In einem Stdteranking des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) in Zusammenarbeit mit der Berenberg Bank belegte Bonn in der Gesamtwertung Platz 4. Beim Trendindex konnte Bonn sogar den Spitzenplatz fr sich beanspruchen. Das in der Zeitschrift Managermagazin verffentlichte Studie bewertet die 30 grten Stdte Deutschlands. Den ersten Platz belegt dieses Jahr Frankfurt a. M.

Bonn hat sich im Vergleich zum Vorjahres-Ranking um vier Pltze nach oben verbessert. Diese Steigerung ist laut Studie vor allem auf die sehr guten konomischen und demografischen Entwicklungen zurckzufhren. Beim Trendindex liegt Bonn auf Platz 1. Der Trendindex misst Vernderungen der Einwohnerzahlen zwischen 2003 und 2009, sowie Vernderungen bei Erwerbsttigkeit und Produktivitt zwischen 2003 und 2008.

Kommentar: Kann das sein?

Man mag seinen Augen und Ohren gar nicht trauen. Bonn auf dem ersten Platz des Trendindex eines Stdterankings? Die verschlafene Bundesstadt auf Augenhhe mit Metropolen wie Frankfurt a. M., Mnchen und Kln? Kann das sein? Ja, kann es. Bonn liegt in vielen ausschlaggebenden Bereichen weit ber den vom HWWI ermittelten Durchschnitt. Besonders herausragend sind die Ergebnisse der ehemaligen Bundeshauptstadt im Bereich des Bildungsniveaus und der Bevlkerungsprognose der kommenden zehn Jahre. Hier zhlt Bonn zu den Spitzenreitern.
Also ein Grund zum ausgelassenen Feiern und gegenseitigen Beglckwnschen? Nicht wirklich. Obwohl das aktuelle Stdteranking den Schluss zu lsst, dass Bonn sich zur aufstrebendsten Stadt Deutschlands gemausert hat, muss man realistisch bleiben. Die hier vorgestellten Stdterankings beziehen nur eine handvoll Indikatoren mit in ihre Studien ein und erheben keinen Anspruch auf Vollstndigkeit. Weiterhin kommen verschiedene Studien auf unterschiedliche Ergebnisse. So schneidet Bonn im Dynamik-Ranking der INSM sehr viel schlechter ab. Mit einem enttuschenden 38. Platz liegt Bonn im unteren Drittel der Wertung.
Was die Stadt aus den Ergebnissen der Studie lernen sollte, ist vor allem das Wissen um ihre Strke und Schwchen zu nutzen. Die von Stdterankings angesammelten Informationen eignen sich um Defizite zu erkennen oder Schwerpunkte zu setzen. Die Rankings sollten aber nie mehr als ein Faktor in der Zukunftsplanung der Stadt sein. Ob Bonn nun ein Trendsetter ist oder eine Dynamikbremse, wird die Zukunft zeigen.

Wirtschaftsfaktor Bildung

Besonders herausstechend ist Bonns Abschneiden im Bereich des Bildungsniveaus. So hat die Stadt den geringsten Prozentsatz (4,5 %) an Schulabgngern ohne Hauptschulabschluss im Ranking. Dem gegenber steht der hchste Prozentsatz an Abgngern mit Hochschulreife (46 %) und der hchste Anteil an Akademikern unter den Beschftigten (23,6 %). Ein schnes Ergebnis fr eine starke und kluge Stadt, kommentiert Oberbrgermeister Jrgen Nimptsch.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Stadt Bonn gut in Stdterankings abschneidet. Im jhrlich erscheinenden Ranking der Initiative Neue Soziale Markwirtschaft (INSW) in Kooperation mit dem Magazin WirtschaftsWoche belegte Bonn Platz 15 von insgesamt 50 getesteten Stdten. Beim Niveauranking, welches 60 Einzelindikatoren wie Kaufkraft, Wirtschaftsstruktur und Arbeitslosigkeit miteinbezieht, gehrt Bonn zu den Top 10. Beste Stadt in diesem Ranking ist Mnchen.

Strken und Schwchen der Rankings

Rankings wie die des HWWI und der INSW haben groen Einfluss auf die Stdte und ihr Selbstbewusstsein. Schon im Jahr 2003 schrieb das Institut fr Wirtschaftsforschung (BAW): Kennzeichnend fr Stdterankings in Wirtschafts- und Nachrichtenmagazinen ist ihre enorme ffentlichkeitswirkung. Die durch die Studie erzielte Aufmerksamkeit kann fr die Stdte eine willkommene Werbung sein. Oder ein Schock.

Stdterankings sind jedoch nur begrenzt dazu in der Lage ein Gesamtbild fr eine Stadt zu entwerfen. Stdterankings sind in der Regel nicht auf eine differenzierte Betrachtung von Ursachen-Wirkungs-Zusammenhngen oder eine kontinuierliche Raumbeobachtung ausgerichtet. Vielmehr sollen sie eine breite Masse ansprechen und polarisieren. Weiterhin werden die meisten Rankings durch Faktoren bestimmt, die abhngig von aktuellen Themen sind. Es ist somit nur schwer mglich, eine reprsentative Entwicklung darzustellen.

Das wei auch Oberbrgermeister Nimptsch. Wir wissen, dass wir uns auf solchen Lorbeeren nicht ausruhen drfen. Solche Positionierungen mssen im Handeln aller in der Stadt Beteiligten Tag fr Tag neu erarbeitet werden. Ob sich Bonn auf seinen Lorbeeren der letzten Studie ausgeruht hat oder nicht kann man am 10. Dezember erfahren. Dann nmlich wird das Update 2010 des Stdterankings der INSW verffentlicht.

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