Es ist ein sonniger Montag zur besten Feierabendzeit, genau richtig um den Biergarten in der Rheinaue zu testen. Vom Stadtzentrum aus ist die Rheinaue zwar nicht gerade um die Ecke, dank der guten Anbindung an den PNV ist der Weg dennoch recht kurz. Vom Bahnhof aus kann man mit der U-Bahn der Linie 66 gleich bis zur Haltestelle Rheinaue fahren, oder alternativ mit der 16 bis Deutsche Telekom/Olaf Palme-Allee, je nachdem, wie die U-Bahnen gerade fahren.
Ich habe Glck und muss nicht sonderlich lange warten, und die 16 schlngelt sich in die Haltestelle.

Die Fahrt hat nach ca. 15. Minuten ein Ende. Nach weiteren 10 Minuten Fuweg ber einen Schotterpfad, der von der B9 in die Rheinaue fhrt ist das Ziel in Sicht. Sofort fllt die schne Aussicht ins Auge. Mehr Grn geht in Bonn wohl kaum. Der Rheinauen Biergarten liegt in mitten in der Parklandschaft und dank des schnen Wetters und des blauen Himmels reicht der Blick bis weit in das Siebengebirge. Fr Lage und Aussicht gibt es schonmal die volle Punktzahl. Doch keine voreiligen Vorschusslorbeeren, weder habe ich bisher ein Bier, noch einen Sitzplatz. Also geht es mit entschlossenem Schritt durch die rustikale Eingangspforte, in den Biergarten. Die erste Verwunderung lsst nicht lange auf sich warten. Trotzt Feierabendzeit und bestem Wetter, sind die Bierbnke verwaist. Lediglich zwei weitere Besucher haben sich in den Biergarten verirrt.

Im Ausschankhuschen langweilt sich ein einsamer Wirt. Unter normalen Umstnden mag man versucht sein seinen Sitzplatz einzunehmen und auf eine Service-Kraft zu warten. Aber im Biergarten in der Rheinaue gilt die Devise, wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Schilder weisen darauf hin, dass heute Selbstbedienung ist. An einem Montag ist wohl nicht genug los, als dass sich Bedienung lohnen wrde. Also wird die genormte Testbestellung in Form eines Klsch in Eigeninitiative organisiert. Alternativ htte es auch Pils oder ein Vertreter der obligatorischen Cola/Limo/Wasser/Saft Liga sein knnen. 3,30 spter wird mir mein Getrnk ausgehndigt und ich darf mich setzen. Die Aussicht ist immer noch schn, der Himmel ist blau, die Vgle zwitschern, die Sitzgarnitur hlt das, was man von ihr erwartet. Die Bank trgt mich, der Tisch mein Bierglas. Soweit alles gut. Lediglich der leicht blttrige Klarlack, der an manchen Stellen mit dem Holz nicht viel zu tun haben mchte, lsst drauf schlieen, dass die Mbel schon seit gewisser Zeit im Auendienst sind. Das Sionklsch vom Fass luft gut durch und auch die anschlieende Apfelschorle ist okay.

Bei meinem zweiten Gang zum Ausschank fllt mir die Snackstation direkt neben dem Refugium des Zapfhahnjockeys auf. Warme Speisen werden also auch angeboten. Eine Auswahl von Pommes, Bratwurst und Pizza werden dem hungrigen Gast serviert. Anscheinend nur nicht jetzt. Zwei runzlige Wrstchen, die wohl seit einiger Zeit auf einen Kunden warten, liegen auf der Bratflche und sehen nicht mehr sonderlich motiviert aus. Gut, es ist wenig los, aber da knnen die armen Wrstchen herzlich wenig fr. Unter den gegebenen Umstnden sehe ich von einem Test des Essen dann lieber ab.

Nachdem ich das Glas Apfelschorle geleert habe, erfrage ich vom Wirt den Weg zur Toilette und wundere mich etwas, weil ich in Richtung des Rheinauen Restaurants verwiesen werde, der direkt neben dem Biergarten liegt. Diese beiden Lokalitten teilen sich ihre sanitren Einrichtungen.
Auf dem Weg dorthin komme ich auch an der Terrasse des Restaurants vorbei. Hier sitzen erheblich mehr Gste und es gibt auch richtige Kellner. Ein Blick auf die Preistafel verrt, dass die Preise auch um ein paar Cent hher sind. Na ja, jetzt einen Vergleich ziehen zu wollen, hiee pfel mit Birnen zu vergleichen.

Als ich die Stufen zur Toilette hinabsteige, wnsche ich mir jedoch, dass ich mich mit einem Getrnk begngt htte. Wo der rustikale Charme des Biergartens noch stilecht und angebracht ist, ist es das rustikale Ambiente der Toiletten eher weniger.

Ich mchte an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail gehen, aber diesen Orkus mchte ich mir nicht bei einer vollen Auslastung der Schankflche vorstellen. Eine der goldenen Erwerbsregeln in der Gastronomie sagen, dass das Stille rtchen die Visitenkarte eines Hauses ist. Wenn dem so ist, dann sollten sich die Betreiber dringend neue Visitenkarten besorgen. Aber ein Hochdruckreiniger und ein paar Liter Sagrotan wren auch ein guter Anfang.

Der Biergarten in der Rheinaue ist wohl mehr ein Ausflugslokal fr Touristen als eine hippe Adresse fr Einheimische, wie beispielsweise unser bisheriger Lokalmatador am Alten Zoll. Preise und Getrnkeauswahl sind okay. An Flohmarkt-Wochenenden gibt es auch Bedienung. Freitag Abends stehen im Mai und Juni Jazz auf dem Programm und seit Anfang der Woche luft hier das Sommerfestival mit allabendlicher Live-Musik und Bedienung.

Wer ein gemtliches Feierabendbier im Grnen trinken mchte, der kann mit gutem Gewissen den Biergarten in der Rheinaue aufsuchen. Um eine wirkliche Alternative zu den Angeboten im Zentrum zu sein, bruchte es jedoch etwas mehr Liebe seitens der Betreiber.

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