Um kurz nach ein Uhr morgens war es Gewissheit. Einige Kandidaten und Anhänger der Juso-HSG stimmen die „Internationale“ an, Teile des Saals fallen ein. Der bierselige Abend in der Mensa Nassestraße hat damit seinen End- und Höhepunkt erreicht. Mitten im Trubel stehen die Leute des RCDS um ihre Spitzenkandidaten Magdalena Hermes und lächeln bitter. Kurz zuvor hat der Wahlausschuss das Ergebnis der Wahl zum 32. Studierendenparlament der Uni Bonn verkündet.

Es ist eine Erdrutschwahl. Schon seit um 22 Uhr die ersten Ergebnisse aus einzelnen Urnen durchgegeben worden waren, hatte es sich angedeutet. Der RCDS kann zwar seine Position als stärkste Kraft im SP behaupten, die AStA-Koaltion aber hat eine herbe Niederlage erlitten. 30 Sitze hatten die Fraktionen von RCDS, ULF und Re(h)-Partei gemeinsam – davon sind nur 18 übrig geblieben. Am RCDS liegt es nicht, denn die christdemokratische Hochschulgruppe hat 14 Sitze gewonnen. So gingen zwar fünf verloren, bei einem Plenum, in dem nun zehn statt sechs Fraktionen vertreten sind, ist dies aber keine echte Überraschung. Schwere Einbußen muss hingegen die Unabhängige Liste der Fachschaften hinnehmen: Sie fällt von neun auf drei Sitze. Der amtierende AStA-Vorsitzende des RCDS, Wolfgang Schoop, wollte denn auch „erstmal nichts“ zum Wahlergebnis sagen.

Während im bürgerlichen Lager also Katerstimmung herrschen dürfte, feiern die nach links tendierenden Gruppen ihr „Comeback“. Die Kandidaten der Grünen Hochschulgruppe und der Offenen Liste: Bildungsproteste fallen sich um den Hals und skandieren höhnisch ein langgezogenes „Auf Wiedersehen“ in Richtung des geschlagenen RCDS. Die Grünen feiern den „Wahnsinn“ ausgelassen, nach eigener Aussage hatten sie mit „sechs, allerhöchstens acht Sitzen“ gerechnet. Nun sind es zehn. Auch bei der OL:B ist man „mehr als zufrieden“, die fünf Sitze für ihre erstmal angetretene Liste bedeuten, dass – sollte ein linker AStA gebildet werden – kaum ein Weg an ihnen vorbei führt. Bei der demonstrativen Nähe, die Jusos und Grüne zu den „Bildungsstreikern“ pflegen, sollte dies aber auch kein Problem werden.

Die Jusos können ihrerseits das Ergebnis von 2009 beinahe halten. Ein Sitz geht ihnen verloren, was für sie aber wohl leicht zu verschmerzen sein dürfte. Denn an wen dieser Sitz gegangen ist, dürfte klar sein: Die bevorzugten Ansprechpartner für Koalitionsgespräche. So gibt Spitzenkandidatin Magdalena Möhlenkamp auch glücklich zu Protokoll: „Wir freuen uns einfach riesig, dass der bürgerliche AStA abgewählt ist.“

Die Abwahl des „bürgerlichen AStA“ – das Hauptziel der linken Gruppen ist erreicht. Nun müssen sie sich daran machen aus diesem gemeinsamen Nenner, eine tragfähige Koalition zu bilden. In den Programmen jedenfalls finden sich - neben der Ablehnung des RCDS - viele Schnittmengen, allzu schwer sollte es also nicht fallen. Glaubt man den Gesprächen und Eindrücken des Abends, scheint es ausgemachte Sache, dass Jusos, Grüne, OL:B und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dielinke.SDS (ein Sitz), ihre Mandate zusammenführen werden. Sie kämen damit auf eine Mehrheit von 28 der 51 Sitze im Parlament.

Fraglich ist, was aus den übrigen Gruppen wird. Die Re(h)-Partei, die seit jeher eher ein Schattendasein in der Bonner Hochschulpolitik führt, hat es wieder geschafft, einen Kandidaten zu platzieren. Die Liste undogmatischer Studenten (LUST), konnte dem starken Zuwachs an Konkurrenz im linken Lager nur wenig entgegen setzen – lediglich zwei Sitze wurden gewonnen, im Vorjahr waren es noch fünf. Ob die LUST im neuen AStA mitmischen wird, scheint nicht unmöglich, ernste Gespräche darüber gab es aber noch nicht. Die Piraten-HSG und die liberale HSG ziehen mit zwei, respektive einem Abgeordneten ins SP ein. Ob sie sich einem Lager zuordnen werden oder nicht, ist noch unklar. Genau wie die ULF, gaben sich beiden Gruppen im Vorfeld zur Wahl nach allen Seiten offen.

Im Schaubild: Mögliche Koalitionen im 32. Studierendenparlament der Uni Bonn.




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