In der Kongresshalle tummelten sich
Medienschaffende aus ganz Deutschland.
 

V. l. n. r.: Klemens Dreesbach (Microsoft), Prof. Hansjrg Zimmermann, Robert Basic, Dr. Volker Binder (Deutsche Telekom)
 

Autor Dieter Wellershof
In der Medienbranche gilt der Begriff der Digitalisierung den einen als Zauberwort, den anderen als Fluch. Doch selbst diejenigen, die wie Sven Gssmann, Chefredakteur der Rheinischen Post, nicht an das baldige Aussterben der Tageszeitungen glauben, sind sich der Relevanz der Online-Medien durchaus bewusst. Ein Internet-Angebot msse ein zustzliches Standbein der Verlage sein, so der allgemeine Tenor. Doch die Printbranche knne und werde berleben: Die Dinosaurier konnten sich auf die vernderte Situation nicht einstellen. Wir aber knnen das, betonte Gossmann. Dem widersprach unter anderem Jochen Wegner, Chefredakteur von Focus Online. Wer will denn heute noch jeden Tag einen Computer-Ausdruck der aktuellsten Ereignisse auf dem Tisch haben, fragte er. Die Leute wollen Magazinjournalismus im Minutentakt. Und sie erwarten diese Berichterstattung schon, whrend das Ereignis noch stattfindet.

Sonderlich neu sind diese Standpunkte nicht. Es berrascht daher wenig, dass Verlagshuser ihre Produkte verstrkt multimedial, auf mehreren Kanlen und auf zahlreichen Plattformen ausrichten mssen, wie der Vorstandsvorsitzende der Styria Media AG, Dr. Horst Pirker, in einem Vortrag forderte. Die dafr bereits gettigten Investitionen reichen dafr aber bei weitem nicht aus. Auch das verwundert eigentlich keinen, obwohl etwa die WAZ-Gruppe mit einer starken Nutzerinteraktion und eigenen Filmbeitrgen (in Kooperation mit dem WDR) bereits einen groen Schritt in diese Richtung gemacht hat. Doch gebe es, so kritisiert selbst WAZ-Sprecherin Katharina Borchert, noch viel zu wenige Experimentierwiesen, um neue Angebote zu schaffen. Die Verlage sollten viel strker investieren, ohne direkt auf die Rendite zu schauen, wnschte sie sich. Ein Weckruf an die Vorsitzenden?

Andere Veranstaltungen des Medienforums waren da deutlich unproduktiver. So entwickelte sich ein Panel zu Suchmaschinen schnell zu Werbeveranstaltungen fr Google, auch wenn der Geschftsfhrer von Yahoo Deutschland, Terry von Bibra, immer wieder versuchte, auf die Innovationen seines eigenen Unternehmens hinzuweisen. Soziale Suche war das Stichwort, also eine Indexierung der relevanten Seiten aufgrund der Erfahrungen und Empfehlungen der eigenen Freunde. Eine Konkurrenz fr Google scheint dies aber auf absehbare Zeit nicht zu sein, und so ging die ultimative Lobhudelei fr den Suchmaschinen-Giganten frhlich weiter. In einer anderen Gesprchsrunde erging es Microsoft und der Deutschen Telekom genau so. Dr. Volker Binder von der Telekom nutzte die Vortragsmglichkeit zu einem Werbevortrag, whrend Moderator Robert Basic den Surface Table von Microsoft als Bedienoberflche der Zukunft darstellte und zur Untersttzung seiner Argumentation frhlich ein Youtube-Werbevideo des Redmonder Giganten zeigte.

Neue Erkenntnisse waren auf dem Medienforum nicht zu erwarten. Dennoch berraschte es, wie hufig der Ruf nach mehr Multimedialitt in den traditionellen Medien erklang, obwohl dieses Credo schon einige Jahre alt ist. Dass Online-Magazine und Internet-Angebote von renommierten Tageszeitungen zum Teil nicht einmal die Mglichkeiten des Web 1.0 mit der Verknpfung verschiedener Darbietungsformen vollstndig ausnutzen, erklrt dies aber vielleicht. Viel interessanter war da der immer wiederkehrende Hinweis auf die Social Communities wie StudiVZ und Facebook, die nicht nur in der Werbe-, sondern auch in der Nachrichtenwelt von immer grerer Relevanz werden. Dieser Markt bietet, da sind sich die Experten einig, noch ein ungeheures Potenzial.

Neben der digitalen Welt galt das Interesse des Medienforums aber auch anderen Themen. So diskutierten Schauspieler, Autoren und Regisseure ber das Verhltnis von Migration und Film sowie ber Literaturverfilmungen. Letztere machen inzwischen immerhin 30 Prozent des internationalen Marktes aus und sind in der Regel eine Win-Win-Situation fr alle Beteiligten. So verkaufte sich Patrick Skinds Bestseller Das Parfum nach der Verfilmung von Tom Tykwer erneut eine Millionen Mal. Einen Grund dafr sieht der deutsche Schriftsteller Dieter Wellershof in der engen Verwandtschaft der beiden Darstellungsformen. Der Roman ist der Bruder des Films, konstatierte er. Die Schwierigkeit fr die Produzenten besteht allerdings darin, dass passende Werk fr eine Verfilmung zu finden. Angesichts der jhrlich etwa 100.000 Neuerscheinungen sei dies eine groe Herausforderung, erklrte Katharina Werdnik, Projektmanagerin fr Film & TV bei der Frankfurter Buchmesse.

Abschlieend sind die Veranstalter mit dem Verlauf der drei Tage sehr zufrieden. Das 20. Medienforum verzeichnete im Jubilumsjahr des erfolgreichen nordrhein-westflischen Branchentreffs mehr als 3.000 Kongress-Besucherinnen und Besucher und mehr als 350 Medien-Experten. Inwieweit allerdings neue Impulse entstanden sind, lsst sich erst im nchsten Jahr sagen, wenn erneut die Verantwortlichen der Verlage und Unternehmen ber die Zukunft der Medien diskutieren werden und ihre bisherigen Erfolge feiern wollen.

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