Die Mieter der Turmstrae 12 und 14 sollen ihre Wohnungen aufgeben. Der Grund: Die VEBOWAG (Vereinigte Bonner Wohnungsbau AG) mchte ihre Immobilien durch Neubauten fr Besserverdienende ersetzen. Um nicht kampflos aufgeben zu mssen, grndeten die jetzigen Bewohner die Initiative Brgerschrei und bieten dem Vorhaben der VEBOWAG seither Seite an Seite die Stirn. Stellvertretend fr die Gemeinschaft hat Guido Mller uns einige Fragen beantwortet.


cw: Wie kam es zur Grndung der Initiative Brgerschrei und wie sieht diese konkret aus?

Nach der mndlichen Kndigung durch die VEBOWAG im Juli herrschte bei uns in der Turmstrae 12 + 14 Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit vor. Jeder suchte zunchst nach einer individuellen Lsung, die aber bei jedem negativ endete. Nach vielen schlaflosen Nchten und weiteren Drohungen seitens der VEBOWAG beschlossen wir uns nicht weiter vertreiben zu lassen. Wir gingen in die kostenlose, ehrenamtliche Sozialsprechstunde Bernhard von Grnbergs in das Alte Rathaus Bonn, Schwerpunkt Mietrecht, die einmal im Monat jeden Donnerstag um 18 Uhr stattfindet.

Herr von Grnberg stand uns sofort mit konkretem juristischem Rat zur Seite, was uns ermutigte und unsere Tatkraft nachhaltig strkte. Wir lernten auch andere Brgerinitiativen-Kmpfer kennen. Diese vermittelten uns ihre Erfahrung ber die Belastung und das ntige Durchhaltevermgen.

Danach setzten wir uns zusammen, tauschten Erfahrungen aus, beratschlagten uns, beschlossen uns nur noch gemeinsam zu wehren. Dabei half uns zu guter Letzt auch noch ein Freund, indem er unsere Webseite erstellte. Ein passender Name wurde gesucht: Brgerschrei bot den Vorteil von nur zehn Eintrgen in den Suchmaschinen des Web. Die Initiative Brgerschrei besteht aus den Mietparteien der beiden Huser in der Turmstrae 12 + 14 und aus Freunden. Inzwischen gibt es noch eine Vielzahl von Sympathisanten.

cw: Bezieht sich ihre Arbeit ausschlielich auf die Problemsituation Turmstrae 12 und 14 oder knnen sich auch andere Brger an Sie wenden?

Zunchst war unsere Mieterinitiative Brgerschrei eine lokale Aktion, die auf die Mieterprobleme mit der VEBOWAG in der Turmstrae aufmerksam machen wollte. Durch die ffentlichkeitsarbeit sind jedoch auch andere Brgerinnen und Brger an uns herangetreten, die ebenfalls mit der VEBOWAG Probleme haben. So erfuhren wir von dem Abrissvorhaben in der Wurzer- und Viktoriastrae.
Die Kndigungsmethoden der VEBOWAG hnelten denen in der Turmstr. 12 und 14, und wir waren schockiert ber die menschenverachtende Vorgehensweise.

Auch in Wachtberg-Niederbachem gibt es Probleme mit der VEBOWAG und deren Baupolitik. Die Brger dort wandten sich solidarisch an uns. Der Kontakt zu den Betroffenen strkt das eigene Selbstbewusstsein, und zeigt der ffentlichkeit dass es sich in der Turmstrae nicht um einen Einzelfall handelt.

cw: Seit wann und mit welchen Mitteln kmpfen Sie gegen die durch die VEBOWAG erzeugten Missstnde?

Im September beschlossen wir uns zu wehren und auf unsere Situation aufmerksam zu machen. Wir fhrten seitdem viele Gesprche mit Brgerinnen und Brgern, Aufsichtsratsmitgliedern der VEBOWAG, sowie Politikern, schrieben Flugbltter, verteilten Unterschriftenlisten, malten Plakate und Transparente, drehten Videos und entwarfen die Webseite buergerschrei.de.
Wir Mieter haben individuell gute Talente und Ressourcen und ergnzen uns sehr gut in der Zusammenarbeit.
Wir wurden schon bald von verschiedensten Medien aktiv kontaktiert und untersttzt: Durch all diese Aktionen und die offensichtliche Ungerechtigkeit konnten wir die Printmedien, das Fernsehen (ZDF, WDR) und den Rundfunk (Radio Bonn-Rhein-Sieg) mobilisieren, und erreichten, dass die VEBOWAG uns nicht mehr einfach verdrngen kann.

cw: Wie wrden Sie die bisher erbrachten Ergebnisse Ihrer Arbeit einschtzen?

Wir haben in den letzten vier Monaten die ffentlichkeit wachgerttelt und in der Bezirksvertretung am 3.11. haben sich alle Parteien fr weitere Gesprche zwischen der VEBOWAG, Oberbrgermeister Nimptsch und den Mietern ausgesprochen. Leider ist es bislang nicht zu deren Realisierung gekommen.

Wir danken zuallererst den mehr als 1000 Brgerinnen und Brgern, die uns in der kurzen Zeit mit ihrer Unterschrift auf buergerschrei.de oder per Infobltterunterschrift untersttzt haben!
Wir danken Herrn von Grnberg durch seine fachkompetente konsequente Untersttzung in smtlichen Medien und seine besondere menschliche Haltung!
Wir danken allen Mitmenschen und Politikern, die sich ernsthaft empathisch fr uns ausgesprochen und engagiert haben.

cw: Was ist das Ziel der Initiative, was Ihre Hoffnungen fr das neue Jahr?

Wir appellieren an die Verantwortlichen der VEBOWAG, der Stadt Bonn und an die Politiker Bad Godesbergs das Abrissvorhaben in der Turmstrae aufzugeben, um ein vorbildliches Mehrgenerationenleben zu erhalten und einer zunehmenden Gettoisierung in Plittersdorf entgegenzuwirken!

Wir wnschen uns, zuknftig weiterhin ungestrt in der Turmstrrae 12 + 14 leben zu drfen.
Leider stehen derzeit 3 Wohnungen leer und wir wnschen uns die baldige Vermietung durch die Vebowag. Es ist nicht einzusehen, weshalb dringend bentigter Wohnraum nicht wieder vermietet wird.



Artikel drucken