Wieso ziehst du denn von Hamburg nach Kln? Das fragt mich jeder Klner, der erfhrt, dass ich aus der Hansestadt komme. Genau die gleiche Frage stellt jeder Hamburger. Wir sind sehr stolz auf unsere Stadt und wegziehen kommt eigentlich nicht in Frage. Wenn dann hchstens nach Niedersachsen. Denn hinter Hannover fngt fr uns schon Sddeutschland an und da will ja keiner hin.

Joa, Hamburg ist schon cool, wollte ich schon immer mal hin, kommt dann als nchstes. Sie ist die zweitgrte Stadt Deutschlands. Hat den drittgrten Hafen Europas, hat die Reeperbahn und gilt in aller Munde als besonders schne Stadt. Nicht zuletzt weil es dort auch noch grn ist trotz der vielen Gebude, in denen man was erleben kann. Allen voran ist es aber das gute Image, was Hamburg schon ganz cool macht.

Das Image von Kln dagegen beschrnkt sich auf eine groe schwarze Kirche, Klsch und Karneval. Als Klner Stereotypen hat man dann Henning Krautmacher vor Augen. Und einen knstlich gebrunten Jugendlichen mit Glitzerohrring und Ed Hardy-Shirt. Ich wohne nun ber ein Jahr hier, htte ich jedes Mal 50 Cent bekommen, wenn ich einem dieser Stereotypen begegnet bin, knnte ich mir immer noch keinen Dner davon leisten. Obwohl die hier meistens billiger sind als in Hamburg.

So ganz komme ich aber auch nicht ohne die Stereotypen aus. Es ist natrlich gewagt, sich auf die gngigen Klischees und Pauschalurteile einzulassen. Die verschlossenen, khlen Nordlichter und die gelassenen, freundlichen Rheinlnder. Ich traue mich trotzdem mal, das zu besttigen. Man lernt hier auf einen Schlag verdammt viele Leute kennen, auch als verschlossener Hamburger. Die sind dann meistens auch noch nett. Der Klner kann natrlich genauso gut meckern, wie jeder andere Deutsche auch. Tendenziell nehme ich hier die Stimmung allerdings freundlicher und gelassener wahr. Feiern kann man mit beiden Vlkern aber gleichermaen. In Hamburg liegt man sich beim Feiern auch in den Armen. In Kln auch in den Haaren. Beides Dinge, die auf Partys ab und zu mal passieren.

Niemand hat mich auerdem gezwungen, Karneval zu feiern. Ich htte mich dem durchaus auch entziehen knnen, habe mich aber anders entschieden und es war eine schne Erfahrung. Viele denken es sei ein riesiges Aufkommen betrunkener, verkleideter Menschen. Dabei laufen in jedem Club und in jeder Bar ausschlielich Klsche Tn'. Und genau so ist es auch! Diese betrunkenen und verkleideten Menschen haben dazu aber verdammt viel Spa. Und an meinem ersten 11.11. habe ich mich besonders ber das kleine Polizeiaufgebot gewundert, als ber alkoholisierte Karnevalisten. Die Musik war auch mit der Zeit immer weniger strend. Irgendwann fand ich mich dann schunkelnd in einer Bar wieder, die ich weder vorher noch nachher jemals wieder gesehen habe.

Zugegeben: Besonders schn finde ich Kln nicht, rein optisch kann die Stadt nicht mit Hamburg mithalten. Hamburg hat schnere Altbauten, die alternativen Viertel wie Altona oder die Schanze. Alles etwas, das ich in Kln vermisse. Im Flussvergleich gewinnt auch die Elbe. Obwohl oder vielleicht auch weil man nicht so oft drber fhrt, wie in Kln. Es ist allerdings sehr entspannend, dass es hier um einiges kleiner ist und man trotzdem auf nichts verzichten muss. Hier ist genau so viel los, auch wenn Kln keine Reeperbahn hat und nicht die offensichtlichen Touristenattraktionen. Denn das ist der Punkt: Wenn ich Besuch aus Hamburg bekomme, halte ich eine Dombesichtigung fr berflssig. Viel lieber zeige ich ihnen das Caf Storch am Rudolfplatz oder das Metronom am Barbarossaplatz. Und wenn die Besucher keinen Jazz mgen, zeige ich ihnen das Trash Chic in Kalk. Es sind die kleinen Dinge, die man hier erstmal finden muss. Wobei die nchste Station Ehrenfeld auch kein Geheimtipp ist.

Wenn die Besucher Glck haben, steht dort gerade eine der beliebten Party-Reihen an. Soul City, Get Addicted, Liebemachen oder sogar Liebemachen MEETS Get Addicted! Dort wird dafr gesorgt, einem jedes Mal in wechselnden Clubs etwas Neues zu bieten. Exklusive Live Auftritte, Motto Partys oder es werden einfach zwei Clubs zu einem. Das gibt es natrlich auch in Hamburg. Die kleinen, unbekannten Attraktionen und die Ausnahmepartys. Aber Anlaufpunkt Nummer eins ist dann doch meistens der Kiez. Das liegt ganz offensichtlich auf der Hand, da ist es jedes Wochenende voll. Da luft dann aber in den meisten Fllen auch jede Woche das gleiche. Jeden dritten Freitag im Monat gibt es dann ein Gewinnspiel oder ein bisschen Abwechslung in der Playlist.

Meine eigentlichen Grnde fr den Stadtwechsel mgen jetzt eher blass daherkommen. Der Aufbau des Studiums der Musikwissenschaft hat mich hier mehr gereizt. Auerdem wollte ich nach 19 Jahren in einer Stadt einfach mal eine andere erleben. Und das kann ich jedem nur empfehlen auch allen Hamburgern. Wie wir wissen, wird unsere Stadt auch das Tor zur Welt genannt. Dann sollte man wirklich mal anfangen, diese zu erforschen! Kln ist aus meinen Erfahrungen ein guter Start fr solch einen Blick ber den Tellerrand. Dabei muss man auf nicht viel verzichten. Man bekommt auch noch ein bisschen mehr Sonne ab und die sonnigen Gemter sind ansteckend. Zwar wird jeder dabei seine eigenen Erfahrungen machen. Ob gut oder schlecht, die hat man dann aber in keinem Fall umsonst gemacht. Das kann ich euch versichern.

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