Was ich mal machen mchte, wenn ich gro bin? Irgendwas mit Medien. Natrlich! Wie knnte die Antwort einer Studentin der Philosophischen Fakultt auch sonst lauten? Im Gegensatz zu vielen meiner Kommilitonen, weiss ich zum Glck schon an welchem Medium mein Herz hngt. Um der vlligen Orientierungslosigkeit vieler Studenten entgegenzuwirken, hat die Uni Kln den KIQ-Career Service ins Leben gerufen. In dessen Rahmen finden Vortrge, Bewerbungstrainings und Seminare statt. Am Mittwoch stand nun also das Berufsbild des politischen Journalisten auf dem Plan. Na, wenn das mal nicht genau meine Zielrichtung ist. Eine super Gelegenheit, mal mit jemandem zu sprechen, der vom Fach ist. Also, angeschnallt und los gehts. Parkpltze? Fehlanzeige! Nach endlos langer, verzweifelter Suche werde ich aber doch noch fndig.

Nun ging es daran, den richtigen Hrsaal zu finden. Wie gut, dass ich zu Hause schon mal im Internet auf einem Lageplan der Uni Kln nachgeschaut habe. Da ich aber trotzdem noch nicht ganz sicher bin, laufe ich einfach einem Strom hoch motiviert erscheinender Studis hinterher. Volltreffer: Hrsaal A2! Eine Gefngniszelle ist nichts dagegen. Drei Wnde erstrahlen in blankem Beton, eine ist weiss gehalten, um dem Beamer die Arbeit zu erleichtern und Fenster wurden wohl auch fr berbewertet erachtet.! Direkt neben dem Eingang sorgt ein riesiger Blechmlleimer, wie man ihn auch vom Bonner Hauptbahnhof kennt, fr das richtige Flair. Ein bisschen fhlt es sich an, wie in einem Turmverlies. Nun gut, der Mensch ist bekanntlich anpassungsfhig. Also quetsche ich mich in einen der schicken unbequemen Holzsitze (weiss), die derart wenig Beinfreiheit bieten, dass lediglich ein Liliputaner nicht mit Verrenkungen und Zerrungen rechnen muss. Nach dem Vortrag mache ich am besten gleich einen Termin beim Physiotherapeuten aus.

Nach einigen Minuten fllt sich die Zelle dann doch zunehmend und Alexander Simon, Chef vom Dienst in der Klner Redaktion der Fernsehproduktionsgesellschaft probono, beginnt mit seinen Ausfhrungen. Nach einigen Angaben zu seinem persnlichen Werdegang, folgt der ernchternde Satz fr jeden Anwesenden, der sich einige handfeste Ratschlge erhofft hatte: Es gibt keinen goldenen Weg in den Journalismus! Ein verbaler Faustschlag, denn nun sind auch die letzten Hoffnungen auf ein Patentrezept zur Nichte gemacht. Simon spricht vor allem ber Politikjournalismus im Fernsehen. Nicht wirklich zum Erstaunen der Zuhrer hat Politik momentan im Fernsehen keine Konjunktur und die Chancen auf eine Festanstellung in diesem Bereich sind nahe Null. Die fnf oder sechs Politformate, die es zur Zeit im Deutschen Fernsehen gibt, haben in der Regel eine Redaktion mit maximal zehn Festangestellten hinter sich. Wchentlich stattfindende Polittalks arbeiten sogar teilweise mit nur zwei Festangestellten. Da knnte man als Student doch tatschlich den Mut verlieren. Wem kann man es verdenken? Es gibt kaum eine Branche, die dstere Prognosen hat, als die Medienbranche. Neu ist dies aber nicht. Wirklich spannend und neu fr mich ist hingegen die Tatsache, dass prozentual doppelt so viele Menschen das Nachrichtenmagazin RTL Aktuell sehen wie die Tagesthemen. Auch die These, dass hher gebildete Menschen ab einem Alter von etwa 30 Jahren dem Privatfernsehen den Rcken kehren und sich den ffentlich-rechtlichen, anspruchsvolleren Sendern zuwenden, entpuppt sich als Trugschluss. Denn wer mit RTL, PRO7 und co. aufwchst, bleibt auch dabei. Die Folge: der durchschnittliche ARD-Zuschauer ist 60 Jahre alt. Alexander Simons Prognose: Den ffentlich-rechtlichen Sendern sterben die Zuschauer weg. Das war es also mit unserem Bildungsfernsehen.

Zum Abschluss seines interessanten Vortrages rckt der Politikjournalist dann aber doch noch mit einigen Tipps raus. Rascheln! Pltzlich hat jeder Stift und Papier vor sich. War das doch der Teil des Vortrags, auf den eigentlich alle gewartet hatten. Erwartungsvolle Blicke richten sich nach vorne.

Tipp 1: Studieren Sie blo nicht Journalismus.
Tipp 2: Machen Sie Praktika.
Tipp 3: Versuchen Sie den Einstieg ber den Lokaljournalismus.

Ernchterung! Die meisten Stifte werden wieder in die Unttigkeit verbannt. Mal Hand aufs Herz! Jeder, aber auch wirklich jeder, der sich auch nur im entferntesten fr Journalismus interessiert, kennt diese drei Grundregeln. Schade. Dann scheint es ja tatschlich kein Patentrezept zu geben. Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, lautet der letzte Satz des Referenten: Man weiss am Anfang eh nicht, wie man zum Ziel kommen soll. Das ist ganz normal. Toll! Soll ich jetzt beruhigt oder unsicher sein? Ich entscheide mich fr Ersteres und fahre mit dem tollen Gefhl nach Hause, jetzt ganz genau zu wissen, was ich mal werden mchte wenn ich gro bin.

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