Flgschler Johannes Botzem
   
Fragt man einen Sechsjhrigen nach seinem spteren Berufswunsch, so kommt in den meisten Fllen die Antwort: Feuerwehrmann, Polizist oder Pilot. Auch Flugschler Johannes Botzem hatte diesen Wunsch. Nach dem Abitur verwandelte der 22 jhrige seinen Kindheitstraum in die Wirklichkeit. Er entschied sich fr eine Ausbildung bei Europe-American-Aviation in Florida. Campus-Web sprach mit dem Flugschler ber seine Ausbildung und die Chancen als angehender Berufspilot seine Brtchen zu verdienen.

campus-web: Fragt man einen Sechsjhrigen nach seinem Traumberuf, dann kommt meist die Antwort: Feuerwehrmann, Polizist oder Pilot. War das Fliegen auch ein Kindheitstraum von dir?

Johannes Botzem: Klare Sache. Ich wollte Pilot werden.

campus-web: Wann war der Punkt, als es fr dich klar war: Ich will Pilot werden?

Johannes Botzem: Das Fliegen hat mich schon immer fasziniert, da mein Vater auch Aerobatic Pilot (Kunstflugpilot; A.d.Red.) ist. Jedoch gibt es einen groen Unterschied zwischen einem Freizeit- und einem Berufspiloten. Nachdem ich meine Ausbildung zum Private Pilot bei der Europe-American Aviation absolviert habe, wusste ich, dass es das ist, was ich spter beruflich machen will.

campus-web: Wie bist du auf die Europe-American Aviation (EAA) aufmerksam geworden? Hattest du womglich andere Schulen im Blick? Hast du Erfahrung mit Einstellungstests (z.B. Lufthansa)?

Johannes Botzem: Ein guter Freund von mir hat mir diese Schule empfohlen. Das dort auch noch Deutsch gesprochen wird, war ein super Bonus. Es gibt natrlich gnstigere Flugschulen. Aber das Equipment der EAA und der Unterricht ist erste Klasse. Erfahrung mit dem Testverfahren der Lufthansa habe ich ebenfalls. Dazu kann ich nur sagen: Wenn es mit der Lufthansa nicht klappt, ist das noch lange kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen. Man kann trotzdem ein guter Pilot werden.

campus-web: Welche Vorteile bietet dir die EAA?

Johannes Botzem: Bei der EAA lernt man von Tag eins an das Fliegen auf dem elektronischen Flightdisplay, was einem den Weg ins Cockpit eines groen Passagierflugzeugs durchaus erleichtert. Die Handhabung und Interpretation der analogen Zeigerinstrumente ist zustzlich in der Ausbildung enthalten. Fr deutsche Flugschler bietet die EAA auf jeden Fall den Vorteil, dass dort Deutsch gesprochen werden kann. Dies ist besonders hilfreich, wenn es mit Englisch am Anfang noch ein bisschen hapert. Die Ausbildung selbst ist jedoch zu 100 % auf Englisch - was ja auch die Berufssprache der Piloten ist. Neben den ausgezeichneten Fluglehrern liegt die Stadt Naples,FL am Golf von Mexiko. Wenn man zur richtigen Jahreszeit anfngt, lassen auch das Wetter und die angenehme tropische Temperatur einen nicht im Stich.

campus-web: Wie sieht dein Ausbildungsalltag in Florida aus?

Johannes Botzem: Am Anfang steht natrlich erst einmal Theorieunterricht an. Nachdem man ungefhr wei, was man dort oben so zu tun hat, beginnt der fliegerische Teil. Dementsprechend wechselt sich der Ausbildungsablauf dann ab. Es wird jeden Tag geflogen. Auch wird auf die Wnsche des Flugschlers eingegangen, z.B. wie viele Stunden er am Tag in der Luft sein mchte. Die Ausbildung verluft in dieser Reihenfolge: Zunchst beginnt man mit seinem Private Pilot (Schnwetterpilot). Danach wird dann das Instrument Rating (der Umgang mit den Messinstrumenten im Cockpit; A.d.Red.) in Angriff genommen, womit man dann auch mal bei schlechtem Wetter fliegen kann. Dies ist eines der anspruchsvollsten Aufgaben der Fliegerei. Nachdem das beendet ist, beginnt man mit dem Sammeln seiner Stunden fr den Commercial Pilot (CPL) und sammelt auf Wunsch eigene Erfahrung auf Alleinflgen. Danach fngt das Training fr den Commercial Pilot an, indem man neue Manver lernt. Gleichzeitig absolviert man das Training fr das Multi-Engine-Rating, womit man die Berechtigung erlangt mehrmotorige Maschinen zu fliegen. Nach dem CPL ist das Training bei der EAA beendet und man fhrt dann mit der Airline Transport Lizenz (ATPL) und der Konvertierung seiner Lizenz fort.

campus-web: Wo bist du untergebracht?

Johannes Botzem: Man kann entweder bei Gastfamilien oder in Hotels unterkommen. Oder man besorgt sich einfach ein eigenes Apartment, da man ja einige Zeit dort drben ist. Ich hatte Glck und konnte direkt bei meinem Fluglehrer einziehen.

campus-web: Gibt es Klassen oder Lerngruppen?

Johannes Botzem: Nein. Das ist das Beste an der ganzen Sache, man erhlt nmlich Einzelunterricht. Der Fluglehrer kann so weitaus besser auf deine Schwchen eingehen und an diesen arbeiten.

campus-web: Wie lange dauert die Ausbildung?

Johannes Botzem: Wenn man alle Ausbildungsabschnitte ohne Unterbrechung absolviert und alles reibungslos von statten geht, liegt man ungefhr im Bereich von etwa sechs Monaten. Die gesamte Ausbildung zum Berufspiloten dauert um die anderthalb bis zwei Jahre.

campus-web: Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?

Johannes Botzem: Diese Frage ist gar nicht so einfach. Man sollte schon eine gewisse charakterliche Stabilitt mitbringen und sich bewusst sein, dass es spter im grtenteils um das Treffen von Entscheidungen geht.

campus-web: Wie sehen deine Berufsaussichten aus?

Johannes Botzem: Wenn man bereit ist auch in anderen Lndern zu fliegen, sehen die Berufsaussichten gar nicht so schlecht aus. Da man in der Regel von den Airlines in Assessments (Auswahlverfahren; A.d.Red.) geprft wird, sind die Chancen auf einem Platz im Cockpit in der Regel typabhngig. In Europa ist es jedoch als Anfnger besonders schwer Fu zu fassen, da es eine groe, hochqualifizierte Konkurrenz gibt. Zudem existieren nur wenige freie Stellen.

campus-web: Was kostet der ganze Spa?

Johannes Botzem: Der Spa bei der EAA kostet um die 60.000 US-Dollar. Fr das weitere Vorgehen, einschlielich das Type-Rating (Zulassung fr spezielle Flugzeugtypen; A.d.Red.) muss man nochmal mit demselben Betrag rechnen. Ohne das Type-Rating ist es jedoch deutlich weniger.

campus-web: Hast du eine Traumairline? Oder Hauptsache Cockpit und ber den Wolken?

Johannes Botzem: Am Anfang sollte man nehmen, was man kriegen kann. Wenn man erst einmal den Fu in der Tr hat, ist alles etwas leichter. Dann kann man sich auch bei den gewissen Traumairlines um eine Anstellung bewerben.

campus-web: Bist du dir der Verantwortung bewusst im spteren Berufsalltag fr das Leben einer Menge Menschen verantwortlich zu sein? Oder denkt man daran erst einmal gar nicht?

Johannes Botzem: Natrlich ist diese Verantwortung eine Belastung und jeder geht anders damit um. Ich fr meinen Teil habe das starke Bestreben wieder heile auf dem Boden zu landen. Und wenn ich heile unten ankomme, dann werden es auch die Passagiere tun. Man kann sich entweder von dieser Verantwortung paralysieren lassen oder offen damit umgehen. Ehrlich gesagt, hat man im Cockpit whrend eines Fluges mehr als genug zu tun, da denkt man gar nicht daran.

campus-web: Wie geht es nach der fertigen Ausbildung weiter? Klassisches Bewerbungsschreiben?

Johannes Botzem: Nach der Ausbildung bei der EAA muss man erst einmal noch seine Airline Transport Piloten Lizenz (ATPL) erwerben und die Commercial Piloten Lizenz (CPL) auf die europischen Richtlinien konvertieren. Fr einen Job bei einer Airline bentigt man zudem noch eine Lizenz dafr, dass man in einem Multi Crew Cockpit mit anderen Piloten zusammenarbeiten kann. Nach dem das vom Tisch ist, kann man sich bei den jeweiligen Airlines bewerben. Der letzte Schritt ist dann das Type-Rating, indem man auf das entsprechende Flugzeugmuster (Airbus, Boeing usw.) geschult wird. Dieses kann bei einer Jobzusage von dem Arbeitgeber finanziert werden, andere Airlines hingegen verlangen dieses als Voraussetzung fr eine Bewerbung.

campus-web: Was wrdest du einem Jugendlichen raten, der auch den Wunsch hat Pilot zu werden?

Johannes Botzem: Man sollte erst einmal herausfinden, ob einem der Beruf als Linienpilot liegt. Das Beste was man machen kann ist, seinen Private Pilot zu machen. Danach kann man eigentlich ganz gut abwiegen, ob es das Richtige fr einen ist. Versuchen sollte man es auf jeden Fall. Bei einem Scheitern ist die Brieftasche zwar ein wenig leichter, jedoch ist man um eine entscheidende Erfahrung in seinem Leben reicher.

Zurzeit besucht Johannes Botzem die Oxford Aviaton Academy in England, um dort seine Lizenz zum Airline Transport Pilot zu erwerben.

Weitere Informationen zu Europe-American Aviation gibt es hier.

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