Das Stadthaus ist ja fr den normal-sterblichen Nicht-Beamten ein Labyrinth ohne Aussicht auf Entkommen. Dennoch gab es am vergangenen Dienstag einen guten Grund sich - den Wegweisern folgend in den Versteigerungssaal des Fundbros zu begeben. Etwa einmal im Jahr werden hier verwaiste Fundsachen an den meistbietenden Mann gebracht.
Schon ab 08:00 Uhr morgens konnten sich Interessierte alles vom Klapp- bis zum Damenrad im Lager des Fundbros begutachten. Nachmittags sind die Profis dann, hnlich wie auf Trdelmrkten, frhe Vgel. Sie schlagen schon weit vor dem veranschlagten Termin ihr Lager auf, um die schmackhaftesten Wrmer abzusahnen. Entsprechend ist der niedrige Versteigerungssaal um kurz nach 17:00 Uhr vllig berfllt. Die subtropischen Klimaverhltnisse tragen zur Erhitzung der sich um Kopf und Kragen steigernden Menschenmengen bei. Der Auktionator kommt insbesondere bei den zahlreichen, teilweise eher schrottreifen, teilweise berraschend hochwertigen Fahrrdern kaum mit dem Aufrufen hinterher. 1-Schritte sind den Bietenden gerade bei Schmuckstcken wie einem mattschwarzen Mountainbike-Unikat, viel zu lapidar. Von allen Seiten werden die Gebote in den Raum gerufen: 20! 25! Vierzich!. Schnell lsst man sich von dem Ersteigerungsfieber anstecken. Ebay scheint nichts gegen diesen Nervenkitzel zu sein. Zwischendurch gibt es einen ermunternden Rheinlndisch-Original-Spruch, wie Ach kommt, 21 fr das Vaterland [-Fahrrad], das reicht noch lange nicht!. Ein Garant fr Lacher und weitere Gebote.
Das Publikum ist bunt durchmischt. Alle Bevlkerungsgruppen, Gehaltsklassen und Altersvertreter lassen sich in dem nicht annhernd hinreichend bestuhlten Raum ausmachen. So verlsst ein freudestrahlender Anzugtrger den Raum mit einer fr 7 ersteigerten Tte eines lokal ansssigen Warenhauses, ohne die geringste Ahnung, was sich eigentlich in ihr befindet. Sieh an: Wundertten fr Erwachsene. Andere setzen ihr Geld auf veraltete Handys, mit ungewaschenen Klamotten ausgestattete Turnbeutel und Taschen voller Brillen.
Der Auktionator stellt gemeinsam mit seinen Gehilfen unsgliche Pakete zusammen, die keinem von wirklichem Nutzen sein knnten. Er wrfelt Schmuck mit Altherrentaschen und Stofftieren zusammen, versteigert defekte Kameras zusammen mit Schulranzen und bietet einen einzelnen Fahrradrahmen an. Dennoch gibt es kein Teil, das keinen neuen Besitzer findet. Spannend wird es dann, als ein Netbook Raunen im Saal verursacht. Fr knapp unter 100 findet das nicht auf Funktionstchtigkeit geprfte oder formatierte Gert ein neues Zuhause. Wer wei, vielleicht tauchen ja bald wieder mysterise Steuersnder-Daten auf.
Wer Spa an Interaktion und Kuriositten hat, sollte sich auf jedenfalls fr die nchste Fundsachensteigerung bereit halten. Ein neues Fahrrad findet man hier alle mal und wer wei was die Bonner dieses Jahr sonst noch so liegen lassenWir von Campus-Web sind dieses Mal leider leer ausgegangen, fiebern einem neuen Termin aber bereits entgegen. Weidmanns Heil!

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