Studieren und dafr bezahlt werden? Das ist ein Zustand, den man Studienfrderung oder auch stipendiatische Frderung nennt. Wie bekommt man ein Stipendium? Muss man mit seinem Partner Schluss machen, seine Freundschaften auf gelegentliche Gefllt mir-Angaben herunterschrauben, um einen mglichst guten Notendurchschnitt zu erreichen? Und reichen gute Noten allein fr ein Stipendium? In der Regel nicht.

Ein Stipendium dient dazu Menschen bei ihrem Studium oder ihrer Promotion zu untersttzen, die sowohl Ehrgeiz im Hinblick auf ihr Studienfach als auch gesellschaftspolitisches Engagement erkennen lassen. Und wenn die Rede von Ehrgeiz bei gleichzeitigen sinnvollen Ttigkeiten mit gesellschaftspolitischem Nutzen ist, so besteht die Mglichkeit sich auf ein Stipendium zu bewerben auch, wenn der Notendurchschnitt nicht 1,0 betrgt.

Stiftungsvielfalt als Chance

Doch was ist bitte Engagement mit gesellschaftspolitischem Nutzen? Hierzu muss man sich zunchst klar machen: In Deutschland vergeben gegenwrtig rund 1.750 Stiftungen Stipendien. Und jede definiert gesellschaftspolitisches Engagement ausgehend von den politischen oder religisen Werten, die ihrem Stiftungszweck zugrunde liegen. Eine Stiftung selbst finanziert sich durch und vergibt finanzielle Mittel, die aus Zinsen eines Stiftungsbetrages hervorgehen, die einst ein Stifter fest angelegt hat.

Stiftungen knnen parteinah, kirchlich oder brgerlich ausgerichtet sein. Und es ist genau diese Vielfalt an Werten, die die Chance fr (angehende) Studierende oder Promovenden erhht, mit ihrem Engagement und Ehrgeiz an ein Stipendienprogramm anzudocken. Wenn etwa jemand seit seiner Schulzeit bei der DGB-Jugend aktiv war, dann wird sich eine Bewerbung bei der gewerkschaftsnahen Hans-Bckler-Stiftung empfehlen. Kirchliche Stipendiengeber - wie etwa das Cusanuswerk (katholische Kirche) und das evangelische Studienwerk - kommen fr jene infrage, die in ihrer Gemeinde aktiv sind. Und fr politisch Aktive gibt es annhernd fr jede Partei eine parteinahe Stiftung mit Studien- und Promotionsfrderungsprogrammen.

Die privaten Stiftungen stellen insgesamt eher einen kleinen Frderpool dar. Doch gerade deswegen lohnt es sich hier zu recherchieren. Viele Gelder bleiben ungenutzt, weil eben niemand wei, dass es auch diese kleinen exotischen Stiftungen gibt. Oder wer htte von der Alfred Tpfer Stiftung T.V.S. gewusst, die die europische Einheit unter Wahrung der kulturellen Vielfalt frdern will?

Doch lohnt sich der Bewerbungsaufwand finanziell? Hat man berhaupt Chancen, wenn man nicht als Bilderbuch-Stipendiaten gitl? Ja und ja. Im Durchschnitt bringt ein Studienstipendium 328 Euro monatlich und ein Promotionsstipendium sogar 1000 Euro. Geld, das nicht wie beim BAfG zurckgezahlt werden muss. Insbesondere weibliche Studentinnen oder Promovendinnen und Bewerber mit Migrationshintergrund werden gezielt gefrdert, weil sie sich kaum bewerben.

Whle Deine Stiftung

Ein Stipendium lohnt sich jedoch nicht nur finanziell. Insbesondere tragen umfassende Seminarangebote und die Betreuung durch einen persnlichen Vertrauensdozenten zur persnlichen und beruflichen Weiterentwicklung bei. Ferner ist die Frderung von Auslandspraktika die Regel. Es lohnt sich also die Hemmschwelle das ist ja nur was fr die Superguten zu berwinden und sich einfach mal zu bewerben. Es ist allerdings Vorsicht geboten mit einer breiten Bewerbungsstreuung. Nicht die Masse ist der Garant fr den Erfolg, sondern die Passung der Bewerbung auf die Stiftung. Daher ist es wichtig, folgende Fragen durch die Bewerbung zu beantworten:

Wo liegen meine fachlichen Schwerpunkte?
Was ist wieso mein berufliches Ziel?
Wie will ich dieses Ziel erreichen?
Wo sind meine Noten exzellent?
Wo habe ich mich politisch, kirchlich oder gewerkschaftlich engagiert?
Wie will ich dieses Engagement whrend meines Studiums bzw. whrend meiner Promotion weiterfhren?


Hier ein kleiner berblick zu den elf grten Stiftungen bzw. Begabtenfrderungswerken und deren Bewerbungsvoraussetzungen.

Hans-Bckler-Stiftung
Aufnahmeverfahren: Vorschlag durch die Gewerkschaft, Vorschlag durch einen Dozenten, Bckler Aktion Bildung, und Initiativbewerbung. Neben guten Noten ist gewerkschaftliches Engagement ausschlaggebend.
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Studienstiftung des deutschen Volkes/i>
Aufnahmeverfahren: Vorschlag durch einen Dozenten oder Initiativbewerbung. Hilfreich ist Engagement im sozialen Bereich.
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Friedrich-Ebert-Stiftung
Aufnahmeverfahren: Vorschlag durch einen Dozenten oder Initiativbewerbung. Bewerber mit sozialem Engagement insbesondere fr einkommensschwache Bevlkerungsgruppen sind im Vorteil.
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Konrad-Adenauer-Stiftung

Aufnahmeverfahren: Vorschlag durch einen Dozenten oder Initiativbewerbung. Gern gesehen wird Engagement im politischen, sozialen oder kirchlichen Bereich mit ideeller Nhe zur CDU.
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Stiftung der deutschen Wirtschaft
Aufnahmeverfahren: Vorschlag durch einen Dozenten oder Initiativbewerbung. Hier wird sich insbesondere auf die Leistungsstrke bei der Bewerberauswahl fokussiert, weil Menschen mit Potenzial fr Fhrungspositionen gefrdert werden sollen.
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Friedrich-Naumann-Stiftung
Aufnahmeverfahren: Vorschlag durch einen Dozenten oder Initiativbewerbung. Als FDP-nahe Stiftung werden hier Bewerber mit liberalem und politischem Engagement bevorzugt gefrdert.
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Hanns-Seidel-Stiftung
Aufnahmeverfahren: Vorschlag durch einen Dozenten oder Initiativbewerbung. Neben guten Leistungen ist hier Engagement im christlich-sozialen Bereich ausschlaggebend.
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Heinrich-Bll-Stiftung
Aufnahmeverfahren: Vorschlag durch einen Dozenten oder Initiativbewerbung. Neben guten Noten sollte man hier eine aktive Auseinandersetzung mit grnen Grundthemen aufweisen.
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Rosa-Luxemburg-Stiftung
Aufnahmeverfahren: Vorschlag durch einen Dozenten oder Initiativbewerbung. Als Stiftung die den LINKEN nahesteht sollten neben einem guten Notendurchschnitt gesellschaftliches und vor allem soziales Engagement vorhanden sein.
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Evangelisches Studienwerk e. V.
Aufnahmeverfahren: Vorschlag durch einen Dozenten oder Initiativbewerbung. Neben guten Noten ist bei dieser Stiftung Engagement im kirchlich-sozialen Bereich fr die Bewerbung wichtig.
*** Weitere Infos ***

Cusanuswerk
Aufnahmeverfahren: Vorschlag durch einen Dozenten oder Initiativbewerbung. Gefrdert werden begabte katholische Studenten, deren Engagement auf ihrem persnlichen Glauben beruht.
*** Weitere Infos ***

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