Zwischen Gut und Bse

Nicht ganz so imposant, aber mindestens ebenso beeindruckend wie das Cosplay, sind auch die Zeichenknste vieler AnimagiC-Besucher. Wer genau hinschaut, entdeckt die meist jugendlichen Zeichner, mit Block und Stift bewaffnet, in stillen Ecken oder auf der Wiese vor der Beethovenhalle. Einige demonstrieren ihr Knnen bei den diversen Manga-Wettbewerben. Andere nutzen die angebotenen Zeichenworkshops, um ihren Stil zu verfeinern.

In den Workshops lernen sie neben perspektivischem Zeichnen und Charakter-Design, auch gleich den richtigen Umgangston. Hast Du mich etwa gesiezt, Du bser, bser Junge? emprt sich die recht junge Leiterin. Mach das noch einmal und ich versohle Dir den Hintern! Ist das einmal geklrt, kann der Unterricht beginnen.

Das Thema der Stunde lautet Good vs. Evil Techniken der Charakterdifferenzierung. In wenigen Sekunden zaubert die Leiterin mit ihrem Filzstift ein ses Mdchen aufs Flipchart. Sie dreht sich um, lchelt sffisant, nimmt wieder den Filzstift und stattet das Mdchen mit einer groen Axt aus. Und jetzt? Sofort stellt sich der Aha-Effekt ein. In der Anime- und Manga-Szene ist dies ein durchaus bekanntes Motiv. Auch unter den Cosplayern tummeln sich unzhlige kleine Mdchen mit kunstblutverschmierten Gesichtern oder riesigen Waffen aus Pappmach. Oh ja, die machen mir am meisten Angst. Wenn die auch noch so lcheln, bevor sie einen abschlachten!, tnt es aus dem hinteren Teil des Zeichenraums. Lektion gelernt.

Phnome der japanischen Popkultur

J-Music und J-Culture japanische Musik und japanische (Pop-)Kultur bilden ebenfalls eine wichtige Komponente der AnimagiC. Auch hier geht die Begeisterung der Besucher weit ber gewhnliches Konsumverhalten hinaus. Viele von ihnen lernen Japanisch, setzen sich intensiv mit der japanischen Kultur auseinander. Einige haben sich sogar zu Showgruppen zusammengeschlossen und fhren im Festsaal eigene Stcke auf - ein Mix aus Schauspiel, Gesang und Tanz. Und gesungen wird selbstverstndlich auf Japanisch. Wer am Abend immer noch nicht genug hat, zieht in den Karaoke-Raum um, wo noch bis Mitternacht die Wnde wackeln.

Aus modischer Sicht hat sich besonders das Lolita-Outfit als Wahrzeichen japanischer Popkultur etabliert. Ob nun als Sweet Lolita in zuckerwattenrosa oder Gothic Lolita in schwarz, violett oder blutrot es ist das puppenhafte Aussehen, das eine wahre Lolita ausmacht. So erklren es zumindest die vier Lolita-Expertinnen bei ihrem Nachmittagsvortrag.

Wenig spter gibt das japanische Pop- und Szene-Idol Moon Kana eine Autogrammstunde. Die 27jhrige, die aussieht wie 12 und spricht als wre sie 9, gilt als Ikone der Lolita-Bewegung. Zwar ist der Raum nur zu einem knappen Viertel gefllt, doch die hier Anwesenden vergttern Moon Kana mit Leib uns Seele. Sie ist unglaublich! Ich liebe sie, ihre Kleidung, ihre Musik einfach alles! Wegen ihr bin ich so, wie ich bin!, schwrmt eine Lolita und rutscht nervs auf ihrem mit Erdbeeren bedruckten Petticoat hin und her. Gestern sei sie schon bei dem Konzert von Moon Kana gewesen und heute Abend geht sie wieder hin. Dann wird sie wieder ganz nah an der Bhne stehen und jedes Mal laut jubeln, wenn die Knstlerin einen Hasen aus ihrem Beutel zieht und mit quietschiger Stimme verkndet: I made Bunny!

Hier der dritte Teil

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