Schon seit fnf Jahren in Bonn und noch nie "Rhein in Flammen" erlebt das sollte sich in diesem Jahr ndern! Aber oh weh, was fr einen Zeitpunkt hatte ich mir ausgesucht, um mein Versumnis nachzuholen? Aufgrund der neuen Regelungen schienen dnis und Langeweile in der Bonner Rheinaue vorprogrammiert. Statt Grillspa nur berteuerte Speisen und Getrnke. Und regnen sollte es auch! Mein Umfeld reagierte auf meinen Plan mit skeptisch verzogenen Mundwinkeln und Lohnt sich nicht-Ausrufen. Kapitulation? Nicht so voreilig! Gemeinsam mit drei wagemutigen Kompagnons zog ich aus, um mir ein eigenes Bild zu machen

Zunchst allerdings holte ich Informationen ein. "Rhein in Flammen" der Begriff hatte bei mir bisher nur die wenig aussagekrftigen Assoziationen von "Rheinaue" und "irgendwas mit Feuerwerk" hervorgerufen. Aber warum genau sollte das dann jedes Jahr so ein beliebtes Spektakel sein? Die Website des Veranstalters klrte mich darber auf, dass neben Park und Feuerwerk das in diesem Jahr brigens unter dem Motto "Beethovens Nacht der Gtterfunken" stand auch diverse Musikacts zum Programm gehrten. Auerdem lud man mich zu einer Fahrt auf einem "illuminierten" Schiff ein. Na ja, fr den Anfang sollte mir das "Landprogramm" dann doch gengen.

Am Abend des 1. Mai machte ich mich mit meinen Begleitern also auf den Weg. In der U-Bahn erinnerte glcklicherweise nur die ausgelassene Stimmung an den allsommerlichen Weg zum R(h)einkultur-Festival, die dort so typische Sardinenbchsenatmosphre blieb uns hingegen erspart. Auch der Eingangsbereich kam den R(h)einkultur-Freunden unter uns bekannt vor: Groe Hinweisschilder wiesen auf Verbote und Verhaltensregeln hin (gut dass ich mein Waffenarsenal zu Hause gelassen hatte!), der Zutritt selbst wurde durch groe Gitter in geordnete Bahnen gelenkt.

"Da ist Security! Die lassen mich nie rein!" quietschte ein sich offenbar zu jung fhlendes Mdchen neben mir beim Anblick des Personals. Dieses sollte in Wahrheit aber nur fr Ordnung sorgen und die Besucher um mitgebrachte Speisen, Getrnke und Grillgert erleichtern. Die Angst vor Abweisung war unbegrndet. Nach dem panischen Teenager wurde auch ich weiter gewunken und ausgesprochen hflich gefragt, ob ich mitgebrachten Alkohol bitte aus dem Rucksack nehmen wrde. Dann wnschte der Kontrolleur mir einen schnen Abend das war doch angenehm, ja, fast freundschaftlich verlaufen!

Vorbei an einer Jazzband und diversen Fressbuden wollten wir uns ins Getmmel strzen. Ein leicht flaues Gefhl in der Magengrube hatte sich bisher nicht vertreiben lassen: Es ist kalt, wird gleich dunkel, das Budget fr Speis und Trank ist begrenzt und das Feuerwerk ist erst um viertel nach elf was machen wir denn blo bis dahin? Wie eine Offenbarung schob sich die Antwort in unser Blickfeld, als wir den ersten Hgel erklommen: Eine groe bunte Kirmes berzog das Gelnde der Rheinaue! "Na, was denn sonst?", werden sich diejenigen unter euch vielleicht fragen, die schon einmal dabei waren. "Das ist doch immer so!" Aber, ganz ehrlich, uns allen war dieser Sachverhalt vllig neu!

Die berraschung war jedenfalls eine von der guten Sorte. Beim Anblick des bunten Treibens wurden wir vom Kirmesfieber gepackt. Kompagnon Nummer eins erstand nacheinander diverse knallbunt gefrbte Eisgetrnke namens "Monster Slush" davon eines sogar mit neongrn leuchtendem Knicklicht. Kompagnons Nummer zwei und drei labten sich an Crpes und Waffeln mit Puderzucker. Derart ausgerstet schlenderten wir dann fr eine Weile zur Groen Bhne, wo dem Publikum seitens der hrtesten Boygroup der Welt! den "Big Maggas" ordentlich eingeheizt wurde. Fr ihren Mix aus Drafi Deutscher und Biene Maja waren wir allerdings weder alt noch jung genug. Also weiter!

Das nchste Highlight bot uns die "Time Factory", eine dieser Jahrmarktattraktionen, die auf Schrecksekunden und optische Tuschungen setzen. Vorbei an Wasserfontnen, ber drehende Bodenscheiben und pltzlich absackende Stufen kmpften wir uns vor bis in das Spiegelkabinett. Hier lieen sich Stau in nur vermeintlich durchlssigen Sackgassen und der ein oder andere Zusammensto mit einer Glasscheibe trotz unserer tugendhaften Vorsicht nicht vermeiden.

Als wir nach dem berwinden des berdimensionalen Laufrades endlich wieder auf festen Boden stolperten, war es um uns herum verdchtig leer geworden. Ein Blick auf die Uhr erklrte die pltzliche Entvlkerung unmglich, schon kurz nach elf? Nun aber schnell auf einen der Hgel, um nichts von dem Feuerwerk zu verpassen. Kurz berlegte ich, ob wir uns nicht weiter von der grellen und lauten Kirmes entfernen sollten. Dafr war es aber schon zu spt. Blieb zu hoffen, dass die unzhligen Leute, neben denen wir uns im Gras niederlieen, wussten, was sie taten.

Und natrlich wussten sie es. Pnktlich zum Start des Feuerwerks drehten die Fahrgeschfte Beleuchtung und Beschallung herunter, so dass wir die Show ungestrt genieen konnten. Im Gegensatz zur blichen Silvesterknallerei gefiel mir das Feuerwerk richtig gut. Vielleicht durch die synchrone musikalische Untermalung Beethoven, natrlich. Auch schner als zu Silvester: Die Stille, mit der das Publikum das Spektakel bewunderte. Nur einmal wurde diese durch ein lautes "Oooh, pink!" unterbrochen, das darauf folgende kollektive Gelchter stellte zum Glck sicher, dass sich dies nicht wiederholte.

Nach diesem Hhepunkt machten wir uns auf dem Heimweg. Zusammen mit einem Groteil der Besucher pilgerten wir am Rhein entlang zurck gen Stadtzentrum ein frhlicher Ausklang des gelungenen Abends. Mein Fazit: Grillen nein, Regen ja, so weit hatten die Skeptiker Recht. dnis und Langeweile? Weit gefehlt! Anders als erwartet war die Unterhaltung, zugegeben, aber durchaus eine Rheinauenreise wert. Mein erstes Mal "Rhein in Flammen" wird wohl nicht das letzte gewesen sein.

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