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Mit dem Wahlergebnis von letzter Woche, haben die Bonner Studierenden ein klares Statement abgegeben: Ein AStA unter der Führung einer „bürgerlichen“ Koalition ist nicht mehr erwünscht. Zwar konnte der konservative RCDS insgesamt die meisten Mandate gewinnen, doch das Votum für eine Ablösung ist eindeutig. Hohe Verluste, sowohl prozentual, als auch in absoluten Zahlen hatten die Koalitionäre, der RCDS selbst und auch der wichtigste Partner, die ULF, zu beklagen. Am Wahlabend war zu hören, dass der Rückgang von 30 auf 18 Sitze (inklusive Re(h)-Partei), der höchste Stimmenverlust sei, den eine AStA-Koalition in Bonn jemals erlitten habe. Woran liegt das? Der RCDS selbst hatte sich die Verbesserung des Service an den Studierenden auf die Fahnen geschrieben und auch regelmäßig damit für sich geworben. Hörte man sich im vergangenen Jahr auf dem Campus um, wurde die Arbeit im AStA eher gelobt als verteufelt. Die Abschaffung, oder: Umstrukturierung, einiger Referate, sorgte zwar für etwas Wirbel, an der breiten Masse der Studenten ging diese Diskussion aber vorbei – wie das eben so ist, mit der AStA-Arbeit. Wenn also kaum jemand etwas von der Arbeit mitbekommt, trotzdem das diffuse Gefühl vorherrscht, dass es „eigentlich ganz gut“ läuft – warum dann die Abwahl? Dachten die Bonner Studierenden, dass die Arbeit des RCDS am Service nach einem Jahr beendet sein dürfte und nun wieder die anderen ran müssen? Hallte noch der „Schreck“ vom vergangenen Jahr nach, nun einen der ganz wenigen, konservativen Asten gewählt zu haben? Wollen sie doch einen politisch radikalen AStA der, wie es so schön heißt, in stundenlangen Sitzungen die „Weltrevolution vorbereitet“? Eine Erklärung dürfte sicherlich im starken Zuwachs an Gruppen im linken Spektrum liegen. Die Grünen zurück im Rennen, die OL:B erstmals dabei. Beides Gruppen, die viele Wähler zum Urnengang bewegt haben dürften und auch auf Anhieb starke Ergebnisse erzielt haben. Kein Wunder, dass gerade die OL:B von anderen Linksorientierten als „Spalter“ gesehen wird. Doch würde man es sich beim RCDS zu einfach machen, die Verschiebungen in der Parteienlandschaft der Uni als alleinige Begründung stehen zu lassen. Es gab ja nicht nur einen Verlust von prozentualen Anteilen, sondern tatsächlichen Stimmen: Trotz gestiegener Wahlbeteiligung (20,7 statt 16,85 Prozent), verlor man effektiv fast 300. Im Wahlkampf zur SP-Wahl 2010 konnte definitiv ein Comeback der Ideologie beobachtet werden. Von den Parteien der Mitte stets verpönt, von den Linken aber trotzdem oder gerade deshalb eingesetzt. Mit einem Wahlkampf des „wir oder die“ und Themen, die im Studierendenparlament nur bedingt etwas zu suchen haben, heizten sie die Stimmung an. Offensive Stellungnahmen zum Dauerbrenner „Studiengebühren“, zwangen das Thema auch den anderen HSGs auf. Hier konnte die alte Koalition nur verlieren. Denn auch wenn immer wieder betont wird, dass man das alles zwar nicht schön fände, damit aber vernünftig umgegangen werden müsse – die Studierenden wollen von Leuten vertreten sein, die gegen Gebühren auf die Straße gehen, oder in Hörsälen nächtigen. Selbst mitmachen? Nein. Andere damit beauftragen? Warum nicht? So haben die christdemokratischen Studi-Politiker wohl die Macht des Bildungsstreiks unterschätzt. Hier distanzierte man sich regelmäßig von jeglichen Aktivitäten, die aus der Studierendenschaft heraus entstanden. Es wurde dagegen argumentiert und angesichts der niedrigen „Mitmachquote“ sah man sich auch im Recht. Klar waren kaum Bonner Studierende bereit, sich aktiv am Bildungsstreik zu beteiligen. Die "besetzte", aber meiste eher leeren Hörsal I machte dies deutlich. Irgendwie cool fanden es viele dann aber wohl doch. So hat der RDCS den Kontakt zur Gesamt-Studierendenschaft verloren. Die „Klientel“ konnte mobilisiert werden, starke Ergebnisse an den Urnen in der „Hochburg“ Juridicum machen diese deutlich. Doch das reichte nicht. Es wird spannend sein zu beobachten, ob ein neuer linker AStA nun tatsächlich vor allem mit dem Kampf gegen Studiengebühren und der „Weltrevolution“ beschäftigt sein wird. Oder ob die letztjährige Niederlage und das RCDS-Jahr einen Pragmatismus-Schub gebracht hat. Die Koalitionsverhandlungen wurden bereits diese Woche aufgenommen.
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