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Es war der 3. November 1949, als man im Deutschen Bundestag beschloss, dass Bonn auch zukünftig die provisorische Bundeshauptstadt bleiben sollte. Bis 1999 sollte dieser Zustand andauern, dann entschied man sich für den Umzug nach Berlin. In diesen 50 Jahren geriet die Kleinstadt (nur knapp 150.000 Einwohner bis in die 60er Jahre) im Westen Deutschlands immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit: Politiker aus aller Welt wurden empfangen, Gesetze beschlossen, kurz und gut: man wurde zum Schauplatz des großen Politik-Theaters. Mit abertausenden einschlägig bekannten Bildern und Berichten wurde die Stadt seitdem gewürdigt. Dass die Politik jedoch nicht nur große Namen, sondern auch große Demonstrationen und Proteste mit sich brachte, ist weniger beachtet worden. Das Stadtmuseum Bonn hat sich nun das Ziel gesetzt, diesen Umstand zu ändern. Bereits am 6. November eröffnete die Sonderausstellung „Auf zur Demo! Straßenprotest in der ehemaligen Bundeshauptstadt“, die mit entsprechenden Fotos und Exponaten einen Einblick in fünf Jahrzehnte Protestkultur in Bonn bietet. Eine bönnsche Demokultur? In zweijähriger Arbeit suchte der wissenschaftliche Mitarbeiter des Museums, Dr. Horst-Pierre Bothien, Informationen und Ausstellungsstücke zusammen. Hierzu fragte er unter anderem beim Stadtarchiv, dem Netzwerk Friedenskooperative Bonn und natürlich bei Zeitzeugen direkt an. Verteilt auf zwei Räumen bekommt der Besucher jetzt einen chronologischen Überblick über die „Highlights“, wie Bothien meint, in der Entwicklung der Demonstrationslandschaft. Die erste Demo fand bereits am 8. September 1949 statt: Kriegsopfer demonstrierten für die Einführung des Lastenausgleichsgesetzes vor dem alten Bundestag. In den folgenden 50er Jahren entwickelten sich Proteste noch zaghaft, wenngleich sich das Themenspektrum vielfältig zeigt: so findet sich ein Bild von einer friedlichen Demo im Zuge der Suez-Krise neben einer Aufnahme von Wasserwerfern, mit welchen die Polizei damals noch hart gegen emotionsgeladene Jungprotestler vor ging. An Fahrt gewann die Protestkultur in Bonn wie in ganz Deutschland in den 60er Jahren. Natürlich machte die Studentenbewegung auch vor der Hauptstadt nicht Halt. Doch im Gegensatz zu den bekannten Szenarien aus den Großstädten zeigte sich in Bonn ein anderes Bild, nämlich das der friedlichen Bewegungen. „Die Polizei verfolgte die sogenannte ‚Bonner Linie‘. Man suchte schon im Vorfeld das Gespräch mit den Demonstranten und kam so einer Eskalation zuvor“, weiß Dr. Bothien zu berichten. Diese Strategie wurde auch in den nächsten Jahrzehnten beibehalten, wenngleich sie 1973 durch den „Bonner Rathaussturm“ einen herben Rückschlag erlitt. Der damalige Bundespräsident Heinemann empfing den südvietnamesischen Staatpräsidenten Thieu, was von Anti-Vietnamkriegsdemonstration begleitet wurde. Als links-extremistische Demonstranten das Rathaus stürmten, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Auch dieses Szenario kann man sich im Rahmen der Ausstellung einmal bildlich vor Augen führen. Ein Spiegel der Jahrzehnte In den Folgejahren flaute die allgemeine Proteststimmung etwas ab, aber nur um in den 80er Jahren ihren absoluten Höhepunkt zu erreichen. Etwa 400 Demonstrationen pro Jahr können nachgewiesen werden. Allein die Friedensdemonstrationen im Zeitraum von 1980 bis 1984 lockten rund eine Million Demonstranten nach Bonn. Diese Menschenmassen brachten auch einiges an Ärger mit sich: gegen die Veranstaltungen in Innenstadt und Hofgarten, die regelmäßig Verkehr und Arbeitsbetrieb nahezu lahm legten, regte sich vehementer Widerstand bei Stadt und Universitätsleitung, was letztlich dazu führte, dass der Hofgarten für Protestaktionen gesperrt wurde. Auch die Einwohner und der Einzelhandel standen den Großdemonstrationen eher skeptisch, mancher sogar ängstlich gegenüber. Ein sehr anschauliches Beispiel liefert die Ausstellung in Form eines Fotos, das mit Holzplatten verbarrikadierte Läden zeigt. Der Versuch sich vor Randale-Schäden zu schützen. Über diese Eindrücke kommt man schließlich ans Ende der Zeitreise, die aus den 90er Jahren noch einmal Bilder von DGB-Kundgebungen, Demos gegen den ersten Golfkrieg oder gegen rechte Gewalt zeigt. Viel Liebe zum Detail Neben den Fotos präsentiert die Ausstellung vor allem eine Fülle an alten Plakaten, mit denen einst zu Demonstrationen aufgerufen wurde. Hierdurch wird besonders die Vielseitigkeit der Demonstrationen deutlich. Klassische Reliquien 68er finden Platz neben Plakaten des Aufrufs zu Muttertagsprotesten für die Rechte der Frauen. Darüberhinaus finden sich noch drei Schaukästen an, von denen zwei die Überbleibsel von Demos, wie zum Beispiel Aufnäher oder Flyer beinhalten. Der dritte wartet mit einer kleinen Anekdote auf: in den 60er Jahren fanden einige, meist kleinere Demonstrationen gegen Charles de Gaulle statt, die ihn als „Bremser Europas“ verteufelten. An einer solchen Demo nahmen 1968 gerade einmal 60 junge Studenten teil, doch da anscheinend einer von ihnen Kontakte zur namhaften Presse hatte, erschienen am nächsten Tag weltweit in Tageszeitungen die Schlagzeile von einem großen Protest in Bonn. Diese „Ente“ kann man sich hier einmal in ihrem ganzen Ausmaß zu Gemüte führen. Solch kleine Details sind es, was die Ausstellung ausmacht. Nicht mit Exponaten überladen, sondern konzentriert auf ein paar ausgewählte Highlights, bietet sie einen vielseitigen Einblick in alle Facetten der Demonstrationsgeschichte, die Bonn in seiner Zeit als Bundeshauptstadt erleben durfte. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 17. Januar 2010 im Stadtmuseum Bonn.
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