Traditionell gibt es kurz vor den Wahlen zum Studierendenparlament der Uni Bonn eine „Elefantenrunde“. Alle Hochschulgruppen finden sich auf einem Podium zusammen und präsentieren ihre Programme. Ebenso traditionell wie die Veranstaltung selbst, ist das geringe Interesse der Studenten. Daran hat sich auch in diesem Jahr nichts geändert: am Montagabend fand sich wie eh und je nur ein kleines Grüppchen von knapp achtzig Leuten in der Nassemensa zusammen, um den Wortgefechten der Kandidaten zu lauschen.

Insgesamt zehn Gruppen stellen sich in diesem Jahr zur Wahl und tatsächlich konnten seit langem wieder einmal alle auf einem Podium versammelt werden. Neben der Spitzenkandidatin des aktuell regierenden RCDS und Koalitionspartner ULF waren als „alte Hasen“ auch die Spitzenkandidaten der Juso-HSG und der LUST, sowie ein Listenkandidat von „Die Linke.SDS“ anwesend. Neben ihnen treten dieses Jahr nach Pausen wieder die LHG und mit campus:grün eine HSG der Grünen an. Weiterhin saßen die Spitzenkandidaten der neu gegründeten Piraten HSG sowie der OL:B- Offene Liste der Bildungsproteste auf dem Podium und überraschenderweise war sogar ein Vertreter der sonst eher scheuen Re(h)-Partei anwesend. Moderiert wurde der Abend durch Johannes Seiler vom Generalanzeiger.

Studenten zu den Urnen holen - irgendwie…

Zu Anfang stand die allgemeine Vorstellungsrunde: in anderthalb Minuten sollten die Kandidaten kurz das Programm ihrer HSG zusammenfassen. Dabei machte der Moderator keine Kompromisse: Angela Kilian von der Piraten-HSG und Magdalena Hermes, die Spitzenkandidaten des RCDS wurden am Ende ihrer Zeit gnadenlos abgewürgt.

Unter Einbezug der Zuschauer folgte danach eine vertiefte Debatte zu den wichtigsten Themen, die aktuell die hochschulpolitische Diskussion dominieren- niedrige Wahlbeteiligung, Bildungsstreik, Bologna-Reform.

Auf die Frage, wie die einzelnen HSGs vorhätten, die Wahlmüdigkeit zu bekämpfen, gab es konträre Reaktionen. Hagen Schmitz von der OL:B und Matthias Schug von Die Linke.SDS zeigten sich optimistisch, dass die Wahlbeteiligung nun durch den Bildungsstreik ohnehin steigen werde. Dementgegen prophezeite Matheus Hagedorny von der LUST das genau gegenteilige Szenario: die Beteiligung werde eher noch sinken, weil die Studenten wüssten, dass das SP in der Uni nicht viel erreichen kann. Sämtlichen Hoffnungen auf Verbesserung erteilte er eine klare Absage: „Leute, hört auf mit dem Quatsch!“

Alice Barth, die Spitzenkandidaten der Grünen-HSG, und Markus Mayer von der Re(h)-HSG schwiegen denn auch brav zum Thema. Magdalena Hermes und Magdalena Möhlenkamp, die Spitzenkandidatin der Juso-HSG, ergingen sich lieber in eine Fehde über die Entwicklung des AStA unter der RCDS-Regierung, statt die Frage kompetent zu beantworten.

Feldzug gegen die Regierung

Der AStA stellte natürlich ohnehin das dominierende Thema des Abends dar. Die Einstellung des RCDS zum Bildungsstreik habe diesen erheblich behindert und das Vertrauen der Studenten in die amtierende Regierung zerstört. Das Serviceangebot sei entgegen den eigenen Angaben nicht aus- sondern immens abgebaut wurden. Die Zusammenlegung von Referaten nehme Minderheiten ihr Mitspracherecht und ihre Anlaufstellen. Der Rechenschaftsbericht, der auf der Homepage des AStA eingesehen werden kann, decke sich nicht mit den Angaben zur Finanzsituation in der Wahlwerbung.

Einer ganzen Palette von Vorwürfen musste sich Magdalena Hermes immer wieder erwehren. Vor allem das linke Lager ließ keine Gelegenheit aus, den amtierenden RCDS/ULF/Re(h)-AStA verbal zu attackieren. Der „bürgerliche AStA“ verhelfe letztlich allenfalls dazu, die „bürgerliche Linie zu suchen“, wie Matheus Hagedorny resümierend feststellte. Zwar bewies Magdalena Hermes Souveränität, die lautesten Stimmen gegen die Anfeindungen und entsprechende Rückpässe kamen jedoch aus einem Teil des Plenums, der sich immer wieder zu Wort meldete und polemische Wahlwerbung betrieb.

Jonathan Schulz von der ULF nahm die Anklagen gegen den AStA, der die ULF explizit miteinschließt, recht gleichgültig auf. Nach der Vorstellungsrunde war von ihm nicht mehr viel zu hören. Das fiel auch Hagen Schmitz von der OL:B! auf und merkte an, dass die ULF paradoxerweise in ihrer Wahlwerbung selbst den amtierenden AStA, kritisiere. Auf den darauf folgenden zynischen Einwurf von Matheus Hagedorny, „die Ratten verlassen das sinkende Schiff“ meldete sich die Stimme des ULF-Vertreters zumindest doch noch einmal zu Wort, wenn auch nur, um zu betonen, dass man nun einmal eine „bunter Haufen“ sei, „bei dem eine gemeinsame Linie schwer zu finden ist“.


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