Zurck zu Teil 1.

Martin Szugat von der Snip Clip GmbH
Der digitale Lifestyle dynamisiert den Alltag. Das Internet gibt mit seinem Versprechen unbegrenzter Verfgbarkeit dem Konsumbedrfnis der Brger eine Orientierung. Der Medienkonsum ist heute anders als frher. Internet und Fernsehen laufen heute oft parallel und viele Brger nutzen auch Online-Multiscreens. Achtzig Prozent aller Desktop Sessions beginnen bei Google. 50 Prozent aller Top-Apps sind Social Media Apps. Marken wie Coca-Cola mit Newsportalen wie zu einer Content 2020-Strategie werden selber zu Medienpublishern.

Facebook-Sternebewertungen und Social Recommendations

Empfehlungen ber soziale Netzwerke werden heutzutage immer wichtiger, so Martin Szugat, Geschftsfhrer der Snip Clip GmbH in einem Vortrag. Auch Markus Hartlieb von der Social Network Group zeigt, wie Bewertungsfunktionen etwa im Graph Search auf Facebook fr lokale Unternehmen an Bedeutung gewinnen. Lokale Check-Ins nicht nur von Facebook-Freunden werden hier bei Facebook mit einer Sternebewertung angezeigt. Hartlieb rt Unternehmen, Suchbegriffe gezielt anzuwenden. Mediennutzung festigt sich im Studierendenalter, danach nimmt ihre Intensitt meist ab. Gerade jngere Menschen knnen heute neue popkulturelle Kontexte leichter erschlieen, weil sie sich frher an digitale Medien gewhnt haben.

Soziale Netzwerke als Ideenlabor User Insights und Test Reports

Die Robert Bosch GmbH mchte ber ihr Facebook-Profil vor allem Berufsschler ansprechen. Kundenanfragen betreut sie eher in einem Forum. Obwohl sich das Unternehmen ber Lndergrenzen hinweg abstimmt, werden die Guidelines und die Infrastruktur eher lokal organisiert. Anfragen bei Produktfehlern versuchen Christoph Bhlen und seine Kollegen im digitalen Marketing schnell zu beantworten oder an zustndige Abteilungen weiterzuleiten.
Thorsten Habermann von der Telefnica Germany GmbH
Bei kritischen Fragen, etwa warum Bosch Produkte in China produzieren lasse, wird vor einer Reaktion abgewartet, wohin sich die Diskussion entwickelt. Im Forum rekrutiert Bosch auch fr Produktevaluationen manchmal Testuser fr User Insights und Test Reports. Auch Dorin Leder, Managerin Social Media & Online bei der Philips GmbH, erreicht zu Produktlounges potentielle Verbraucher am besten ber Kanle wie Facebook. Hier setzt sie Links zu Testerseiten. Oft versucht sie auch Blogger zu aktivieren, Reviews zu schreiben oder Ratings zu neuen Produkten abzugeben. Freimtig gesteht sie, dass es auf Mnnerplattformen eine grere Herausforderung darstelle, beispielsweise zu Krperpflegeprodukten Engagement in sozialen Netzwerken zu erzeugen. Von Facebook-Fanpages zu Umfragegewinnspielen weiterverlinken tut auch die Telefnica Germany GmbH, bekannt als Mobilfunkanbieter von O2. Sie hat in sozialen Netzwerken fr jede Sprache eine Markenseite. O2-Shops drfen jedoch der bersichtlichkeit halber keine eigenen Fanpages erffnen, so Thorsten Habermann, Leiter des Social Media Managements. Das Unternehmen arbeitet auch intern mit einem forumhnlichen Intranet, dem sozialen Netzwerk Yammer.

Social Media in Fernsehsendungen

Das Entertainment-Powerhouse, welches die Sendergruppe ProSieben und Sat1 verantwortet, versucht auf multimedialen Wegen dem Zuschauer neue Kommunikationsplattformen zu geben. Aisha Sahraoui, Director Sales & Marketing bei ProSiebenSat1 und ihr Team betreuen weit ber 150 Social Media-Profile. Fr neue Sendestaffeln werden regelmig Profile auf Facebook, Pinterest oder Twitter neu angelegt. In der Regel ist die Produktionsfirma der Sendeformate nicht in die Social Media-Betreuung eingebunden. Manchmal werden in den Profilen auch Werbekunden hervorgehoben. Wenn Staffeln enden, werden diese Accounts meistens nicht gelscht, sondern oft zur Crosspromotion fr andere Sendeformate genutzt. Ein gegenseitiges Befeuern durch Crosspostings oder auch das Einblenden von Zuschauerkommentaren von Facebook oder Twitter in Fernsehsendungen steigern die Reichweiten und festigen eine Zuschauerbindung, meint Sahraoui im Vortrag. Online Redaktionen sind nicht nur fr die ber 120 Accounts der Sendergruppe alleine bei Facebook verantwortlich. Hier arbeiten auch viele Trainees und Praktikanten, die stets neue Ideen fr das insgesamt eher jngere Senderpublikum entwickeln.

Selbstgebackenes einer Keksfabrik
Das Gelnde des Blu Radisson Hotels in Kln


Bei der Prsentation der Social Media-Aktivitten der Verdener Keks- und Waffelfabrik Hans Freitag kndigt Anita Freitag-Meyer feierlich an, dass ihr Unternehmen zuknftig Likies aus Keksen auf den Markt bringen werde. Die Unternehmenserbin und geschftsfhrende Gesellschafterin initiierte 2011 einen Keksblog, der die Social Media-Accounts des Unternehmens einbettet. Fr ihre kreativen Geschichten und aktuellen Blogmeldungen erhielt sie 2012 den deutschen Preis fr Online-Kommunikation. Geschmackvoll aufbereitet finden Verbraucher hier neben Mitarbeiterportraits auch Jobangebote und manchmal sogar Wohnungsanzeigen. Intuitive Kurzfilme aus ihrem Betrieb verffentlicht Freitag-Meyer auch auf der Homepage der Keksfabrik.

Gamification fr die Kundenaktivierung

Die Alois Heiler GmbH prsentiert in sozialen Kanlen wie Pinterest zum Kauf angebotene, magefertigte Glasduschen. Das Unternehmen hofft auf steigende Followerzahlen, die bisher noch zu gering fr die anvisierte Viralitt sind. Alexander Aberle, Leiter fr das Marketing und die Kommunikation, kndigt fr die Unternehmenswebsite die Installation eines Online-Badkonfigurators mit eigenen Bausteinen an. Auch Krankenversicherungen sind kontinuierlich bemht, die Loyalitt ihrer Kunden zu steigern. Um vom trockenen Image wegzukommen entwickelte so die Schweizer Helsana-Gruppe ein Maskottchen namens Helsi, das auch eine eigene Facebook-Fanpage hat. Im Computerspiel Helsi-Game ernhrt sich der agile und unternehmungslustige Biber auf dem Heimweg zu seinem Bau spielerisch gesund. Diese Unternehmensstrategie soll insbesondere Familien mit Kindern ansprechen, die Helsi auch als Stofftier erwerben knnen. Dass ihre Strategie erfolgreich war zeigen auch Konkurrenzanbieter, die nun selber eine fiktive Figur zur Werbung nutzen, so Michael Meier, Head of Customer Care bei der Helsana Versicherungen AG. Als soziales Netzwerk bespielt die Helsana-Gruppe auch ein Spezialistenforum zu Gesundheitsthemen. Dies erzeuge beinahe mehr Klicks als die hauseigene Website, erzhlt Meier.

Fachcommunities und Foren
Daniel Horzetzky ber Content Marketing-Trends


Fachcommunities sind fr das Customer Relationship Management heutzutage wichtig, meint auch Tom Kedor, Geschftsfhrer von Motor Talk. Obwohl sich Foren selten professionalisieren und bisher stiefmtterlich von der Werbebranche behandelt wurden, entwickelte sich Motor Talk zum Selbstlufer und ist inzwischen Europas grte Community zu Automobilthemen. Das selbstgegrndete Forum finanziert sich mittlerweile problemlos durch Werbung, Marktforschung und Kooperationen. Kedor betont, das Netzwerke wie Facebook fr die Anliegen der Motor Talk-Community zu klein und oberflchlich seien.

Das Visuelle schlgt das Inhaltliche oft um Lngen

Nachdem die Werbeindustrie eine Banner blindness als Problem erkannt hat, versuchen Unternehmen meist mit ihren Produkten indirekt in den Lesefluss mglicher Verbrauchern hereinzukommen, ohne sie zu stren. Dirk Ploss, Marketingchef vom E-Learning-Portal Lecturio hat die Erfahrung gemacht, das besonders Infografiken in Social Media-Kanlen Reaktionen auslsen. Auch Multichannelmanahmen gewinnen an Relevanz. Bei Livestreams von Modeshows etwa bei Burberry werden Interessierte direkt zu einem Online-Shop weitergeleitet, in dem sie die eben noch begutachtete Garderobe bequem erwerben knnen. Da Mobiltelefone mittlerweile Barcodes interpretieren, werden Produkten neuerdings zunehmend mit solchen versehen. Neugierige werden ber den QR-Code dann direkt weiter zu zustzlichen Verbraucherinformationen geleitet. Die Programmierschnittstelle API (application programming interface) von Facebook ist weitaus fortgeschrittener als jene von GooglePlus. Whrend GooglePlus eher eine Suchmaschinenmanahme ist, eignet sich Facebook hingegen auch fr den E-Commerce-Bereich. Hier besteht die Mglichkeit, einen selbstgegrndeten Facebook-Shop zu erffnen. Es gibt jedoch bei Facebook auch zahlreiche Gruppen, in denen User Produkte austauschen oder verkaufen.

Einfachheit, konsistentes Storytelling, das Erwecken emotionaler Reaktionen, Involvierungsangebote und das Bestrken von Werten und Haltungen sind im Groen und Ganzen das A und O im Social Media Marketing. Zuknftige Chancen verbergen sich im Bereich Connected Objects und darin, mit Memes und Codes in berraschenden Kontexten zu spielen. Insbesondere die Automobilindustrie und die Energiebranche sind im Social Media-Bereich bereits erfolgreich aufgestellt. Mittelstndische Unternehmen beginnen zunehmend sich mit Erfolg zu vernetzen. Um Relevanz, Reaktionen und eine Reichweite zu schaffen, braucht es jedoch immer auch das Vertrauen und eine Glaubwrdigkeit in der Community.

Zurck zu Teil 1.

Hier findet ihr eine Social Media Konkurrenzanalyse bedeutender Zeitungen im Vergleich.

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