Nicht nur Arbeitnehmer klagen ber erhhten Leistungsdruck auf dem Arbeitsmarkt. Auch Studierende fhlen sich durch steigenden Leistungs- und Konkurrenzdruck gestresst und berfordert. Viele nennen die Umstellung auf das Bachelor/Master-Studium als Verursacher fr allgemeine berlastung. Wie viele andere ihrer Kommilitonen, leidet auch die Physikstudentin Ute B. unter depressiven Verstimmungen und ist oft resigniert. Die erhhte Arbeitsdichte und fehlende Freirume in ihrem Studium berfordern sie. Viele neue Strukturen seien unklar und nicht gengend berprft. Das Beratungsangebot des Studentenwerks ihrer Hochschule sei vllig unzureichend und biete keine Hilfestellung, erklrt sie.

Wenn Gedanken nur noch um Vorlesungen kreisen

In ihrer Verzweiflung besuchte Ute B. ihre Hausrztin. Innere Leere, die gefhlte Sinnlosigkeit und der zunehmende emotionale Rckzug machten mir Angst; begrndet sie rckblickend ihren Arztbesuch. Die Hausrztin legte ihr nahe, vor einer Prfung eigene Bedrfnisse strker zu bercksichtigen und Gewohnheiten zu berdenken. An den universitren Strukturen knne sie sowieso nichts ndern, so die rztin. Fr ihre Arbeitsunfhigkeitsbescheinigung und berweisung zu einem Psychotherapeuten sollte Ute B. selber whlen, ob in den Dokumenten die Diagnose Burnout oder Depression stehen sollte. Sie meint, es sei ihr leichter gefallen, das Label Burnout fr sich zu akzeptieren, als von einer Depression zu sprechen. Sie empfindet dieses Etikett als motivierender, um etwas an ihrem Verhalten zu verndern.

Keine verbindliche Definition fr Burnout-Syndrom

Ute B. steht mit dieser Einschtzung nicht alleine. Anerkannte Befragungen zeigen, dass der Begriff Burnout sozial akzeptierter ist als die Depression. Letzteres ist immerhin eine psychische Krankheit. Oft wird jedoch kritisiert, dass Erscheinungsform und Erfassung von Burnout nicht gengend fundiert sind, um Ausgangspunkt fr weiterfhrende Therapien zu sein. Ein Diplompsychologe meint: Auf rztlichen berweisungen steht fters Burnout. Bei Therapieantrgen wrde ich aber Gefahr laufen, dass der Antrag abgelehnt wird, weil Burnout keine anerkannte Diagnose ist. Burnout beschreibt, dass aufgrund von Problemen im beruflichen Bereich psychische Probleme auftreten. Die genauere Erfassung dieser Symptome muss aber noch weiter erforscht werden.

Soziale Untersttzung

In einer Psychotherapie lernte Ute B. ihre Denkmuster und Herangehensweise zu verndern. Die Fachschaft ihres Studienbereichs vermittelt ihr heute die soziale Untersttzung, die sie fr ihr Studium braucht. Es fllt ihr zwar immer noch schwer, Arbeiten ihren Kommilitonen zu bertragen, doch hlt sie ihre Leistungen nicht mehr fr unentbehrlich. In einer neuen Arbeitsgruppe achtet sie darauf, dass die Kommunikation miteinander offen, ehrlich und auf einer Ebene ist. Sie fhlt sich dort gut aufgehoben. Fr Projekte und Prfungen nimmt sich Ute B. heute mehr Zeit als frher. Sie stellt weniger hohe Erwartungen an sich. Besonders positives Feedback erleichtert ihr die Arbeit. Bei Kursarbeiten spricht sie ihren Professor offen an, wenn sie institutionelle Vorgaben problematisch findet. Sie fhlt wieder Tatkraft und es fllt ihr leichter, entspannt an ihre Arbeit zu denken. Langsam nimmt Ute B. ihr Studium wieder als wertvoll und anregend wahr.

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