochen vorher gepusht wird und die sich anscheinend bis in die Ekstase steigern muss.Dann lieber Karneval das ganze Jahr, in kleinen Dosen.Und ohne Verkleidung!Dennoch werde ich mich auch dieses Mal aufraffen, mich wenigstens an einem Tag in den Trubel strzen und wiejedes Jahrdaraufwarten, dass ich das finde, was an Karneval fasziniert.Wnscht mir Glck, vielleicht steht mein Text dann nchstes Jahr auf der anderenSeite...




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