Freitag, 17. Dezember. Es ist 7 Uhr in der Nhe von Kln. Ziel ist Hamburg. Laut Routenplaner liegen etwa 470 Kilometer Strecke vor uns, mit einer Fahrtzeit von 4 Stunden, dreiig Minuten. Ankunft soll sptestens um 15 Uhr sein. Gengend Puffer, dreieinhalb Stunden, sind also eingeplant. Auch die absehbaren Staus sollten kein Problem darstellen.

Sie tauchen auch sofort auf. Hrth Gleuel, zhflssiger Verkehr auf gerumten Autobahnen. Mit 45 km/h zuckelt man gemchlich vor sich hin, bis kurz nach Frechen. Weiter geht es ber die A1 nahe Longerich in den nchsten Stau. Wir fahren links um Kln, die A4 hatte sich bereits in einen Dauerparkplatz verwandelt, die A3 auch. Kaum Schneller, zum Teil mit Stop and Go, geht es bei Klns Dauertunnelbaustelle (Fertigstellung 2012, Bauzeit gefhlte zehn Jahre). Aber die Straen sind wenigstens gestreut und gesubert. Nur die bliche Baustelle strt, zudem schwenkt die A4 noch ein. Es ist der "Guten Morgen-Verkehr um Kln, erwartungsgem und vorhersehbar. Inzwischen zeigt die Uhr 8.30. Viele Brummis sind auf der Strae, das LKW-Fahrverbot ist erst vor wenigen Stunden aufgehoben worden.

Die bisherigen Staus waren nicht einmal angekndigt, als wir unsere Reise starteten. Bei Leverkusen hat sich die Lage etwas geklrt, gemtlich geht es nun weiter bis in die Nhe von Wuppertal.


Katastrophengebiet Wuppertal

"Zwischen Wuppertal-Ronsdorf und Wuppertal-Langerfeld 10 Kilometer Stau durch Auffahrunflle und ungesicherte Unfallstellen Vorsicht, die Straen sind glatt. Wann begreift ihr das endlich ... Der WDR2 Sprecher ist sichtlich genervt ob seiner stndigen Meldungen. Unbeteiligte knnten jetzt denken, jaja, die Raser, die unangepasst gegeneinander fahren. Aber in der Realitt ist alles anders.


Schneebehngte Berge, Baumwipfel Wuppertal hat viel zu bieten, selbst wenn man Autobahn fhrt. Vertrumt mssen wohl auch die Straenrumfahrzeuge gewesen, denn die A1 Richtung Dortmund ist nicht gerumt worden. Kein bisschen. Zum Teil sind alle drei Fahrspuren von 20 Zentimeter Schnee bedeckt zehn Stunden, nachdem es aufgehrt hatte zu schneien..
Zehn Stunden hatte die Autobahnmeisterei Zeit, den Schnee beiseitezuschieben. Doch es ist nicht passiert. So ist es auch wenig verwunderlich, dass der Verkehr nicht rollt, sich Dutzende Kilometer Stau bilden, bei zum Teil nur einer befahrbaren Spur. Zwischen Burscheid und bis weit nach Wuppertal ist die A1 ein einziges Verkehrskrisengebiet.


Der Verkehr kommt zum Erliegen. Wir stehen. Eine Stunden lang bewegt sich nichts, dann geht es nur im Schritttempo voran. Kein Wunder, dass es sich staut, wenn die Straen nicht befahrbar sind. Es ist inzwischen 13:00 Uhr, wir bewegen uns wieder, kommen in die Baustellen nach Wuppertal, wieder bricht der Verkehr fast zusammen. Der Stau war nicht etwa Verkehrsidioten geschuldet, sondern einzig und alleine nicht gerumter Autobahnen. Maximal 30 km/h waren auf dem Schnee fahrbar. Blieb dann noch ein Auto liegen, war das Verkehrschaos vorprogrammiert.



75 Kilometer haben wir bisher zurckgelegt, in fnfeinhalb Stunden. Ich sage meinen Termin in Hamburg ab. Vor Bremen war ebenfalls noch ein langer Stau gemeldet, die unter 6 km wurden gar nicht aufgezhlt. Vor 18 Uhr whren wir wohl nicht angekommen.


Schlitterpiste Mnster

Nach Wuppertal ist die Autobahn wieder gerumt. Es geht deutlich schneller voran. Wir entscheiden uns, nach Mnster zu fahren, was wir erst auf dem Rckweg machen wollten. Um 14.30 Uhr erreichen wir Mnster und fahren in das nchste Krisengebiet. In ganz Mnster wurde keine einzige Strae vom Schnee befreit. Mhsam versuchte man vergeblich, der Situation durch Streusplit Herr zu werden. Bis zum Abend wird der Schnee etwas tauen und dann gefrieren. Und Wuppertals Hauptverkehrsadern in einzige Schlitterpisten verwandeln. Spiegelglatt. Heckantriebler hatten schon verloren.

Nicht gerumte Autobahnen und Straen Wuppertal und Mnster. Es ist das Leben in einem Drittel Welt Land. Und es bleibt die Frage offen: Selbst wenn man nicht mit so viel Schnee gerechnet haben mag warum ist es nicht mehr mglich, Straen schneefrei zu kriegen? Wo sind die Kapazitten hin, die man braucht?
Warum ist man auf den Winter nicht mehr vorbereitet? Ist dies nicht ein Versagen auf kommunaler Ebene? Wenn Spanien aufgrund der Schneemassen alle drei Jahre kapitulieren muss, so ist dies nachvollziehbar. Aber NRW? Oder das Bergische Land? Ist Schnee pltzlich so ein Hemmfaktor geworden? Wartet man nur noch zwei Schneepflge, hat man nur noch zwei Fahrer, die sich dann irgendwann ausruhen mssen und niemand ist mehr da zum Rumen?

Zwei Schneeflocken und der Bundesautobahnverkehr bricht zusammen. NRW ist zu einem Entwicklungsland verkommen.



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